spitzen-infos.de - Arzneimittel

Arzneimittel




Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Hauptseite MediaWiki 1.7alpha first-letter Media Spezial Diskussion Benutzer Benutzer Diskussion Wikipedia Wikipedia Diskussion Bild Bild Diskussion MediaWiki MediaWiki Diskussion Vorlage Vorlage Diskussion Hilfe Hilfe Diskussion Kategorie Kategorie Diskussion Portal Portal Diskussion Arzneimittel 17971 18125853 2006-06-21T12:39:19Z Pharmafuzzy 87368 '''Arzneimittel''' oder '''Pharmaka''' ([[Singular]] das ''Pharmakon'', [[griechische Sprache|griech.]] ''Ï†ÎŹÏÎŒÎ±ÎșÎżÎœ'' „Gift, Droge, Arznei“) sind laut [[Arzneimittelgesetz (Deutschland)|Arzneimittelgesetz]] (AMG) Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen, die zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt sind, um: *[[Krankheit]]en, Leiden, KörperschĂ€den oder krankhafte Beschwerden zu heilen, zu lindern, zu verhĂŒten oder zu erkennen, *[[Krankheitserreger]], [[Parasit]]en oder körperfremde Stoffe abzuwehren, zu beseitigen oder unschĂ€dlich zu machen, *die Beschaffenheit, den Zustand oder die Funktionen des Körpers oder seelische ZustĂ€nde zu erkennen oder zu beeinflussen, *vom menschlichen oder tierischen Körper erzeugte Wirkstoffe oder [[KörperflĂŒssigkeit]]en zu ersetzen (§ 2 Abs. 1 AMG). Außerdem gelten als Arzneimittel z. B. GegenstĂ€nde, die ein Arzneimittel nach § 2 Abs. 1 AMG enthalten oder auf die ein solches Arzneimittel aufgebracht ist und die dazu bestimmt sind, dauernd oder vorĂŒbergehend mit dem menschlichen oder tierischen Körper in BerĂŒhrung gebracht zu werden (§ 2 Abs. 2 Nr. 1 AMG). ==Definitionen== Die europĂ€ische Definition des Arzneimittelbegriffes findet sich in Artikel 1 Nr. 2 der Richtlinie 2001/83/EG, zuletzt geĂ€ndert durch die Richtlinie 2004/27/EG vom 31. MĂ€rz 2004. Danach sind Arzneimittel a) alle Stoffe oder Stoffzusammensetzungen, die als Mittel mit Eigenschaften zur Heilung oder zur VerhĂŒtung menschlicher Krankheiten bestimmt sind („PrĂ€sentationsarzneimittel“), oder b) alle Stoffe oder Stoffzusammensetzungen, die im oder am menschlichen Körper verwendet oder einem Menschen verabreicht werden können, um entweder die menschlichen physiologischen Funktionen durch eine pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkung wiederherzustellen, zu korrigieren oder zu beeinflußen oder eine medizinische Diagnose zu erstellen („Funktionsarzneimittel“). Rechtlich vom Begriff Arzneimittel zu unterscheiden ist der Begriff des [[Fertigarzneimittel]]s, der in § 4 Abs. 1 AMG definiert ist. Danach sind Fertigarzneimittel Arzneimittel, die im voraus hergestellt und in einer zur Abgabe an den Verbraucher bestimmten Packung in den Verkehr gebracht werden oder andere zur Abgabe an Verbraucher bestimmte Arzneimittel, bei deren Zubereitung in sonstiger Weise ein industrielles Verfahren zur Anwendung kommt oder die, ausgenommen in Apotheken, gewerblich hergestellt werden. Fertigarzneimittel sind nicht Zwischenprodukte, die fĂŒr eine weitere Verarbeitung durch einen Hersteller bestimmt sind. Im Gegensatz zu Fertigarzneimitteln werden sogenannte [[Eigenherstellung von Arzneimitteln|Rezeptur- und Defekturarzneimittel]] in Apotheken hergestellt. Der Begriff ''Arzneimittel'' schließt also alle [[Medikament]]e ein, geht aber ĂŒber den Begriff eines Medikamentes hinaus: [[Blut]]prĂ€parate oder [[Diagnostikum|Diagnostika]] wie beispielsweise [[Kontrastmittel]] sind zwar Arzneimittel, aber keine Medikamente. Umgangssprachlich wird das Wort Arzneimittel jedoch hĂ€ufig [[synonym]] mit Medikament verwendet. Abzugrenzen sind die Arzneimittel von den [[Medizinprodukt|Medizinprodukten]]. Siehe auch: ''[[Arzneistoff]]'' ''[[Heilmittel]]'' hingegen umfassen andere medizinisch unterstĂŒtzende Maßnahmen wie [[Balneologie|Badekur]]en, [[Massage]]n, [[Ergotherapie]] oder [[Krankengymnastik]]. == Entwicklung == Die Entwicklung eines neuen Arzneimittels ist kapitalintensiv und langwierig, da bis zur Zulassung umfangreiche Wirksamkeits- und VertrĂ€glichkeitsprĂŒfungen durchgefĂŒhrt werden mĂŒssen. Dem forschenden Unternehmen, welches das Arzneimittel entwickelt hat, wird daher ein zeitliches [[Monopol]] zur ausschließlichen Nutzung des Medikaments gewĂ€hrt ([[Patent]]schutz). Nach Ablauf dieser Zeit können andere Firmen (so genannte Nachahmer) eigene PrĂ€parate (so genannte [[Generikum|Generika]]) mit dem gleichen Wirkstoff auf den Markt bringen. Dies geschieht meist unter dem Freinamen ([[International non-proprietary name]], INN) der von der [[Weltgesundheitsorganisation|WHO]] vergeben wird. Die Entwicklung eines neuen Arzneimittels erfolgt in drei Phasen: # PrĂ€klinische Entwicklung, # Klinische PrĂŒfung, # Galenische Entwicklung. Auf Grund des Zeitdrucks bei der Entwicklung eines neuen Arzneimittels werden diese Phasen teilweise parallel durchlaufen. Von der Entwicklung eines neuen Arzneistoffes bis zu seiner Zulassung und Produktion vergehen 12 bis 15 Jahre. Die Kosten der Entwicklung eines neuartigen ([[Innovation|innovativen]]) Arzneimittels bis zur MarkteinfĂŒhrung werden von der Pharmaindustrie mit 500 bis 800 Millionen Dollar angegeben. Hierunter sind auch die Kosten fĂŒr sĂ€mtliche erfolglosen Medikamentenentwicklungen (die nicht zu einem neuen Medikament fĂŒhrten) und die OpportunitĂ€tskosten (fiktive ErtrĂ€ge, die das eingesetzte Geld mit einer lukrativen Geldanlage erzielt hĂ€tte) erfasst. Die OpportunitĂ€tskosten allein machen die HĂ€lfte der angegebenen Summe aus. Dazu kommen noch wesentliche Kostenanteile durch das [[Marketing]], insbesondere durch die Bewerbung der Produkte durch [[Pharmareferent]]en bei der Zielgruppe der [[Arzt|Ärzte]]. JĂ€hrlich werden etwa 30 bis 50 solche Medikamente entwickelt. Andere Arzneimittel – ohne neuen Wirkstoff – verursachen geringere Ausgaben. Die Entwicklung von Nachahmer-PrĂ€paraten und Generika ist deutlich kostengĂŒnstiger. === PrĂ€klinische Entwicklung === Bestandteil der prĂ€klinischen Entwicklung ist die Synthese oder Isolierung eines potenziellen Arzneistoffes (oder Arzneistoffgemisches) und dessen Untersuchung in geeigneten experimentell-pharmakologischen Testsystemen. Dabei können Wirkstoffe ([[Arzneistoff]]e) aus: *Pflanzen *Tieren *Mikroorganismen *Sera (Seren aus Tieren, durch Impfen (Vakzinen)) oder durch [[Synthese (Chemie)|Synthese]] bzw. Teilsynthese gewonnen werden. === Klinische PrĂŒfung === FĂŒr die Zulassung eines Humanarzneimittels ist dessen PrĂŒfung in klinischen Studien am Menschen vorgeschrieben. Diese umfassen: * Phase I: ÜberprĂŒfung der Aufnahme des Arzneistoffs und erste qualitative ÜberprĂŒfungen der (Neben-)Wirkungen an einem kleinen Kreis i. d. R. gesunder Probanden (ca. 10–20 Probanden). * Phase II: Qualitative und quantitative ÜberprĂŒfungen der Wirkungen und Nebenwirkungen eines Arzneistoffs und Dosisfindung fĂŒr Phase III der klinischen PrĂŒfung (ca. 100–300 Patienten). * Phase III: Quantitativer Nachweis der Wirksamkeit eines Arzneimittels unter definierten Bedingungen (ĂŒber 500 Patienten). * (Phase IV): ÜberprĂŒfung eines Arzneimittels nach dessen Zulassung. === Galenische Entwicklung === Die [[Galenik|galenische Entwicklung]] beschĂ€ftigt sich mit der Form eines fertigen Arzneimittels aus einem (oder mehreren) Arzneistoffen und einem (oder mehreren) Hilfsstoffen. Durch die Galenik kann die Freisetzungsgeschwindigkeit, der Ort der Freisetzung und der Ort der Wirkung beeinflusst werden. Siehe auch: [[Pharmaforschung]] == Rechtliches == === Zulassung === Fertigarzneimittel mĂŒssen in [[Deutschland]] gemĂ€ĂŸ § 21 Abs. 1 AMG vom [[Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte]] oder dem [[Paul-Ehrlich-Institut]] zugelassen werden. FĂŒr Arzneimittel, die im Anhang der Verordnung (EG) Nr. 726/2004 des EuropĂ€ischen Parlaments und des Rates vom 31. MĂ€rz 2004 gelistet sind (z. B. biotechnologisch hergestellte Arzneimittel, Arzneimittel gegen HIV, Krebs, Diabetes usw.) ist eine EU-weite Zulassung bei der europĂ€ischen Arzneimittelagentur [[EuropĂ€ische Arzneimittelagentur|EMEA]] vorgeschrieben. In den [[USA]] erfolgt die Zulassung von der [[Food and Drug Administration|FDA]]. FĂŒr die Zulassung in Deutschland bedarf es einiger Voraussetzungen, die u. a. im Arzneimittelgesetz (AMG) niedergelegt sind. === Verkehr mit Arzneimitteln === Arzneimittel können in Deutschland nach ihrer ErhĂ€ltlichkeit in vier Gruppen eingeteilt werden: # freiverkĂ€ufliche (Verkauf auch außerhalb von [[Apotheke]]n) # apothekenpflichtige (Abgabe nur in Apotheken) # [[verschreibungspflichtig]]e (Abgabe nur in Apotheken gegen Vorlage einer Ă€rztlichen, zahnĂ€rztlichen oder tierĂ€rztlichen [[Rezept|Verschreibung]]) # [[BetĂ€ubungsmittel]] (Abgabe in Apotheken nur gegen Vorlage eines [[BetĂ€ubungsmittelrezept]]es) === Pharmazentralnummer === Die meisten Fertigarzneimittel erhalten in Deutschland einen eindeutigen 7-stelligen SchlĂŒssel, die so genannte [[Pharmazentralnummer]] (PZN). Die PZN wird von der [[IFA GmbH]] (Frankfurt) auf Antrag des Herstellers vergeben und muss nach [[Sozialgesetzbuch (Deutschland)|SGB]] V auf die Ă€ußere UmhĂŒllung aufgedruckt sein. Mit Stand Januar 2004 sind etwa 340.000 PZN vergeben. Bei der Abrechnung der Arzneimittel mit den Krankenkassen durch die Apothekenrechenzentren werden die PZN als SchlĂŒssel genutzt, dazu mĂŒssen sie von den Apotheken auf die Rezepte aufgedruckt werden. Weiterhin findet die PZN fĂŒr die Bestellungen zwischen GroßhĂ€ndlern und Apotheken Verwendung. Die im Krankenhausbereich hĂ€ufig genutzte [[EAN]]-128 konnte sich bislang nicht in Deutschland durchsetzen. Die PZN ist nicht stĂ€ndig eindeutig: Nach einer gewissen Zeit tauchen frĂŒher vergebene PZN wieder auf. Hieraus resultiert ein Problem bei Arzneimitteldatenbanken, die mit PrĂ€paraten arbeiten, die „außer Handel“ gegangen sind. Allerdings spielt das im Apothekenalltag keine große Rolle. == Geschichte == FĂŒr eine Reihe von [[Heilpflanze]]n finden sich Hinweise auf ihre Anwendung schon aus vor- und frĂŒhgeschichtlicher Zeit. Bereits in einem Grab eines [[Neandertaler]]s (Shanidar IV., im heutigen Irak) das vor etwa 70.000–40.000 Jahren angelegt wurde, finden sich Beigaben, die nach [[Pollenuntersuchung]]en sieben Heilpflanzen zuzuordnen sind, weswegen hier das Grab eines Heilkundigen, eines [[Schamane]]n mit Attributen seiner TĂ€tigkeit vermutet wird. Steht dieser Fund aus frĂŒhester Zeit noch isoliert, so sind aus dem [[Neolithikum]], der jĂŒngeren Steinzeit, eine Reihe von Funden bekannt, die auf die Anwendung von Heilpflanzen schließen lassen. Aus den frĂŒhen [[Hochkultur]]en gibt es dann zahlreiche schriftliche Zeugnisse fĂŒr deren umfangreichen Arzneischatz, in [[Assyrien]] und [[Ägypten]] waren einige hundert pflanzliche, tierische und mineralische Arzneimittel in Gebrauch. === Griechisch-römische Überlieferung === FĂŒr die Arzneien der westlichen Medizin sind folgende Autoren besonders wichtig: * [[Theophrastos von Eresos]] (371–287 v. Chr.) beschrieb 550 Pflanzen, darunter zahlreiche Arznei- und [[Giftpflanzen]]. * [[Plinius der Ältere]] lebte von 23/24 bis 79 n. Chr. schrieb eine höchst umfangreiche enzyklopĂ€dische [[Naturkunde]], die ''naturalis historiae''. Die Heilmittel nehmen einen breiten Raum ein, es werden beinahe 1000 aus dem [[Pflanzenreich]] beschrieben. * Die in fĂŒnf BĂŒchern abgefasste Arzneimittellehre ''De materia medica'' des [[Dioskurides]] (ein römischer MilitĂ€rarzt, der im 1. Jh. lebte) ist die umfangreichste des Altertums. Er behandelt Arzneimittel aus allen drei Naturreichen, es werden 102 mineralische, 101 tierische und 813 pflanzliche Arzneimittel beschrieben. Das Werk erschien um [[78|78 n. Chr.]] und wirkte ĂŒber Jahrhunderte. Besonders im [[Mittelalter]] diente es als Vorbild und Fundgrube fĂŒr andere einschlĂ€gige Kompendien. === Mittelalter === Die mittelalterlichen Quellen zum Arzneischatz sind zahlreich. Dazu gehört u. a. das [[Lehrgedicht]] [[Liber_de_cultura_hortorum|Liber de Cultura Hortorum]] oder Hortulus des [[Walahfrid Strabo]] ([[9. Jahrhundert]]), der Abt des [[Kloster Reichenau|Klosters Reichenau]] war. Das Wissen ĂŒber die HeilkrĂ€fte der Pflanzen wird in Gedichtform ([[Hexameter]]) vermittelt. Ebenfalls ein Lehrgedicht ĂŒber Heilpflanzen und durch den 'Hortulus' beeinflusst ist der 'Macer floridus'. Der Verfasser, [[Odo von Meung]], lebte im [[11. Jahrhundert]]. Eine vom [[13. Jahrhundert]] an ĂŒberlieferte thĂŒringisch-schlesische ProsaĂŒbersetzung und -bearbeitung, der 'Ältere deutsche Macer' war weit verbreitet und diente neben anderen Quellen als Textgrundlage fĂŒr den 'Gart der gesuntheit' von [[1485]], eines der einflussreichsten gedruckten [[KrĂ€uterbuch|KrĂ€uterbĂŒcher]]. Zudem wird das europĂ€ische Mittelalter etwa vom Jahr [[1000]] an mit verloren geglaubten oder in Vergessenheit geratenen Schriften der [[Antike]] durch [[Übersetzung (Sprache)|Übersetzung]]en aus dem Arabischen ins Lateinische bekannt. Die Zentren der ÜbersetzertĂ€tigkeit liegen in SĂŒditalien (Salerno) und Spanien (Toledo). Dazu kommen eigenstĂ€ndige Erkenntnisse arabischer Gelehrter. [[Abu Bakr Mohammad Ibn Zakariya al-Razi]] ([[865]] bis etwa [[930]]), [[Avicenna]] ([[980]]–[[1037]]) und andere arabische Autoren zĂ€hlen zu den hochgeachteten AutoritĂ€ten der europĂ€ischen Heilkunde. In ihren Schriften werden bislang unbekannte Arzneidrogen beschrieben, zum Beispiel [[Ambra]], [[Benzoe]]harz, [[Cubeben]], [[Galgant]], [[Kampfer]], [[Moschus]], [[Muskat]], [[Mumie]] (siehe [[Mumia]]), [[Sandelholz]], [[SennesblĂ€tter]] und andere. Auch unabhĂ€ngig vom antiken oder arabischen Einfluss werden hier und da neue, eigenstĂ€ndige Beobachtungen gemacht, die das Wissen ĂŒber den Arzneischatz bereichern. Herausragend sind die „Physica“ der [[Hildegard von Bingen]] und eine Schrift des [[Albertus Magnus]] mit dem Titel „De vegetabilibus“. === Neuzeit === Seit der frĂŒhen [[Neuzeit]] wurde der europĂ€ische Arzneischatz erheblich erweitert: *durch eine neue Dimension im Handel mit Heilpflanzen und Drogen, die sich nach der Entdeckung des Seeweges nach Ostindien durch [[Vasco da Gama]] und die Landung in [[Amerika (Kontinent)|Amerika]] durch [[Christoph Columbus|Columbus]] eröffnete. So kamen beispielsweise [[Brechwurzel]], [[Chinarinde]], [[Curare]], [[Guajak]] und [[Perubalsam]] nach Europa. *durch Produkte alchemistischer TĂ€tigkeit. Besonders wichtig war die [[Alchemie]] der [[Araber]], da hier eine medizinische Zielrichtung in den Vordergrund trat: die Suche nach der [[Panazee]], der [[Universalmedizin]]. Der wichtigste Wegbereiter fĂŒr den Einsatz (al)chemischer [[PrĂ€parat]]e in der Medizin wurde Philippus Theophrastus Bombastus von Hohenheim genannt [[Paracelsus]] ([[1493]]–[[1541]]). Er vertritt die innerliche Anwendung von [[Chemikalie]]n, gerade von giftigen [[Antimon]]- und [[Quecksilber]]prĂ€paraten als erster. Zwar fanden seine Lehren zu seinen Lebzeiten nur einen beschrĂ€nkten AnhĂ€ngerkreis, doch seine Nachfolger, die [[Paracelsisten]], vermittelten seine Ideen einem immer grĂ¶ĂŸer werdenden Kreis von Medizinern und anderen Gelehrten. Von hier fĂŒhrt der Weg zur [[Pharmazeutische Chemie|pharmazeutischen Chemie]]. === 19. Jahrhundert bis jetzt === Die Neuzeit brachte mit ihren naturwissenschaftlichen Erkenntnissen ganz erhebliche VerĂ€nderungen des Arzneischatzes. Zu Beginn des [[19. Jahrhundert]]s gab es zunĂ€chst eine deutliche Reduktion: Übrig blieb, was nach damaligen Stand der Wissenschaft in der Wirksamkeit als gesichert galt. Der Erkenntniszuwachs in der [[Chemie]] fĂŒhrte dazu, dass eine FĂŒlle von wirksamen Inhaltsstoffen aus [[Arzneipflanze]]n isoliert wurden, etwa die Alkaloide [[Chinin]], [[Morphin]], [[Strychnin]]. Nicht nur [[Alkaloide]], auch viele weitere Pflanzeninhaltsstoffe wurden isoliert und davon eine große Zahl arzneilich verwendet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann der Siegeszug der [[Organische Synthese|organisch-synthetischen]] Arzneimittel, die von der [[Teerfarbenindustrie]] entwickelt wurden, wobei das Herstellungsverfahren dem [[Patent]]schutz unterlag. Dies förderte ganz erheblich die [[industrie]]lle Produktion von ArzneispezialitĂ€ten, den in abgabefertiger Verpackung hergestellten Arzneimitteln, wie sie heute das Bild beherrschen. Die [[AcetylsalicylsĂ€ure]], bekannt unter dem Namen [[Aspirin|AspirinÂź]], viele andere [[Schmerzmittel]] und weitere auf das [[Nervensystem]] wirkende Arzneistoffe gehören hierher ([[Narkose]]mittel, [[Antikonvulsivum|Antiepileptika]], [[Antiparkinsonmittel]], [[Psychopharmaka]] und andere). Weitere Beispiele sind Arzneimittel, die das [[Vegetatives Nervensystem|vegetative Nervensystem]] beeinflussen, etwa die Sympatholytika (zu denen die „Betablocker“ zĂ€hlen), die als [[Herz-Kreislaufmittel]] eingesetzt werden. Die Zahl der synthetisierten Wirkstoffe wurde rasch unĂŒberschaubar. Bei den [[Hormone]]n und [[Vitamine]]n gab es in der Folge [[Biochemie|biochemischer]], physiologisch- und klinisch-chemischer Untersuchungen des 19. und 20. Jahrhunderts zahlreiche Fortschritte. Dabei wurden u. a. die Grundlagen fĂŒr den therapeutischen Einsatz von Vitaminen, [[Insulin]], den [[Sexualhormon]]en ([[Estrogen]]e, [[Gestagen]]e, die "[[Pille]]", [[Androgen]]e), den Hormonen der [[Nebennierenrinde]] ([[Glukokortikoid]]e wie Cortison), [[SchilddrĂŒsenhormon]]en, den [[Gewebshormon]]en und ihren [[Antagonist (Pharmakologie)|Antagonist]]en (beispielsweise Antihistaminika als Antiallergika) gelegt. Besondere Bedeutung erlangten Arzneimittel zur Vorbeugung und Therapie der [[Infektionskrankheit]]en. Dazu gehören vor allem Antibiotika, Desinfektionsmittel, Sterilisation und [[Impfung]]en. Mit ihrer Hilfe, aber auch durch bessere ErnĂ€hrung und Wohnung sowie durch Anwendung hygienischer Verhaltensweisen, sind einst lebensbedrohliche Erkrankungen („Geißeln der Menschheit“), die auf [[Mikroorganismen]] zurĂŒckgehen, stark zurĂŒckgegangen. Zu nennen sind hier die Forschungen von [[Paul Ehrlich]] (1854–1915) ([[Salvarsan]]) und [[Gerhard Domagk]] (1895–1964) ([[Sulfonamid]]e). Dazu kam die Entdeckung, dass [[Naturstoff]]e, so das von [[Schimmelpilz]]en gebildete [[Penicillin]], als [[Antibiotikum|Antibiotika]] erfolgreich gegen diese Krankheiten eingesetzt werden können. == ArzneimittelrĂŒckstĂ€nde in der Umwelt == Arzneimittel sind aufgrund ihrer Bestimmung in der Regel biologisch hochaktive Stoffe, die selbst oder als Metabolite (Stoffwechselprodukte) in der Umwelt bei entsprechenden Konzentrationen zu SchĂ€den fĂŒhren können. Durch verbesserte Analysetechniken werden seit etwa Mitte der 1990er Jahre vermehrt Arzneimittel oder deren RĂŒckstĂ€nde in OberflĂ€chen-, Grund- und TrinkwĂ€ssern nachgewiesen. Eintragsquellen in die Umwelt ist neben den Ausscheidungen (Urin, Kot) von Mensch und Tier auch das Wegwerfen ungebrauchter Arzneimittel. [[Bild:Arzneimittel in der Umwelt.JPG|thumb|Eintragsquellen von Arzneimitteln und ArzneimittelrĂŒckstĂ€nden in die Umwelt]] Es wird befĂŒrchtet, dass sich durch das Vorhandensein von Arzneimitteln oder von deren RĂŒckstĂ€nden in der Umwelt bei [[Bakterien]] [[Resistenz]]en gegen [[Antibiotikum|Antibiotika]] ausbilden können. == Siehe auch == [[Rote Liste (Arzneimittel)|ROTE LISTE]], [[Pharmazie]], [[Verschreibungspflicht]], [[BetĂ€ubungsmittel]], [[Droge]]n, [[Wirkstoff]], [[Placebo]], [[Generikum|Generika]], [[Mumia]], [[Therapeutische Breite]], [[Nebenwirkung]], [[Orphan-Arzneimittel|Orphan drug]], [[Phytotherapie]], [[Allopathie]], [[Homöopathie]], [[homöopathisches Arzneimittel]], [[Traditionelle Chinesische Medizin|TCM]], [[Medizinische Wirksamkeit]], [[RezeptgebĂŒhr]] == Literatur == * Wolf-Dieter MĂŒller-Jahncke, Christoph Friedrich: ''Geschichte der Arzneimitteltherapie''. Stuttgart 1996 * Merrill Goozner: ''The $800 million pill''. University of California Press, Berkeley, 2004, 297 S., ISBN 0-520-23945-8 * Marcia Angell: ''The truth about the drug companies''. Random House, New York 2004, 305 S., ISBN 0-375-50846-5.- Deutsch: Der Pharma-Bluff - Wie innovativ die Pillenindustrie wirklich ist. Verlag KomPart, Bonn/Bad Homburg 2005 * Ray Moynihan, Alan Cassels: ''Selling sickness: How the world's biggest pharmaceutical companies are turning us all into patients''. Nation Books, New York 2005 * Robert Langer: ''Medikamente direkt am Ziel''. Spektrum der Wissenschaft, MĂ€rz 2004, S. 42–48, {{ISSN|0170-2971}} * Franz-Josef Kuhlen: ''Historisches zum Thema Schmerz und Schmerztherapie''. Pharmazie in unserer Zeit 31(1), S. 13–22, 2002, ISSN 0048 - 3664 * Bernd Hanisch, Bettina Abbas, Werner Kratz, Gerrit SchĂŒĂŒrmann: ''Humanarzneimittel im aquatischen Ökosystem. Bewertungsansatz zur AbschĂ€tzung des ökotoxikologischen Risikos von ArzneimittelrĂŒckstĂ€nden''. USWF – Zeitschrift fĂŒr Umweltchemie und Ökotoxikologie 16(4), S. 223–238, 2004 * Radka Alexy, Klaus KĂŒmmerer: ''Antibiotika in der Umwelt''. KA-Abwasser, Abfall 52(5), S. 563–571, 2005, ISSN 1616-430x == Weblinks == *[http://www.fda.gov www.fda.gov] – Homepage der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde *[http://www.emea.eu.int http://www.emea.eu.int] - Homepage der europĂ€ischen Arzneimittelagentur *[http://www.bfarm.de www.bfarm.de] – Homepage der deutschen Arzneimittelzulassungsbehörde *[http://www.pei.de www.pei.de] – Paul-Ehrlich-Institut (PEI) – das Bundesamt fĂŒr Sera und Impfstoffe *[http://www.vifapharm.de/pmh7li.htm Arzneimittelinformation] - Links der Virtuellen Fachbibliothek Pharmazie {{gesundheitshinweis}} [[Kategorie:Arzneimittel|!]] [[Kategorie:Klinische Forschung]] [[ca:droga]] [[da:L%E6gemiddel]] [[en:drug]] [[es:Medicamento]] [[fr:M%E9dicament]] [[ms:Dadah]] [[sv:L%E4kemedel]]



Diese Version des Artikels stammt vom 05.07.2006.



Der Inhalt dieser Seite basiert auf dem Artikel „Arzneimittel“ aus der freien Enzyklopïżœdie Wikipedia und ist unter der GNU-Lizenz fïżœr freie Dokumentation verïżœffentlicht. Auf der Wikipedia-Seite ist eine Liste der Autoren einzusehen.

Zufallsartikel.

Elbsandsteingebirge

... mehr