Deutscher Bauernkrieg
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Deutscher Bauernkrieg
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2006-07-06T06:37:26Z
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Als '''Deutscher Bauernkrieg''' (auch ''Erhebung des gemeinen Mannes'') wird die Ausweitung lokaler Bauernaufstände ab [[1524]] in weiten Teilen des süddeutschen Sprachraumes ([[Süddeutschland]], [[Österreich]] und der [[Schweiz]]) bezeichnet, wobei die Bauern mit ihren [[Zwölf Artikel|Zwölf Artikeln]] erstmals fest umrissene Forderungen formulierten. In [[Schwaben]], [[Franken (Region)|Franken]], dem [[Elsass]] und in [[Thüringen]] wurden die Aufstände [[1525]], in [[Kurfürstentum Sachsen|Sachsen]] und [[Tirol]] [[1526]] niedergeschlagen. Diesem [[Bauernkrieg]] gingen Aufstände in England und der Schweiz voraus.
[[Bild:karte_bauernkrieg3.jpg|400px|thumb|Ausbreitung der Aufstände]]
== Ursachen und Umfeld ==
Die Ursachen für das Aufbegehren der Bauern waren vielfältig. Anfang des [[16. Jahrhundert]]s war das [[Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation|Heilige Römische Reich Deutscher Nation]] im süddeutschen Sprachraum und dort vor allem in [[Schwaben]] in einer unüberschaubaren Vielzahl kleiner Feudalherrschaften zersplittert. Viele Probleme der Bauern waren lokal und durch den jeweiligen Landesherren bedingt; die kleinen Wirtschaftseinheiten führten zu Abgrenzung und [[Kirchturmdenken]] und bremsten den wirtschaftlichen Aufschwung.
Die meisten Ursachen der Aufstände waren aber in der allgemeinen Situation der größten Bevölkerungsgruppe der Bauern begründet, die sich von ''Herrschaft ''zu'' Herrschaft'' nicht wesentlich unterschied.
=== Situation der Bauern ===
Die Hauptlast zur Aufrechterhaltung der [[Feudalismus|Feudalgesellschaft]] trugen die Bauern: [[Fürst]]en, [[Adel]], [[Beamter|Beamte]], [[Patrizier]] und der [[Klerus]] lebten von deren Arbeitskraft, und da die Zahl der Nutznießer immer weiter anstieg, stiegen auch die Abgaben, die die Bauern zu leisten hatten. Neben dem [[Zehntherrschaft|Großzehnt]] und dem Kleinzehnt auf die meisten ihrer erwirtschafteten Einkünfte und Erträge zahlten sie [[Steuer|Steuern]], [[Zoll (Abgabe)|Zölle]] und [[Zins]]en und waren häufig ihren [[Grundherrschaft|Grundherren]] zu [[Frondienst|Fron]]- und [[Hand- und Spanndienste|Spanndiensten]] verpflichtet.
In [[Oberschwaben]], [[Württemberg]], [[Franken (Land)|Franken]], [[Freistaat Sachsen|Sachsen]] (Obersachsen) und [[Thüringen]] wurde die [[Realteilung]] angewandt, die bei gleich bleibender Gesamtproduktionsfläche zu immer kleineren Höfen führte. Viele dieser Kleinstbauernhöfe waren angesichts der hohen Belastungen nicht mehr wirtschaftlich zu führen.
Wirtschaftliche Probleme, häufige Missernten und der Druck der Grundherren führten immer mehr Bauern in die [[Hörigkeit]] und weiter in die [[Leibeigenschaft]], woraus wiederum zusätzliche [[Pacht]]en und Dienstverpflichtungen resultieren.
Auch das „Alte Recht“, ein mündlich überliefertes Recht, wurde von den Grundherren zunehmend frei interpretiert oder vollkommen ignoriert. Seit Jahrhunderten bestehende [[Allmende]]n wurden enteignet und gemeinschaftliche Weide-, Holzschlag-, Fischerei- oder Jagdrechte beschnitten oder abgeschafft.
=== Situation im Reich ===
Der Hochadel war an einer Änderung der Lebensumstände der Bauern natürlich nicht interessiert, weil dadurch zwangsläufig eigene Privilegien und Vorteile eingeschränkt worden wären. Der niedere Adel ging dem Niedergang entgegen und hatte mit einem dramatischen Bedeutungsverlust zu kämpfen, was zu eigenen Aufständen führte ([[Pfälzischer Ritteraufstand]]). Der Versuch vieler niederer Adliger, sich durch [[Raubritter]]tum über Wasser zu halten, ging größtenteils wiederum zu Lasten der Bauern.
Der [[Klerus]] war genauso gegen jede Veränderung: Der [[Katholizismus]] in der bestehenden Form stellt die Kernsäule des Feudalismus dar; die kirchlichen Einrichtungen waren in der Regel selbst feudal organisiert – kaum ein Kloster existierte ohne zugehörige Dörfer. Die Kirche bezog ihre Einnahmen vorwiegend aus Spenden, schwunghaftem [[Ablass]]handel sowie dem [[Zehnt]]. Letzterer war auch für den Adel eine wichtige Finanzquelle.
Die einzigen Reformbestrebungen, die auf die Abschaffung der alten Feudalstrukturen zielten, gingen vom erstarkenden Bürgertum der Städte aus, blieben aber schwach ausgeprägt, da auch dieses von Adel und Klerus abhängig war.
=== Reformation ===
In der Kirche herrschten erhebliche Missstände – viele abwertend ''Pfaffen'' genannte Geistliche führten ein allzu ausschweifendes Leben und profitierten von Stiftungen und Erbschaften der reichen Bevölkerung sowie Abgaben und Spenden der Armen. In Rom gelangte man durch [[Nepotismus|Vetternwirtschaft]] und [[Simonie|Bestechung]] zu Amt und Würden; die Päpste taten sich als Kriegs- und Bauherren sowie als Förderer der [[schöne Künste|schönen Künste]] hervor.
Diese Zustände wurden schon früh von [[Hans Böhm (Pauker von Niklashausen)|Hans Böhm]] in [[Unterfranken]], [[Girolamo Savonarola]] in Florenz und später auch von [[Martin Luther|Luther]] kritisiert. Als der [[Dominikaner]]mönch [[Johannes Tetzel]] [[1517]] im Auftrag von [[Albrecht (Brandenburg)|Albrecht]], dem verschuldeten Erzbischof von Mainz, und Papst [[Leo X.]]. durch Deutschland zog, dort erfolgreich den [[Ablass]] predigte und seine Ablasszettel verkaufte, verfasste der erzürnte Luther seine [[95 Thesen]], die er der Legende nach an die Kirchentür von [[Wittenberg]] schlug.
[[Ulrich Zwingli|Zwingli]] in [[Zürich]] sowie [[Johannes Calvin|Calvin]] in [[Genf]] vertraten öffentlich die Ansicht, dass jeder Mensch auch ohne die Vermittlung der Kirche seinen Weg zu Gott und seinem Seelenheil finden könne. Damit untergruben sie den Absolutheitsanspruch der [[Katholische Kirche|katholischen Kirche]] und bestätigten den Bauern, wie weit sich der Klerus von seinen eigenen Lehren entfernt hatte und deshalb in großen Teilen überflüssig sei.
Die Argumentation [[Martin Luther|Luther]]s in seiner Schrift ''[[Von der Freiheit eines Christenmenschen]]'' ([[1520]]), dass ''Ein Christenmensch [...] ein Herr über alle Dinge und niemandem untertan '' sei, sowie seine Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche [[1522]] waren weitere entscheidende Auslöser für das Aufbegehren der dörflichen Bevölkerung: Nun war es auch den einfachen Leuten möglich, die mit dem „Willen Gottes“ gerechtfertigten Ansprüche von Adel und Klerus zu hinterfragen. Für die eigene erbärmliche Lage fanden sie keine biblische Begründung und somit stellten viele Bauern fest, dass die Einschränkung des ''Alten Rechts'' durch die [[Grundherrschaft|Grundherren]] dem tatsächlichen ''Göttlichen Recht'' widerspreche – Gott lasse tatsächlich die Tiere und Pflanzen ohne das Zutun der Menschen und für alle Menschen ausreichend wachsen. Manche glaubten nun, dieselben Rechte wie Adlige und der Klerus beanspruchen zu können.
== Träger des Aufstandes ==
Viele der einfachen Bauern trauten sich aufgrund ihrer vielfachen Abhängigkeitsverhältnisse nicht, gegen ihre Herren aufzubegehren. Vor allem die dörfliche Oberschicht wollte aber Veränderungen. [[Schultheiß]]en, Bauernrichter, Dorfhandwerker und [[Ackerbürger]] aus den Kleinstädten trugen den Aufstand und drängten vielerorts die armen Bauern zum Anschluss an die [[Bauernhaufen]].
Die Bauern selbst wollten vor allem ihre altüberlieferten Rechte wieder herstellen und ein menschenwürdiges und im Übrigen gottesfürchtiges Leben führen. Ihre Forderungen nach Milderung der Lasten und Aufhebung der Leibeigenschaft aber rüttelten an den Grundfesten der bestehenden Gesellschaftsordnung.
== Vorangegangene Erhebungen ==
Die sich ständig verschlechternde Situation der Bauern war schon lange vor dem eigentlichen Bauernkrieg von [[1524]]/[[1525|25]] die Ursache für viele regionale Konflikte. Die Unzufriedenheit der Bauern vergrößerte sich über viele Jahrzehnte und äußerte sich in einer Vielzahl von regionalen Erhebungen. Auslöser für diese waren neben den allgemeinen Umständen meist zusätzliche lokale Probleme.
Neben zahlreichen kleineren Bauernprotesten kam es immer wieder auch zu größeren Bauernaufständen:
''Liste größerer Bauernerhebungen:''
* seit [[1291]] Aufbegehren der [[Eidgenossenschaft|Alten Eidgenossenschaft]] gegen die [[Habsburg]]er
* [[1419]]-[[1420]] und [[1433]]-[[1434]]: [[Hussitenkriege]] in [[Böhmen]]
* [[1476]] Empörung um [[Hans Böhm (Pauker von Niklashausen)]] in [[Franken (Land)|Franken]]
* [[1478]] Bauernaufstand in [[Kärnten]]
* [[1492]] Bauernerhebung im [[Allgäu]]
* [[1493]] [[Bundschuh-Bewegung|Bundschuh-Verschwörung]] im [[Elsass]]
* [[1502]] Bundschuh-Verschwörung in [[Speyer]]
* [[1513]] Bundschuh-Verschwörung im [[Breisgau]]
* [[1517]] Bundschuh-Verschwörung im [[Schwarzwald]]
* [[1514]] Aufstand des [[Armer Konrad|Armen Konrad]] in [[Württemberg]]
Auch die Bürger begehrten auf und solidarisierten sich mit den Bauern: [[1509]] in [[Erfurt]], [[1511]] in [[Regensburg]], [[Braunschweig]], [[Speyer]], [[Köln]], [[Schweinfurt]], [[Worms]], [[Aachen]], [[Osnabrück]] und weiteren Städten.
Fast alle dieser Aufstände wurden gewaltsam niedergeworfen; lediglich das schon lange andauernde Aufbegehren der [[Schweizer Bauernkrieg|Schweizer Bergbauern]] war am Ende von Erfolg gekrönt. Die Situation der Bauern wurde ansonsten durch keinen der Aufstände verbessert; meist kam es zu zusätzlichen Repressalien.
== Eskalation 1524 ==
[[1524]] kam es bei [[Forchheim]] in der Nähe von [[Nürnberg]] neuerlich zu Unruhen, kurz darauf auch in [[Mühlhausen/Thüringen|Mühlhausen]] bei [[Erfurt]]. Im Oktober [[1524]] erhoben sich die Bauern im [[Wutach]]tal bei [[Stühlingen]]. Wenig später zogen 3.500 Bauern in Richtung [[Furtwangen im Schwarzwald|Furtwangen]]. In [[Oberschwaben]] rund um den [[Bodensee]] gärte es schon länger und innerhalb kurzer Zeit bildeten sich im Februar und März [[1525]] drei bewaffnete so genannte Bauernhaufen: der ''Baltringer Haufen'', der ''Seehaufen'', und der ''Allgäuer Haufen''. Der größte der drei war der [[Mietingen#Baltringen|Baltringer Haufen]]: mehr als 12.000 Bauern, Bürger und Geistliche sammelten sich innerhalb weniger Tage im [[Mietingen#Baltringen|Baltringer]] [[Ried]] in der Nähe von [[Biberach an der Riß|Biberach]]. Auch der ''Allgäuer Haufen'' in der Nähe von [[Lindau (Bodensee)|Lindau]] bestand aus annähernd 12.000 Männern, darunter auch viele einfache Geistliche und [[Landsknecht]]e. Die 7.000 Allgäuer Bauern, die vor allem gegen den Fürstabt von [[Kempten im Allgäu|Kempten]] aufbegehrten, lagerten bei Leubas.
== Zwölf Artikel und Verhandlungen ==
Die drei oberschwäbischen Bauernhaufen wollten vor allem eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse erreichen und keinen Krieg beginnen. Deshalb setzen sie auf Verhandlungen mit dem [[Schwäbischer Bund|Schwäbischen Bund]]. 50 Vertreter der drei Bauernhaufen trafen sich dazu in der [[Freie Reichsstadt|freien Reichsstadt]] [[Memmingen]], deren Bürgerschaft mit den Bauern sympathisierte. Hier versuchten die Führer aller drei Haufen, die Forderungen der Bauern zu artikulieren und mit der Bibel argumentativ zu unterlegen. Nach mehreren Verhandlungen wurden am [[20. März]] [[1525]] die [[Zwölf Artikel]] und die [[Bundesordnung]] verabschiedet. Diese waren sowohl Beschwerdeschrift als auch Reformprogramm und politisches Manifest. Nach dem Vorbild der Schweizer [[Eidgenossenschaft]] gründeten die Bauern die [[Oberschwäbische Eidgenossenschaft]], deren Grundlagen in der [[12 Artikel#Die Bundesordnung|Bundesordnung]] niedergelegt wurden. So sollten die einzelnen Bauernhaufen, im Gegensatz zu vorhergehenden Erhebungen, zukünftig auch für einander einstehen. Innerhalb kürzester Zeit wurden von beiden Schriften hohe Auflagen gedruckt und verteilt, die für eine außergewöhnlich schnelle Verbreitung der Aufstände in ganz [[Süddeutschland]] und [[Tirol]] sorgten. Die Gründung der [[Oberschwäbische Eidgenossenschaft|Oberschwäbischen Eidgenossenschaft]] wurde nach der Verabschiedung der beiden Papiere dem [[Schwäbischer Bund|Schwäbischen Bund]] in [[Augsburg]] in der Hoffnung angezeigt, als gleichwertiger Partner an Verhandlungen teilnehmen zu können. Angesichts verschiedener Plünderungen und der [[Weinsberger Bluttat]] (siehe weiter unten) hatten die im Schwäbischen Bund zusammengeschlossenen Adligen allerdings kein Interesse an Verhandlungen. Unterstützt durch die [[Augsburg]]er Kaufmannsfamilie [[Fugger]] wurde [[Georg Truchsess von Waldburg-Zeil]] (genannt Bauernjörg) mit einer Armee von 9.000 [[Landsknecht]]en und 1.500 gepanzerten Reitern beauftragt, die meist mit [[Sense (Werkzeug)|Sensen]] und [[Dreschflegel]]n bewaffneten Bauern niederzuwerfen.
Die Verhandlung der ''12 Artikel'' in [[Memmingen]] war Dreh- und Angelpunkt des Bauernkrieges:
Hier wurden die Forderungen erstmals einheitlich formuliert sowie schriftlich fixiert. Die Bauern traten erstmals einheitlich gegenüber der Obrigkeit auf – die bisherigen Erhebungen scheiterten vor allem an der Zersplitterung der Aufstände und der mangelnden gegenseitigen Unterstützung. Mit den „12 Artikeln“ änderte sich dies. Es ist allerdings auch zu bemerken: Hätten die Bauern nicht auf Verhandlungen mit dem Schwäbischen Bund gesetzt, sondern weitere Landstriche besetzt, hätten sie allein aufgrund ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit schwerlich niedergeworfen werden können, und ihr Anliegen wäre ernster genommen worden.
== Verlauf des Aufstands==
[[Bild:Bauernaufstand.jpg|thumb|Zeichnung]]
Ende März 1525 sammelte sich das Heer von Waldburg-Zeil in [[Ulm]]. Ein Stück donauabwärts bei [[Leipheim]] hatten sich um den Prediger [[Jakob Wehe]] 5.000 Bauern versammelt, die im weiteren Umkreis Klöster und Adelssitze plünderten. Das Heer des Schwäbischen Bundes marschierte deshalb nach Leipheim und rieb schon auf dem Weg dorthin einzelne plündernde Bauerngruppen auf. Am [[4. April]] kam es zur ersten großen Schlacht bei Leipheim, in der der ''Leipheimer Haufen'' besiegt wurde. Die Stadt Leipheim musste ein Strafgeld zahlen; Wehe und die anderen Führer des Haufens wurden hingerichtet.
Ebenfalls Anfang April sammelten sich auch die Bauern aus dem [[Neckar]]tal und dem [[Odenwald]] unter [[Jäcklein Rohrbach]]. Zu Ostern 1525 ([[16. April]]) lagerten der ''Neckartaler Haufen'' bei [[Weinsberg]], wo der hitzköpfige Rohrbach den von den Bauern gehassten Grafen Ludwig von [[Helfenstein]], den Schwiegersohn von Kaiser [[Maximilian I. (HRR)|Maximilian I.]], und seine Ritter [[Spießrutenlauf|Spießruten laufen]] ließ. Der schmerzvolle Tod der Adligen durch das Stechen und Prügeln der Bauern ging als die [[Weinsberger Bluttat]] in die Geschichte des Bauernkriegs ein. Sie prägte entscheidend das Bild vom mordenden und plündernden Bauern und war einer der Hauptgründe, weshalb sich viele Adlige gegen die Sache der Bauern stellten. Zur Strafe wurde die Stadt Weinsberg niedergebrannt und Jäcklein Rohrbach bei lebendigem Leib verbrannt. Nach der Bluttat von Weinsberg vereinigten sich die Neckartaler und Odenwälder mit dem von dem fränkischen Adligen [[Florian Geyer]] geführten Taubertaler Haufen (''Schwarzer Haufen'') zum starken ''Heller Lichter Haufen''. Die annähernd 12.000 Männer wandten sich unter der Führung des Hauptmanns [[Götz von Berlichingen]] gegen die Bischöfe von [[Mainz]] und [[Würzburg]] und den [[Kurfürst]]en von der Pfalz.
Am [[12. April]] stellte die Streitmacht des [[Schwäbischer Bund|Schwäbischen Bundes]] den ''Baltringer Haufen'', der schnell besiegt werden konnte. Die Bauern wurden entwaffnet, und jeder musste ein hohes Strafgeld zahlen.
Am [[13. April]] musste sich der [[Truchsess]] mit seinem Heer vor dem militärisch recht gut ausgebildeten ''Seehaufen'' wieder zurückziehen und traf einen Tag später, am [[14. April]] bei [[Bad Wurzach|Wurzach]] auf die eigenen Bauern des ''Allgäuer Haufens''. Er verhandelte mit ihnen und konnte sie überzeugen, ihre Waffen niederzulegen. Im Vertrag von [[Weingarten (Württemberg)|Weingarten]] am 20. April machte er dem [[Seehaufen]] und dem Allgäuer Haufen Zugeständnisse und garantierte ihnen freien Abzug und ein unabhängiges Schiedsgericht zur Austragung ihrer Konflikte.
Am [[16. April]] sammelten sich die Württemberger Bauern. Die 8.000 Mann starke Truppe rückte in die Stadt [[Stuttgart]] ein und zog im Mai weiter nach [[Böblingen]].
Auch bei [[Schwäbisch Hall|Hall]] und [[Schwäbisch Gmünd|Gmünd]] bildeten sich kleinere Haufen, die 3.000 Anhänger plünderten die Klöster [[Kloster Lorch|Lorch]] und [[Murrhardt]] und legen die [[Burg Hohenstaufen]] in Schutt und Asche. Auch im [[Kraichgau]] und [[Ortenau]] wurden Klöster geplündert und Burgen niedergebrannt.
Nach dem Erfolg von Weingarten zog das Heer Waldburg-Zeils ins Neckartal. Die Bauern wurden bei [[Balingen]], [[Rottenburg am Neckar|Rottenburg]], [[Herrenberg]] und am [[12. Mai]] in der Schlacht bei [[Böblingen]] geschlagen. Ähnlich erging es am [[2. Juni]] den ''Neckartalern'' und ''Odenwäldern'' bei [[Lauda-Königshofen|Königshofen]].
Am [[23. Mai]] nahm ein Haufen von 18.000 Breisgauer und Südschwarzwälder Bauern [[Freiburg im Breisgau]] ein. Nach dem Erfolg wollte der Anführer [[Hans Müller (Bauernkrieg)|Hans Müller]] den Belagerern von [[Radolfzell]] zu Hilfe eilen, doch nur wenige Bauern zogen mit ihm; – die meisten wollten sich wieder um ihre Felder kümmern. So war deren Streitmacht relativ klein, als sie von Erzherzog [[Ferdinand I. (HRR)|Ferdinand von Österreich]] kurz darauf geschlagen werden. Waldburg-Zeil traf am [[4. Juni]] bei [[Würzburg]] auf den ''Hellen Lichten Haufen'' der fränkischen Bauern, und da dieser am Vortag von [[Götz von Berlichingen]] unter einem Vorwand verlassen wurde, hatten die führerlosen Bauern keine Chance. In zwei Stunden wurden 8.000 Bauern getötet.
Nach diesem Sieg wendeten sich die Truppe des [[Bauernjörg]] wieder nach Süden und besiegten im Allgäu Ende Juli die letzten Aufständischen. In vier Monaten hatte die Armee des Georg Truchseß von Waldburg-Zeil mehr als 1.000 km zurückgelegt.
Die [[Schlacht bei Frankenhausen]] am [[15. Mai]] [[1525]] war eine der bedeutendsten Schlachten während des Deutschen Bauernkriegs. In ihr wurden die aufständischen Bauern [[Thüringen]]s unter Führung von [[Thomas Müntzer]] von einem Fürstenheer vollständig besiegt. Müntzer selbst wurde gefangen genommen und am [[27. Mai]] in [[Mühlhausen/Thüringen|Mühlhausen]] enthauptet, nachdem er auf die [[Festung Heldrungen]] gebracht und [[Folter|gefoltert]] worden war.
Etliche kleinere Aufstände wurden ebenso niedergeschlagen; bis September [[1525]] waren alle Gefechte und Strafaktionen abgeschlossen. Kaiser [[Karl V. (HRR)|Karl V.]] und Papst [[Clemens VII. (Papst)|Clemens VII.]] dankten dem Schwäbischen Bund für sein Eingreifen.
== Folgen ==
=== Folgen für die Aufständischen ===
Die Folgen für die Aufständischen waren hart. Schätzungen zufolge haben allein durch die Niederschlagung der Aufstände etwa 100.000 Bauern ihr Leben verloren. Die überlebenden Aufständischen fielen automatisch in [[Reichsacht]] und verloren damit alle ihre staatsbürgerlichen, privaten und Lehnsrechte – sie waren somit [[vogelfrei]]. Die Anführer wurden mit dem Tod bestraft. Teilnehmer und Unterstützer der Aufstände mussten die Strafgerichte der Landesherren fürchten, die erst jetzt begannen und zum Teil sehr grausam waren. Viele Berichte sprechen von Enthauptungen, Augenausstechen, Abschlagen von Fingern und weiteren Misshandlungen. Wer mit einem Bußgeld davonkam, hatte wohl Glück gehabt, auch wenn viele Bauern die Strafgelder wegen der hohen Abgaben nicht bezahlen konnten. Ganzen Gemeinden wurden Rechte aberkannt, weil sie die Bauern unterstützt hatten. Teilweise ging die [[Gerichtsbarkeit]] verloren, Feste wurden verboten und Stadtbefestigungen geschleift. Alle Waffen mussten abgeliefert werden und abends durften keine Dorfschenken mehr besucht werden.
Trotzdem hatte der Bauernkrieg in manchen Regionen positive Auswirkungen, wenn es auch wenige waren. In einigen Gebieten wurden Missstände durch Verträge beseitigt, falls die Aufständischen aufgrund besonders schlimmer Umstände rebelliert hatten (z.B. in der Fürstabtei Kempten, für die auf dem [[Reichstag zu Speyer]] [[1526]] ein entsprechender Vertrag geschlossen wurde). Auch waren die Verhältnisse der Bauern vielerorts besser überschaubar geworden, weil diese ihre Steuern nun nicht mehr alleine an die [[Grundherr]]en, sondern auch direkt an die [[Fürst]]en abzuführen hatten.
=== Folgen für die Heerführer ===
Die Niederlagen der Bauern legten den Grundstein für Vermögenszuwächse bei den siegreichen adligen Heerführern. Georg Truchsess von Waldburg-Zeil fielen Ländereien in Oberschwaben zu. Der Feldhauptmann [[Sebastian Schertlin von Burtenbach]] hielt sich an den Besiegten schadlos, um seine von ihm eingestellten Landsknechte zu besolden.
=== Folgen für das Reich ===
Einzelne Bauernbünde wie der des [[Tirol]]er [[Michael Gaismair]] hielten sich im Geheimen noch einige Jahre. Etliche [[Reichsacht|geächtete]] Bauern lebten noch Jahrzehnte als Räuberbanden in Wäldern. Aus dieser Zeit haben auch eine Reihe von Geschichten (z.B. [[Räuber Hotzenplotz]]) ihren Ursprung. Zu größeren Aufständen kam es aber nicht mehr. In den folgenden 300 Jahren begehrten die Bauern kaum noch auf, und erst mit der [[Märzrevolution]] von [[1848]]/[[1849|49]] konnten Ziele durchgesetzt werden, die die Bauern bereits in ihren [[Zwölf Artikel|Zwölf Artikeln]] [[1525]] formuliert hatten.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen durch den Verlust von 100.000 – in anderen Quellen werden 130.000 genannt – Bauern waren enorm und sorgten mit dafür, dass in Deutschland auch politisch vieles still stand und es im [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]] zum Spielball vieler Mächte wurde.
== Bauernkrieg und Religion ==
=== Martin Luther ===
Obwohl die Standpunkte der Reformation eine wesentliche Rechtfertigung für die aufständischen Bauern waren, distanzierte sich [[Martin Luther]] deutlich vom Bauernkrieg. Schon [[1521]] unterschied er genau zwischen weltlichem und geistlichem Bereich, da er mit der Reformation die Veränderung der Kirche und nicht – im Gegensatz zu [[Girolamo Savonarola|Savonarola]] – eine Verchristlichung der Welt erreichen wollte. Von der Obrigkeit wurde er trotzdem zunehmend für die Geschehnisse im Bauernkrieg verantwortlich gemacht, wohl auch deshalb, weil er sich nicht eindeutig von den Forderungen der Bauern distanzierte. Noch 1525 kritisierte Luther in seiner "Ermahnung zum Frieden" das "hochmütige" Verhalten der Fürsten. Erst nach der [[Weinsberger Bluttat]] schlug er sich eindeutig auf die Seite der Fürsten und verurteilte die Aufständischen scharf:
:''wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern [...] man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss.''
Seine Schrift "Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern" veröffentlichte Luther allerdings erst zu einem Zeitpunkt, als die Niederlage der Bauern bereits absehbar war. Seine Rolle im Bauernkrieg wird daher von mehreren Historikern kritisch bewertet.
Nach [[1525]] verlor der [[Protestantismus]] seinen revolutionären Geist und zementierte, auch von Luther unterstützt, die herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse mit dem Glaubenssatz „Seid untertan der Obrigkeit“.
=== Thomas Müntzer ===
[[Thomas Müntzer]] war ein früherer Anhänger Luthers.
Im Gegensatz zu diesem stand er aber für die gewaltsame Befreiung der Bauern und betätigte sich in [[Mühlhausen/Thüringen|Mühlhausen]], wo er Pfarrer war, als [[Agitator]] und Förderer der Aufstände.
Dort versuchte er seine Vorstellungen einer gerechten Gesellschaftsordnung umzusetzen: Privilegien wurden aufgehoben, Klöster aufgelöst, Räume für [[Obdachlos|Obdachlose]] geschaffen, eine [[Armenspeisung]] eingerichtet.
Seine Bestrebungen, verschiedene Thüringer Bauernhaufen zu vereinigen, gelangen jedoch nicht.
Im Mai [[1525]] wurde er gefangen genommen, [[Folter|gefoltert]] und schließlich hingerichtet.
Der 5-Mark Schein der [[Deutsche Demokratische Republik|DDR]] trug sein Konterfei.
== Literatur ==
* Wilhelm Zimmermann: ''Der große deutsche Bauernkrieg'' Köhler Stuttgart 1841-43, Dietz Stuttgart 1891, Dietz Berlin 1952, deb Berlin 1980 und 1982 (7.Auflage ISBN 3-920-303-26-1), Berlin 1993 ISBN 3-32001-829-9
* Friedrich Engels: ''Der deutsche Bauernkrieg'' Hamburg 1850, Marx-Engels-Werke Bd.7, Dietz Berlin 1960, ISBN 3-32000-291-0
* Peter Blickle: ''Der Bauernkrieg. Die Revolution des Gemeinen Mannes'', C.H. Beck 1998, ISBN 3-40643-313-8
* Peter Blickle: ''Die Revolution von 1525'', München 2004, 4. Auflage, ISBN 3-486-44264-3
* Horst Buszello u. a. (Hrsg.): ''Der deutsche Bauernkrieg'', Paderborn u. a. 1995, 3. Auflage, ISBN 3-8252-1275-0
* Adolf Waas: ''Der Bauernkrieg. Die Bauern im Kampf um Gerechtigkeit 1300 bis 1525'',Callwey München
== Siehe auch ==
*[[Liste von Schlachten]]
== Weblinks ==
* [http://www.krieg.historicum.net/themen/bauernkrieg/ Übersicht]
* [http://www.s-line.de/homepages/m-ebener/Bauernkrieg.html Der Bauernkrieg 1524/1525 in Südwestdeutschland]
* [http://wikisource.org/wiki/Bauernkriege Friedrich Engels: Der deutsche Bauernkrieg]
[[Kategorie:Bauernkrieg]]
[[Kategorie:1520er]]
[[Kategorie:Deutsche Militärgeschichte|Bauernkrieg]]
[[Kategorie:Aufstand]]
[[en:Peasants' War]]
[[es:Guerra de los campesinos]]
[[fr:Révolte des rustauds]]
[[it:Guerra dei contadini]]
[[ja:ドイツ農民戦争]]
[[no:Den tyske bondekrigen]]
[[pl:Wojna chłopska w Niemczech]]
[[pt:Guerra dos Camponeses]]
[[ru:Крестьянская война в Германии]]
[[zh:德国农民战争]]
Diese Version des Artikels stammt vom 13.07.2006.
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