Chemie
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Chemie
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/* Spezielle Chemie */
Die '''Chemie''' [{{IPA|ˈçemi:}}] bzw. [{{IPA|ˈkemi:}}], fälschlich auch [{{IPA|ˈʃemiː}}] (von [[Arabische Sprache|arabisch]] ''al-kimiya' '') ist die Lehre vom Aufbau, Verhalten und der Umwandlung der chemischen Elemente und ihren Verbindungen sowie den dabei geltenden [[Naturgesetz|Gesetzmäßigkeiten]]. Die ''Chemie'' entstand in ihrer heutigen Form als exakte [[Naturwissenschaft]] im [[17. Jahrhundert|17.]] und [[18. Jahrhundert]] allmählich aus der Anwendung rationalen Schlußfolgerns basierend auf Beobachtungen und [[Experiment]]en der [[Alchemie]]. Einige der ersten großen [[Chemiker]] waren [[Robert Boyle]], [[Humphry Davy]], [[Jöns Jacob Berzelius]], [[Joseph Louis Gay-Lussac]], [[Joseph-Louis Proust]], [[Marie Lavoisier|Marie]] und [[Antoine Laurent de Lavoisier|Antoine Lavoisier]] und [[Justus von Liebig]].[[Bild:Spiritusflamme_mit_spektrum.png |thumb| Spiritusflamme und ihr Spektrum]]
[[Bild:Demokritmuenze.jpg|thumb|Griechische Münze mit Demokrit und Atomdarstellung]]
Bei [[Chemische Reaktion | chemischen Reaktionen]] werden [[Chemische Bindung | Bindung]]en zwischen Atomen getrennt und neu gebildet, es findet also eine Stoffveränderung statt. Da die für die Chemie relevanten Eigenschaften der Atome fast ausschließlich in ihrer elektronischen Struktur ([[Elektronenhülle]]) begründet liegen, können grundlegende Aufgabengebiete der Chemie auch als ''„Physik der äußeren Elektronenhülle“'' betrachtet werden.
Alle Eingriffe, die die Art des [[Stoff (Chemie)|Stoff]]es (Stoff = Substanz) unverändert lassen (z.B.: [[Schmelzen]], [[Erstarren]]), gehören zur [[Physik]]. Zur [[Kernphysik]] zählen Veränderungen am [[Atomkern]].
Zu diesem Thema siehe auch den Artikel [[Grundlagen der Chemie]] und das [[Portal:Chemie]] in der Wikipedia.
== Allgemeines ==
Die Chemie befasst sich mit den Eigenschaften der Elemente und Verbindungen, mit den möglichen Umwandlungen eines Stoffes in einen anderen, macht Vorhersagen über die Eigenschaften für bislang unbekannte Verbindungen, liefert Methoden zur Synthese neuer Verbindungen und Messmethoden um die chemische Zusammensetzung unbekannter Proben zu entschlüsseln.
Obwohl alle Stoffe aus vergleichsweise wenigen "Bausteinsorten", nämlich aus etwa 80 bis 100 der 118 bekannten [[Chemisches Element|Elemente]] aufgebaut sind, führen die unterschiedlichen Kombinationen und Anordnungen der Elemente zu einigen Millionen sehr unterschiedlichen Verbindungen, die wiederum so unterschiedliche Materieformen wie Wasser, Sand, Pflanzen- und Tiergewebe oder [[PVC]]-Kunststoff aufbauen. Die Art der Zusammensetzung bestimmt schließlich die chemischen und physikalischen Eigenschaften der Stoffe und macht damit die Chemie zu einer recht umfangreichen Wissenschaft. <br />
Fortschritte in den verschiedenen Teilgebieten der Chemie sind oftmals die unabdingbare Voraussetzung für neue Erkenntnisse in anderen Disziplinen, besonders in den Bereichen [[Biologie]] und [[Medizin]], aber auch im Bereich der [[Physik]] und der [[Ingenieurwissenschaften]]. Ausserdem erlauben sie es häufig, die Produktionskosten für viele Industrieprodukte zu senken. Beispielsweise führen verbesserte Katalysatoren zu einem geringeren Energieverbrauch oder eine neue, billigere Reaktion ersetzt eine alte.
*Für die Medizin ist die Chemie bei der Suche nach neuen [[Medikament]]en und bei der Herstellung von [[Arzneimittel]]n unentbehrlich.
*Die Ingenieurwissenschaften suchen häufig je nach Anwendung nach maßgeschneiderten Materialien (leichte Materialien im Flugzeugbau, beständige und belastbare Baustoffe, hochreine Halbleiter...). Die Suche nach solchen, sowie deren Synthese ist eine der Aufgaben der Chemie.
*In der Physik werden z.B. zur Durchführung von Experimenten oft hochreine Stoffe benötigt, deren Herstellung spezielle Synthesemethoden erfordert.
== Wirtschaftliche Bedeutung der Chemie ==
[[Bild:BASF Hochhaus.jpg|thumb|left|Hochhaus des Chemiekonzernes [[BASF]]]] Die [[chemische Industrie]] ist - gerade auch in [[Deutschland]] - ein sehr bedeutender [[Wirtschaftszweig]]: In Deutschland liegt der [[Erlös|Umsatz]] der Chemieindustrie bei über 100 Milliarden [[Euro]], die Zahl der Beschäftigten lag nach der Wiedervereinigung Deutschlands bei über 700 000 und ist jetzt unter 500 000 gesunken. Sie stellt einmal [[Grundchemikalie]]n wie beispielsweise [[Schwefelsäure]] oder [[Ammoniak]] her - oft im Maßstab von Millionen von Tonnen jährlich -, die sie dann zum Beispiel zur Produktion von [[Düngemittel]]n und [[Kunststoff]]en verwendet. Andererseits produziert sie viele komplexe Stoffe, insbesondere [[Medikament]]e, maßgeschneidert für spezielle Zwecke. Auch die Herstellung von [[Computer]]n, [[Kraftstoff|Kraft-]] und [[Schmierstoff]]en für die [[Automobil]]industrie und vielen anderen technischen Produkten ist ohne industriell hergestellte Chemikalien unmöglich.
== Chemie im Alltag == [[Bild:Campfire_4213.jpg|thumb|right|Verbrennung: eine chemische Reaktion]]
Chemische Reaktionen im Alltag finden zum Beispiel beim [[Kochen]], [[Backen]] oder [[Braten (Garmethode)|Braten]] statt, wobei oft gerade die hier ablaufenden, recht komplexen [[Stoffumwandlung]]en zum typischen [[Aroma]] der [[Speise]] beitragen. Weiterhin wird Nahrung chemisch zerlegt und mit körpereigenen Abbauvorgängen in Bestandteile und auch Energie umgewandelt. Eine gut beobachtbare chemische Reaktion ist die [[Verbrennung (Chemie)|Verbrennung]].
Haarfärbung, Verbrennungsmotoren, Handy-Displays, [[Waschmittel]], [[Dünger]], [[Arzneimittel]] u.v.m. sind weitere Beispiele für Anwendungen der Chemie im alltäglichen Leben.
Im Alltag wird der Begriff 'Chemie' oft in einem eingeschränkten Sinn als Abkürzung für 'Produkt der chemischen Industrie' verwendet, zum Beispiel bei der 'Chemischen Reinigung': Diese reinigt [[Textilie]]n mit (synthetischen) [[Lösungsmittel]]n. Der Reinigungsvorgang selbst ist in der Regel ein Lösen der Verunreinigung (beispielsweise eines Fettflecks) im Lösungsmittel und damit kein chemischer Prozess (Stoffumwandlung) im eigentlichen Sinne, sondern ein physikalischer Vorgang (Lösen)! Im Gegensatz dazu ist das manchmal als 'Putzen ohne Chemie' gepriesene Auflösen von [[Calciumcarbonat|Kalk]]flecken mit [[Essig]] oder [[Zitronensaft]] sehr wohl ein chemischer Vorgang, da dabei festes [[Calciumcarbonat]] (Kalk) durch die [[Säure]]n zu löslichem [[Hydrogencarbonat]] bzw. [[Kohlenstoffdioxid]] umgesetzt wird.
== Chemie als Schulfach ==
''Hauptartikel:'' [[Chemie für die Schule]]
Es ist Aufgabe des [[Chemieunterricht]]s, einen Einblick in stoffliche Zusammensetzung und in Vorgänge der Natur zu geben. Stoffumwandlungen in der belebten und unbelebten Natur beruhen ebenfalls auf chemischen Reaktionen und sollten als solche erkannt werden können. Ebenso sollte aus der Vermittlung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse Verständnis für die moderne Technik und eine positive Einstellung dazu aufgebaut werden, da doch gerade die Chemie durch Einführung neuer Produkte einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen des Menschen geleistet hat. Nicht zuletzt dient der Chemieunterricht auch dazu, die Schüler zu mündigen Verbrauchern zu erziehen.
== Ansehen der Chemie ==
[[Bild:Oppau1921.jpg|thumb|left|Luftbild der Explosion in [[Ludwigshafen-Oppau]], 1921]]
Die Chemie hat in der Öffentlichkeit - auch aufgrund von [[Chemiekatastrophe]]n und [[Umweltskandal]]en - ein relativ schlechtes Ansehen. Viele Fachleute empfinden dies angesichts des Nutzens und der allgemeinen Bedeutung der Chemie als nicht gerechtfertigt, weil in [[Europa]] unter anderem aufgrund der strikten Gesetzgebung ([[Chemikaliengesetz]], [[Gefahrstoffverordnung]]) eine weitgehend sichere Handhabung von [[Chemikalie]]n gewährleistet ist.
Um das Image der Chemie zu verbessern wurde das Jahr [[2003]] von verschiedenen Trägerorganisationen zum "Jahr der Chemie" ([http://www.jahr-der-chemie.de Netseite]) erklärt.
== Geschichte ==
[[Bild:Flamel-figures.png|thumb|220px|Die „alchemistischen Figuren“ des Nikolaus Flame]]
''Hauptartikel:'' [[Geschichte der Chemie]], [[Chronologie der chemischen Entdeckungen]]
Die [[Chemie in der Antike]] bestand im angesammelten praktischen Wissen über Stoffumwandlungsprozesse und den naturphilosophischen Anschauungen der Antike. Die [[Chemie im Mittelalter]] entwickelte sich aus der [[Alchemie]], die in China, Europa und Indien schon seit Jahrtausenden praktiziert wurde.
Alchemie war die Untersuchung von [[Materie]], wobei die Vorstellungswelt der Alchemisten nicht auf wissenschaftlichen Untersuchungen basierte, sondern auf Erfahrungstatsachen und empirischen Rezepten. Das Ziel ihrer Untersuchungen war eine Substanz mit dem Namen [[Stein der Weisen]], die Stoffe wie Blei in Gold verwandeln sollte. Alchemisten führten eine große Auswahl Experimente mit vielen Substanzen durch, um diesen Stoff zu finden. Sie notierten ihre Entdeckungen und verwendeten für ihre Aufzeichnungen die gleichen [[Symbole]], wie sie auch in der [[Astrologie]] üblich waren. Die mysteriöse Art ihrer Tätigkeit und die dabei fabrizierten farbigen [[Flamme]]n, [[Rauch]] oder [[Explosion]]en führten dazu, dass sie als [[Zauberer|Magier]] und [[Hexe]]r bekannt und teilweise verfolgt wurden. Für ihre Experimente entwickelten die Alchemisten die gleichen [[Apparat]]uren, wie sie heute noch in der [[Chemische Verfahrenstechnik|chemischen Verfahrenstechnik]] verwendet werden.
[[Bild:AlbertusMagnus.jpg|thumb|left|Albertus Magnus; Fresko (1352), Treviso, Italien]]
Ein bekannter Alchimist war [[Albertus Magnus]]. Er befasste sich als [[Kleriker]] mit diesem Themenkomplex und fand bei seinen Experimenten ein neues [[chemisches Element]], das [[Arsen]]. Kein Alchimist hat allerdings je den Stein der Weisen entdeckt und im [[17. Jahrhundert]] wurde die alchemistische Arbeitsweise durch [[wissenschaft]]liche Methodik ersetzt. Einiges vom Wissen der Alchemisten wurde von den ersten Chemikern verwendet, die ihre Arbeit auf logische Schlussfolgerungen ihrer Beobachtungen gründeten und nicht auf der Idee, beispielsweise [[Blei]] in [[Gold]] zu verwandeln.
[[Bild:Liebig_small.jpg|thumb|right|150px|Justus von Liebig]]
Die [[Chemie in der Neuzeit]] erhielt als [[Wissenschaft]] entscheidende Impulse im 18. und 19. Jahrhundert: Sie wurde auf die Basis von Messvorgängen und [[Experiment]]en gestellt - den Gebrauch der [[Waage]] sowie die Beweisbarkeit von [[Hypothese]]n und Theorien über Stoffe und Stoffumwandlungen.
Die Arbeiten von [[Justus von Liebig]] über die Wirkungsweise von [[Dünger]] begründeten die [[Agrarchemie]] und lieferten wichtige Erkenntnisse über die [[anorganische Chemie]]. Die Suche nach einem synthetischen Ersatz für den [[Farbstoff]] [[Indigo]] zum Färben von [[Textil]]ien waren der Auslöser für die bahnbrechenden Entwicklungen der [[Organische Chemie|organischen Chemie]] und der [[Pharmazie]]. Auf beiden Gebieten hatte man in [[Deutschland]] bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine absolute Vorrangstellung. Dieser Wissensvorsprung ermöglichte es beispielsweise, den zur Führung des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieges]] notwendigen [[Sprengstoff]] statt aus importierten [[Nitrat]]en mit Hilfe der [[Katalyse]] aus dem [[Stickstoff]] der [[Luft]] zu gewinnen (siehe [[Haber-Bosch-Verfahren]]).
Die [[Autarkie]]bestrebungen der [[Nationalsozialisten]] gaben der Chemie als Wissenschaft weitere Impulse. Um von den Importen von [[Erdöl]] unabhängig zu werden, wurden Verfahren zur Verflüssigung von [[Steinkohle]] entwickelt ([[Fischer-Tropsch-Synthese]]). Ein weiteres Beispiel war die Entwicklung von synthetischem [[Kautschuk]] für die Herstellung von [[Radreifen|Fahrzeugreifen]].
In der heutigen Zeit ist die Chemie ein wichtiger Bestandteil der [[Kultur|Lebenskultur]] geworden. Chemische Produkte umgeben uns überall, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Allerdings haben [[Unfall|Unfälle]] der chemischen [[Industrie|Großindustrie]] wie beispielsweise die von [[Seveso]] und [[Bhopal]] der Chemie ein sehr negatives [[Image]] verschafft, so dass [[Slogan]]s wie "Weg von der Chemie!" sehr populär werden konnten.
Die [[Forschung]] entwickelte sich um die Wende zum [[20. Jahrhundert]] soweit, dass vertiefende Studien des Atombaus nicht mehr zum Bereich der Chemie gehören, sondern zur [[Atomphysik]] bzw. [[Kernphysik]]. Diese Forschungen lieferten dennoch wichtige Erkenntnisse über das Wesen der chemischen Stoffwandlung und der chemischen Bindung. Weitere wichtige Impulse gingen dabei auch von Entdeckungen in der [[Quantenphysik]] aus ([[Orbitalmodell|Elektronen-Orbitalmodell]]).
== Berühmte Chemiker ==
* [[Liste bedeutender Chemiker (chronologisch)|Bedeutende Chemiker (chronologisch)]] (nach Geburtsdatum geordnet)
* [[Liste bedeutender Chemiker (alphabetisch)|Bedeutende Chemiker (alphabetisch)]]
* [[Liste bedeutender Chemiker (Kategorien)|Bedeutende Chemiker (Kategorien)]] (nach den Fachgebieten geordnet, dort alphabetisch)
* [[Liste der Nobelpreisträger für Chemie]], [[Nobelpreisträger]]
== Fachrichtungen ==
Die Chemie wird aus traditionellen Gründen in die organische und anorganische Chemie unterteilt, wobei etwa um 1890 auch noch die physikalische Chemie hinzukam.
Seit der Harnstoffsynthese 1828 von [[Friedrich Wöhler]], bei der die organische Substanz [[Harnstoff]] aus der anorganischen Verbindung [[Ammoniumcyanat]] hergestellt wurde, verwischen sich die Grenzen zwischen Stoffen aus der unbelebten (den "anorganischen" Stoffen) und der belebten Natur (den organischen Stoffen). So stellen Lebewesen auch eine Vielzahl anorganischer Stoffe her, während im Labor fast alle organischen Stoffe hergestellt werden können.
Die traditionelle, aber auch willkürliche Unterscheidung zwischen anorganischer und organischer Chemie wurde aber dennoch beibehalten. Ein Grund besteht darin, dass die organische Chemie stark vom [[Molekül]] bestimmt wird, die anorganische Chemie jedoch oft von [[Ion (Chemie)|Ionen]], [[Kristall]]en, [[Komplexverbindungen]] und [[Kolloid]]en. Ein weiterer ist, dass sich die Reaktionsmechanismen und Stoffstrukturen in der Anorganik und Organik vielfach unterscheiden.
Eine weitere Möglichkeit ist es, die Chemie nach der Zielrichtung in die untersuchende, 'zerlegende' Analytische Chemie und in die aufbauende, produktorientierte Präparative- oder Synthetische Chemie aufzuspalten. In der Lehrpraxis der [[Universität]]en ist die Analytische Chemie oft als Unterrichtsfach vertreten, während die Präparative Chemie im Rahmen der organischen oder anorganischen Chemie behandelt wird.
Es gibt natürlich noch weitere Fachgebiete, doch die hier geschilderten sollen einen groben Überblick verschaffen.
Für die entsprechenden Hauptartikel siehe ''Chemie in der Wikipedia''.
=== Anorganische Chemie ===
[[Bild:H3po4.jpg|left|thumb|Phosphorsäure]]
Hauptartikel: [[Anorganische Chemie]]
Diese, auch Anorganik genannte Richtung, umfasst, einfach ausgedrückt, die Chemie aller Elemente und
Verbindungen, die nicht ausschliesslich Kohlenstoffketten enthalten, denn diese sind Gegenstände der organischen Chemie. Die anorganische Chemie beschäftigt sich beispielsweise mit [[Phosphorsäure]], [[Silizium]] und anderen kohlenstofffreien Verbindungen, aber auch mit [[Kohlendioxid]], den Säuren [[Cyanwasserstoff]] (Blausäure) und [[Kohlensäure]] sowie mit deren Salzen. Es gibt aber noch eine ganze Reihe von Verbindungen, beispielsweise [[Organometallchemie|Organometallverbindungen]], die sich nicht so eindeutig zuordnen lassen.
In der Anorganik geht es um kleine Moleküle oder überhaupt um Salze bzw. Metalle, daher reicht eine Summenformel meist aus. In wenigen Fällen, wo es dennoch Isomere gibt, werden verständlicherweise wie in der organischen Chemie systamatische Namen und Strukturformeln benötigt. Oft orientieren sich diese dabei sogar an denen von ähnlich aufgebauten Substanzen in der organischen Chemie (siehe beispielsweise [[Silane]]).
'''Historische Definition:''' Die Anorganische Chemie befasst sich mit den chemischen Elementen und Reaktionen der Stoffe, die nicht von organischem [[Leben]] (mit Hilfe der hypothetischen [[Lebenskraft]]) erzeugt werden.
Siehe auch zur anorganischen Chemie:
* Chemie der [[Metall]]e
* Chemie der [[Nichtmetall]]e
* [[Komplexchemie]], einschließlich der [[Bioanorganische Chemie|Bioanorganischen Chemie]]
* [[Festkörperchemie]]
* [[Kristallographie]]
* [[Strukturchemie]]
* [[Metallorganische Chemie]] (steht zwischen Anorganischer und Organischer Chemie)
* [[Kolloidchemie]]
* [[Atmosphärenchemie]]
=== Organische Chemie ===
[[Bild:Kohlenwasserstoffe.png|thumb|140px|Kalottenmodelle einiger Kohlenwasserstoffe.]]
Hauptartikel: [[Organische Chemie]]
Die auch Organik genannte organische Chemie ist eigentlich die Chemie eines einzigen Elementes, des [[Kohlenstoff]]s. Durch dessen Fähigkeit, lange Ketten zu bilden, sowie durch die drei verschiedenen Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindungsmöglichkeiten ([[Alkane | Einfach-]], [[Alkene | Doppel-]] und [[Alkine | Dreifachbindung]]). Durch diese enorme Vielfalt an Ketten, Ringen und anderen Verbindungen enthält schon alleine die Chemie der [[Kohlenwasserstoffe]] eine gewaltige Zahl an unterschiedlichen Substanzen, die sich oft nur an einer einzigen Doppelbindung oder überhaupt nur an der Struktur unterscheiden. Hinzu kommt noch, dass häufig auch Fremdatome im Kohlenwasserstoffgerüst eingebaut sind. Um diese Unzahl an Verbindungen einwandfrei zu identifizieren, genügen keine Summenformeln mehr, was sich mit einem Beispiel leicht demonstrieren lässt:
C<sub>2</sub>H<sub>6</sub>O kann bedeuten:
[[Ethanol]] ("Alkohol"): [[bild:Ethanol.png]]
[[Dimethylether]]: CH<sub>3</sub>-O-CH<sub>3</sub> ''(falls möglich durch passende Strukturformel (am besten wie oben) ersetzen)''
Wie jeder durch bloßes Abzählen feststellen kann, stimmt die Summenformel für beide Substanzen, die allerdings sehr unterschiedlich sind, wovon man sich bei den entsprechenden Hauptartikeln überzeugen kann. Es sind insgesamt nur 7 Atome vorhanden, doch trotzdem ist eine Summenformel allein keine ausreichende Kennzeichnung mehr. Nun muss man sich nur noch zusätzliche Atome vorstellen, und das Chaos ist perfekt.
Aus diesem Grund gibt es die [[IUPAC]]-[[Nomenklatur (Chemie) | Nomenklatur]], die jeder Substanz (auch jeder anorganischen) einen eindeutigen, systematischen Namen zuweisen, obwohl gerade bei organischen Stoffen oft Trivialnamen (gewohnte Bezeichnungen; z.B.: Essigsäure) vorhanden sind. Nach diesen Regeln wird die erste Substanz Ethan(C<sub>2</sub>H<sub>6</sub>) + ol (Endung für [[Alkohole]], also -OH), also Ethanol, und die zweite Meth(Methyl (CH<sub>3</sub>-)) + oxy (-O-) + Methan, also Methoxymethan, genannt. [[bild:friedrich woehler.jpg|thumb|Friedrich Wöhler]]
'''Historische Definition''': Früher dachte man, dass organische Substanzen, wie schon das Wort "organisch" sagt, nur von Lebewesen hergestellt werden könne. Man schrieb dies einer so genannten "vis vitalis", also einer "Lebenskraft" zu, die in diesen Substanzen verborgen sei. Diese Theorie war lange Zeit unangefochten, bis es [[Friedrich Wöhler]] [[1828]] gelang, erstmals eine anorganische Substanz im Labor in eine organische umzuwandeln. Wöhlers berühmte [[Harnstoffsynthese]] aus [[Ammoniumcyanat]] durch Erhitzen auf 60°:
[[Bild:Ammonium.PNG]]OCN<sup>-</sup>&nbsp;&nbsp; <math> \rightarrow </math> &nbsp;&nbsp;[[Bild:Harnstoff.png|80px]]
Siehe auch zur organischen Chemie:
* [[Namensreaktionen]]
* [[Nomenklatur (Chemie)|Nomenklatur]]
* [[Kunststoffchemie]]
* [[Naturstoffchemie]]
* [[Petrochemie]]
* [[Stereochemie]]
=== Physikalische Chemie ===
[[bild:Walther Nernst.jpg|thumb|Walther Nernst]]
Hauptartikel: [[Physikalische Chemie]]
Bei der physikalischen Chemie handelt es sich um den Grenzbereich zwischen [[Physik]] und Chemie. Während in der [[präperative Chemie|präparativen Chemie]] (Organik, Anorganik) die Fragestellung z. B. ist: "Wie kann ich einen Stoff erzeugen", beantwortet die physikalische Chemie stärker quantitative Fragen, z. B. "Unter welchen Bedingungen findet eine Reaktion statt?" (Thermodynamik), oder "Wie schnell ist die Reaktion" (Kinetik). Die an Bedeutung gewinnende theoretische Chemie, Quantenchemie oder Molekularphysik versucht, Eigenschaften von Stoffen, chemischer Reaktionen und [[Reaktionsmechanismus|Reaktionsmechanismen]] anhand von physikalischen Modellen, wie z. B. der [[Quantentheorie]] oder [[Quantenelektrodynamik]] und numerischen Berechnungen zu ergründen.
Die Physikalische Chemie wurde um [[1890]] vor allem von [[Svante Arrhenius]], [[Jacobus Henricus van 't Hoff]] und [[Wilhelm Ostwald]] begründet.
Letzterer war auch erster Herausgeber der [[1887]] gemeinsam mit van 't Hoff gegründeten ''Zeitschrift für physikalische Chemie'' und hatte in [[Universität Leipzig|Leipzig]] den ersten deutschen Lehrstuhl für Physikalische Chemie inne.
Das erste eigenständige Institut für Physikalische Chemie wurde [[1895]] von [[Walther Hermann Nernst|Walther Nernst]], der sich bei Ostwald habilitiert hatte, in [[Georg-August-Universität Göttingen|Göttingen]] gegründet.
Weitere spezifisch der Physikalischen Chemie gewidmete Institute folgten dann in rascher Folge in Leipzig ([[1897]]), [[Technische Universität Dresden|Dresden]] ([[1900]]),
[[Universität Karlsruhe (TH)|Karlsruhe]] ([[1903]]), Breslau, [[Humboldt-Universität Berlin|Berlin]] ([[1905]]) und andernorts.
[[Chemiker]] und [[Physiker]], die vorwiegend im Bereich der Phyikalischen Chemie tätig sind, werden auch als Physikochemiker bezeichnet.
Siehe auch zur physikalischen Chemie:
* Chemische [[Sensorik]], z. B. Abgasanalyse mit der [[Lambda-Sonde]];
* [[Elektrochemie]] ([[Elektrolyse]], [[Batterie]]n, [[Akku]]s, [[Brennstoffzelle]]n, [[Galvanotechnik]]);
* [[Atmosphärenchemie]], z. B. [[Ozonloch]];
* [[Prozessanalytik]]: Beobachten und Regeln von Produktionsanlagen;
* [[Spektroskopie]], z. B. zum Entwickeln neuer analytischer Verfahren;
* [[Phasenlehre]]: [[LCD]]-[[Flachbildschirm]]e;
* [[Magnetochemie]]
=== Biochemie ===
Hauptartikel: [[Biochemie]]
* [[Genetik]]
* [[Biotechnologie]]
* [[Medizinische Chemie]]
* [[Pharmazeutische Chemie]]
=== Theoretische Chemie ===
[[bild:Pauling.jpg|thumb|Linus Pauling]]
Hauptartikel: [[Theoretische Chemie]]
* [[Quantenmechanik]]
* [[Quantenchemie]]
* [[Thermodynamik]]
* [[Statistische Mechanik]]
=== Analytische Chemie ===
Hauptartikel: [[Analytische Chemie]]
* [[Qualitative Analyse]] mit [[Nachweisreaktionen]] und [[Kationentrenngang]]
* [[Quantitative Analyse]]
* [[Anorganische analytische Chemie]]
* [[Organische analytische Chemie]]
* [[Lebensmittelchemie]]
* [[Mikrochemie]] und [[Spurenanalyse]]
* [[Klinische Chemie]] (vgl. [[Labormedizin]]) und [[Toxikologie]]
* [[Chemometrik]]
* [[Chromatographie|Chromatographische Analysenverfahren]]
* [[Spektroskopie|Spektroskopische Analysenverfahren]]
=== Technische Chemie ===
Hauptartikel: [[Technische Chemie]]
* [[Chemische Verfahrenstechnik]]
* [[Chemische Reaktionstechnik]]
=== Spezielle Chemie ===
* [[Bioanorganische Chemie]]
* [[Geochemie]]
* [[Kosmochemie]]
* [[Lebensmittelchemie]]
* [[Metallorganische Chemie]] (oder [[Organometallchemie]])
* [[Umweltchemie]]
* [[Wasserchemie]]
* [[Geschichte der Chemie]]
== Literatur ==
*Charles E. Mortimer: ''Chemie - Das Basiswissen der Chemie''. Thieme 2003, ISBN 3134843080
* Eine Zusammenstellung von ausgewählten Beiträgen aus Spektrum der Wissenschaft: ''Digest: Moderne Chemie''. Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH, Heidelberg, Juni 1995, {{ISSN|0945-9537}}
* Pedro Cintas: ''Der Weg zu chemischen Namen und Eponymen: Entdeckung, Priorität und Würdigung''. Angewandte Chemie 116(44), S. 6012 - 6018 (2004), {{ISSN|0044-8249}}
* Joachim Kranz; Manfred Kuballa: ''Chemie im Alltag'', Berlin, 2003, ISBN 3-589-21692-1
* Michael Wächter: ''Stoffe, Teilchen, Reaktionen''. Verlag Handwerk und Technik,Hamburg 2000, ISBN 3-582-01235-2
== Weblinks ==
*[http://dc2.uni-bielefeld.de Prof. Blumes Bildungsserver für Chemie]
*[http://www.chemieonline.de Portal für Schüler und Studenten mit Forum, Jobbörse und Buchbesprechungen]
*[http://www.versuchschemie.de Chemieforum und Experimente]
*[http://www.chemikalien.de Portal mit Forum zur Chemie]
*[http://www.lambdasyn.com Versuche und Synthesen für Chemiestudenten und Hobbyisten]
*[http://www.chemie-lk.de Chemie-Portal mit Forum für den Chemie-Leistungskurs]
*[http://www.TOMCHEMIE.de Chemie-Portal mit Forum und einem Chemiechat, Tomchemie]
*[http://www.chemie.de Deutsches Chemie-Portal]
*[http://www.Netchemie.de Netchemie - Chemie für Schule Studium und Alltag: Lexika, Versuche, Software und Forum]
*[http://www.cci.ethz.ch/de/start.html Chemische Experimente auf dem WEB] - Ziel dieses Angebotes der [[Eidgenössische Technische Hochschule Zürich|ETHZ]] ist es, den Studierenden und Dozierenden auf [[Video]] aufgezeichnete [[Experiment|Experimente]] jederzeit bereitzustellen
*[http://www.experimentalchemie.de Experimentalchemie.de] - Chemische Experimente für Unterricht und zu Showzwecken
*[http://www.vs-c.de Vernetztes Studium Chemie] - ein online-Lehrbuch zur Chemie mit Animationen, Übungsaufgaben und Glossar.
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Diese Version des Artikels stammt vom 10.02.2006.
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