Biochemie
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Biochemie
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2006-03-27T13:56:22Z
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Die '''Biochemie''' ([[griechische Sprache|griechisch]] ''βιοχημεία, wiochimía'', „die Chemie des Lebens“; zur Herkunft von ''Chemie'' siehe dort und unter [[Alchemie#Herkunft|Alchemie]]) ist die Lehre von den chemischen Vorgängen in [[Lebewesen]].
Weiterhin ist Biochemie die Bezeichnung einer [[alternativmedizin]]ischen Heilmethode nach Dr. med. Wilhelm Heinrich Schüssler, Rud. Virchow und Jac. Moleschott, die sich sogenannter [[Schüßler-Salze]] bedient.
==Gegenstand der Biochemie==
Die Biochemie beschäftigt sich mit
*der Aufklärung der [[Reaktionsmechanismus|Mechanismen]] und der Steuerung des [[Stoffwechsel]]s, sowie mit der Aufklärung der daran beteiligten [[Stoff_(Chemie)|Stoffe]].
*der Aufklärung des molekularen Aufbaus des [[Organismus]] der Lebewesen und wie diese Bausteine bereitgestellt werden und wie sie interagieren.
*der Aufklärung der Mechanismen des Informationsaustauschs im und zwischen Organismen, der Speicherung und des Abrufs von Informationen und der jeweils beteiligten Stoffe.
Im Zuge dessen konzentrieren sich die Betrachtungen auf die Stoffgruppen der [[Nukleinsäure]]n, [[Protein]]e, [[Lipid]]e und [[Kohlenhydrate]], sowie deren Derivate.
Der überwiegende Teil der biochemisch interessanten Vorgänge spielt sich in Lebewesen und somit in [[Wasser|wässrigem]] Milieu ab.
== Geschichte der Biochemie ==
Die Biochemie entwickelte sich seit Anfang des 19. Jahrhunderts aus der [[Biologie]], [[Chemie]] und der medizinischen [[Physiologie]] und war von Anfang an eng mit der [[Genetik]] und [[Zellbiologie]] verknüpft. Diese Wissenschaften arbeiten nach wie vor Hand in Hand und ihre Grenzen überlappen einander stark.
Die Bereiche Biochemie, Zellbiologie und Genetik werden heutzutage oft unter dem Titel [[Molekularbiologie]] zusammengefasst.
Als einer der ersten Deutschen beschäftigte sich Anfang des 19. Jahrhunderts [[Georg Carl Ludwig Sigwart]] in [[Tübingen]] mit der Biochemie. Er arbeitete u.a. über [[Säure]][[indikator]]en bei [[Herbstzeitlose]]n, [[Analyse]]n von [[Galle]]n- und [[Harnstein]]en und die [[Proteine]] des [[Blutserum]]s. In Frankreich entdeckte [[Anselme Payen]] 1833 mit der [[Diastase]] das erste Enzym. Ab 1845 isolierte [[Julius Eugen Schloßberger]] in seinem Laboratorium in der Küche von Schloß Hohentübingen [[Kreatin]] aus Muskelfleisch des Alligators, analysierte [[Rachitis|rachitische Knochen]], den [[Jod]]gehalt von [[Korallen]] und das [[Kupfer]] im [[Hämocyanin]]. Sein Nachfolger [[Felix Hoppe-Seyler]] befaßte sich 1861 - 1872 am selben Ort u.a. mit [[Muskelkontraktion]], [[Totenstarre]], [[Milchsäure]] aus [[Glykogen]], [[Oxidation]]s- und [[Reduktion]]s[[ferment]]en und [[Hämoglobin]]. Unter seiner Leitung entdeckte [[Friedrich Miescher]] 1869 das [[Nuklein]]. [[Eduard Buchner]], von 1896 - 1898 außerordentlicher Professor der Chemie in Tübingen, entdeckte 1896 die zellfreie [[Gärung]] und wurde dafür 1907 mit dem [[Nobelpreis]] geehrt. Sir [[Frederick Gowland Hopkins]], ein Pionier der Biochemie in Großbritannien, entdeckte 1912 die [[Vitamine]] und essentiellen [[Aminosäuren]] und wurde dafür 1929 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Im Jahre 1926 entdeckte [[Otto Heinrich Warburg]] das Atmungsferment Cytochromoxidase, wofür er 1931 den Nobelpreis erhielt.
===Meilensteine der Biochemie===
*1828 - Synthese des organischen [[Harnstoff]]s aus anorganischem Ammoniumcyanat durch [[Friedrich_Wöhler|Wöhler]]
*1833 - Entdeckung des ersten Enzyms ([[Diastase]]) durch [[Anselme_Payen|Payen]]
*1869 - Entdeckung der Erbsubstanz [[Nuclein]] durch [[Friedrich Miescher]]
*1896 - Entdeckung der zellfreien [[Gärung]] durch [[Eduard Buchner]]
*1926 - Entdeckung des Atmungsferments [[Cytochromoxidase]] durch [[Otto Heinrich Warburg]]
*1929 - Aufklärung des Mechanismus der [[Glykolyse]] durch [[Gustav_Embden|Embden]] und [[Otto_Meyerhof|Meyerhof]], sowie [[Jakob_Parnas|Parnas]]
*1932 - Aufklärung des [[Citratzyklus]] durch [[Hans_Adolf_Krebs|Hans Adolf Krebs]]
*1953 - Aufklärung der Struktur der [[Desoxyribonukleinsäure|DNA]] durch [[James_Watson|Watson]] und [[Francis_Crick|Crick]]
===Forschungsinstitute im deutschsprachigen Raum===
(Die Liste ist unvollständig)
*[[Max-Planck-Institut für Biochemie]] [http://www.biochem.mpg.de], Martinsried
*[[Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie]] [http://www.ipb-halle.de], Halle (Saale)
*[[Biozentrum der Universität Basel]] [http://www.biozentrum.unibas.ch], Basel
*[[EMBL|European Molecular Biology Laboratory]] [http://www.embl-heidelberg.de], Heidelberg
*[[Max-Planck-Forschungsstelle für Enzymologie der Proteinfaltung]] [http://www.enzyme-halle.mpg.de], Halle (Saale)
Die Biochemie ist zum festen Bestandteil der hochschulischen Ausbildung vor allem von Medizinern und Biologen, aber auch anderen Naturwissenschaftlern geworden, so finden sich Institute für Biochemie an vielen deutschen Hochschulen.
==Gliederung der Biochemie==
Je nach Untersuchungsgebiet lässt sich die Biochemie in folgende Untergebiete gliedern:
*medizinische Biochemie
*ökologische Biochemie
*Pflanzenbiochemie
*Zoobiochemie
*Proteinbiochemie
*Immunbiochemie
*Neurobiochemie
*physikalische Biochemie
==Methoden der Biochemie==
Die Biochemie bedient sich der weiten Palette der [[Molekularbiologische_Methoden|molekularbiologischen Methoden]], sowie der [[Analytische_Chemie|analytischen Chemie]].
== Biochemiker ==
=== Studium der Biochemie ===
Biochemiestudiengänge gibt es derzeit (2005) in der [[BRD]] sowohl mit den Abschlüssen [[Diplom]] als auch [[Bachelor]] bzw. [[Master]]:
* Der Diplomstudiengang Biochemie hat eine Regelstudienzeit von 9 bis 10 [[Semester]]n und eine Höchststudiendauer von 13 bis 14 Semestern und führt zum berufsqualifizierenden Abschluss ''Diplom-Biochemiker/in''.
* Der Bachelorstudiengang Biochemie hat eine Regelstudienzeit von 6 bis 8 Semestern und führt zum berufsqualifizierenden Abschluss ''Bachelor of Science - Biochemie''.
Deutsche Universitäten, die ein Biochemie-Studium anbieten:
{| border="1"
|'''Studiengang'''
|'''Abschluss'''
|'''Ort, Art d. Hochschule'''
|-
|Biochemie
|Diplom
|[[Universität_Bayreuth|Bayreuth, U]]
|-
|Biochemie
|Bachelor
|[[Freie_Universität_Berlin|Berlin, FU]]
|-
|Biochemie
|Diplom
|Berlin, FU
|-
|Biochemie
|Bachelor
|[[Ruhr-Universität_Bochum|Bochum, U]]
|-
|Biochemie
|Bachelor
|[[Heinrich-Heine-Universität_Düsseldorf|Düsseldorf, U]]
|-
|Biochemie
|Diplom
|[[Johann_Wolfgang_Goethe-Universität|Frankfurt/Main, U]]
|-
|Biochemie
|Diplom
|[[Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald|Greifswald, U]]
|-
|Biochemie
|Diplom
|[[Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg|Halle-Wittenberg, U]]
|-
|Biochemie
|Diplom
|[[Universität_Hannover|Hannover, U]]
|-
|Biochemie
|Diplom
|[[Friedrich-Schiller-Universität Jena|Jena, U]]
|-
|Biochemie
|Diplom
|[[Universität_Leipzig|Leipzig, U]]
|-
|Biochemie
|Bachelor
|[[Technische_Universität_München|München, TU]]
|-
|Biochemie
|Diplom
|[[Ludwig-Maximilians-Universität_München|München, U]]
|-
|Biochemie
|Diplom
|[[Universität_Potsdam|Potsdam, U]]
|-
|Biochemie
|Diplom
|[[Universität_Regensburg|Regensburg, U]]
|-
|Biochemie
|Diplom
|[[Eberhard-Karls-Universität_Tübingen|Tübingen, U]]
|-
|Biochemie
|Bachelor
|[[Universität_Ulm|Ulm, U]]
|-
|Biochemie
|Diplom
|[[Universität_Witten/Herdecke|Witten/Herdecke, U]]
|-
|
|
|
|-
|Biochemie - Chemie d. Lebenswissenschaften
|Bachelor
|[[Universität_Bielefeld|Bielefeld, U]]
|-
|Biochemistry and Cell Biology
|Bachelor
|[[International_University_Bremen|Bremen, IU]]
|-
|Chemische Biologie
|Bachelor
|[[Universität_Dortmund|Dortmund, U]]
|-
|Biochemie/Molekularbiologie
|Diplom
|[[Universität_Hamburg|Hamburg, U]]
|-
|Biochemie u. Molekularbiologie
|Diplom
|[[Christian-Albrechts-Universität_Kiel|Kiel, U]]
|-
|}
Quelle: www.campus-germany.de, Januar 2006
Neben dem reinen Biochemie-Studium besteht die Möglichkeit Chemie oder Biologie zu studieren und sich während des Studiums in Richtung Biochemie zu spezialisieren. Eine Spezialisierung erfolgt dabei üblicherweise durch die Wahl der Biochemie als Wahlpflichtfach bzw. Hauptfach sowie die Anfertigung der Diplomarbeit, Bachelor-Thesis oder Master-Thesis im Bereich der Biochemie. Diese Variante bietet den Vorteil, dass sich Studienanfänger nicht direkt für ein reines Biochemie-Studium entscheiden müssen. Vielmehr haben sie die Möglichkeit im Grundstudium verschiedene Fächer kennenzulernen, um sich dann während des Hauptstudiums auf eine bestimmte Spezialisierung (z.B. Biochemie) festzulegen. Die Möglichkeit dazu ist an vielen deutschen Universitäten gegeben und die Regelstudienzeiten entsprechen denen der reinen Biochemie-Studiengänge.
=== Der Facharzt für Biochemie ===
Es besteht auch die Möglichkeit, nach einem absolvierten [[Medizinstudium]] in Deutschland als ''[[Facharzt]] für Biochemie'' tätig zu werden. Hierfür bedarf es einer vierjährigen Weiterbildungszeit. Auf diese anrechenbar ist
* 1 Jahr [[Innere Medizin]] oder [[Pädiatrie]]
Am [[1. Januar]] [[2001]] waren 115 Fachärzte für Biochemie registriert, von denen einer niedergelassen war. 28 übten keine ärztliche Tätigkeit aus.
== Literatur ==
*Donald Voet et al.: ''Lehrbuch der Biochemie''. Wiley-VCH, 2002. ISBN 352730519X
*Jeremy M. Berg, Lubert Stryer et al.: ''Biochemie''. 5. Aufl., Spektrum Akademischer Verlag, 2003. ISBN 3827413036
*Lehninger, Nelson, Cox: ''Lehninger Biochemie''. 3. Aufl., Springer-Lehrbuch, Berlin, 2001. ISBN 354041813X
*Werner Müller-Esterl et al.: ''Biochemie, eine Einführung für Mediziner und Naturwissenschaftler''. Spektrum Akademischer Verlag, 2004. ISBN 3827405343
*Andreas Held: ''Prüfungs-Trainer Biochemie und Zellbiologie''. Spektrum Akademischer Verlag, 2005. ISBN 382741542X
*Konrad Lechner: ''Schülerbuch Biochemie''. 4. Aufl., Bayerischer Schulbuch-Verlag, 1998. ISBN 3762742359
*Peter Karlson et al.: ''Kurzes Lehrbuch der Biochemie für Mediziner und Naturwissenschaftler''. 14. Aufl., Thieme, Stuttgart, 2005. ISBN 3133578146
*Florian Horn et. al.: ''Biochemie des Menschen - Das Lehrbuch für das Medizinstudium''. 3., vollst. überarb. u. erw. Aufl., Thieme, Stuttgart, 2005. ISBN 3131308834
*Graeme K. Hunter: ''Vital Forces. The discovery of the molecular basis of life''. Academic Press Inc.(London) Ltd, 2000. ISBN 0123618118
==== Biochemische Fachzeitschriften ====
* [http://www.jbc.org ''The Journal of Biological Chemistry'' - JBC] (engl.) Zeitschrift der amerikanische Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiology {{ISSN|0021-9258}}
* [http://pubs.acs.org/journals/bichaw/ ''Biochemistry''] (engl.) {{ISSN|0006-2960}}
* [http://www.biochemj.org/ ''Biochemical Journal''] (engl.) {{ISSN|0306-3275}}
* [http://www.chembiol.com/ ''Chemistry and Biology''] (engl.) {{ISSN|1074-5521}}
== Wiki/Weblinks ==
{{Wiktionary|Biochemie}}
{{Wikibooks|Lehrbuch der Biochemie}}
*http://www.biochemie.de – Internet-Publikations-Plattform
*http://www.gbm-online.de - Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie e.V.
*http://www.biorama.ch/biblio/b20gfach/b35bchem/bchz99.htm - Kurze Übersicht
*http://www.foerstner.org/konrad/bco/grundlagen/index_grundlagen.html
*http://www.till-biskup.de/studium/material/bch/skript - Biochemie Script
*http://online-media.uni-marburg.de/chemie/bioorganic/index2.html - Online Grundkurs
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Diese Version des Artikels stammt vom 31.03.2006.
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