Digital Rights Management
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Digital Rights Management
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15431347
2006-04-07T06:50:50Z
194.95.179.184
/* Literatur */
'''Digital Rights Management''' (digitale Rechteverwaltung), abgekürzt '''DRM''', ist ein Verfahren, mit dem [[Urheberrecht|Urheber-]] und [[Leistungsschutzrecht|Vermarktungsrechte]] an [[Geistiges Eigentum|geistigem Eigentum]] in digitaler Form geschützt werden können. Vor allem bei digital vorliegenden Film- und Tonaufnahmen, aber auch bei [[Software]] oder [[Digitales Buch|elektronischen Büchern]] findet DRM Verwendung und ermöglicht den Rechteinhabern prinzipiell neue Abrechnungsmöglichkeiten für Lizenzen und Rechte, sowie Kontrollmechanismen über die Nutzung ihrer Inhalte.
== Hintergrund ==
Das Kernproblem digitaler Inhalte ohne DRM ist für kommerzielle Verwerter die beliebige Kopierbarkeit, die ohne jeden Qualitätsverlust und ohne nennenswerten Aufwand („Mausklick genügt“) und zu marginalen Kosten erfolgen kann. Ein DRM System soll dieser theoretisch unbegrenzt möglichen Vervielfältigung Schranken setzen, die von den Rechteinhabern definiert werden. Sie behalten dadurch auch nach dem Verkauf noch einen gewissen Grad der Kontrolle über die Verwendungsmöglichkeiten ihres Produkts.
DRM Mechanismen sind allgemein jedoch stark umstritten. Befürworter sehen in DRM Systemen hauptsächlich die Eröffnung neuer Geschäftsmodelle mit bedarfsgerechterer Abrechnung, sowie den potentiellen Wegfall von Pauschalabgaben auf Leermedien wie CD-Rohlinge und der damit einhergehenden Entlastung der Verbraucher. Kritiker warnen vor allem vor Datenschutzproblemen und möglichen Einschränkungen bei der Benutzerfreundlichkeit, Archivierung und [[Fair Use|fairen Nutzung]].
Zu einem ernsten Problem wurde die beliebige Kopierbarkeit von digitalen Inhalten erstmals Mitte der [[1990er]] Jahre für die Musikindustrie, als [[CD-Brenner]] für [[Endverbraucher]] erschwinglich wurden. Ende der 90er Jahre erfuhren außerdem die so genannten [[File Sharing|Internet-Tauschbörsen]] immer stärkeren Zulauf, da Internet-Benutzer dort prinzipiell kostenlos Dateien von der Festplatte anderer Benutzer kopieren können. Meist handelt es sich dabei um urheberrechtlich geschützte Musik, Filme oder Software. Dies führte laut Angaben der Medienindustrie zu teils erheblichen Umsatzrückgängen. Die durch das Internet ermöglichten neuen digitalen Vertriebswege wurden aber aufgrund der unbegrenzten Vervielfältigungsmöglichkeiten lange Zeit nicht von den Medienunternehmen genutzt. Durch die wachsende Bedeutung des Internet wurden die Firmen jedoch zunehmend in Handlungszwang gebracht, der sich in der Entwicklung von DRM Systemen niederschlug. Erst im Jahr [[2003]] gewann schließlich mit der Eröffnung des [[ITunes Music Store|iTunes Music Store]] ein Vertriebsweg mit integriertem DRM an kommerzieller Bedeutung.
== Digital-Rights-Management-Systeme ==
Es existiert derzeit keine einheitliche Definition zu Digital-Rights-Management-Systemen (DRMS).
Im Allgemeinen bezeichnet man eine Bandbreite von Technologien mit dem Begriff „Digital Rights Management“. Hauptanreiz für die Entwicklung von Digital-Rights-Management-Systemen war der Schutz der Urheberrechte am geistigen Eigentum (s.o.) an Bild-, Ton- und Videoaufnahmen.
Mittlerweile finden DRMS aber auch in vielen anderen Bereichen Anwendung, z.B. in Unternehmen, um Dokumente zu schützen.
Die Vielzahl der Definitionen lassen sich in weitumfassende und engere Definitionen unterteilen. Hier seien zwei vorgestellt:
;Weitumfassende Definition:
Digital-Rights-Management-Systeme stellen eine technische Sicherheitsmaßnahme dar, um einem Rechteinhaber von Informationsgütern die Möglichkeit zu geben, die Art der Nutzung seines Eigentums durch Nutzer auf Basis einer zuvor getroffenen Nutzungsvereinbarung technisch zu erzwingen.
Zu DRMS gehören im Allgemeinen auch [[Watermarking]]-Technologien. Allerdings bieten diese nur eingeschränkte Möglichkeiten zur Nutzungskontrolle (z.B. Einsatz von fragilen Wasserzeichen, welche die Darstellung oder das Abspielen von kopierten Inhalten in besonderen Abspielgeräten verhindern).
;Engere Definition:
Die elektronischen Schutzmechanismen für digitale Informationen nennt man DRM-Systeme (DRMS). Sie ermöglichen die Verwertung von digitalen Inhalten über eine reine Pauschalvergütung hinaus und erlauben zusätzlich die individuelle Lizenzierung/Abrechnung nach Häufigkeit, Dauer oder Umfang der Nutzung. Damit wird einerseits die unbegrenzte Nutzung einschränkbar, andererseits werden On-Demand-Geschäftsmodelle ermöglicht, die vorher kaum zu realisieren waren.
;Beispiele für DRM-Systeme
Enterprise Rights Management Systeme:
* SafeNet RMS
* SafeNet Sentinel Hardwarekeys
* [[CoreMedia AG|CoreMedia]] DRM 3.0
* Microsoft Rights Management Server
* Adobe Lifecycle Policy Server
* Authentica Active Rights Management
Multimedia Rights Management Systeme:
* Real Media Helix
* DMD Secure
* VCAS Verimatrix Content Authority System
* [[FairPlay]] (Apple iTunes)
Für 3D-Darstellungen:
* Navisware FileLine
Mobile Endgeräte:
* OMA DRM 1.0 und 2.0 - Spezifikationen für mobile Endgeräte, teils geeignet für alle IT-Plattformen (implementiert in zahlreichen Handys)
* DMD Secure
Antipiracy
* Mediasentry
=== Anwendungen ===
Digital Rights Management wird derzeit hauptsächlich bei digitalen Medien wie Filmen und Musik eingesetzt. Am weitesten verbreitet sind die DRMS „Windows Media DRM“ von [[Microsoft]] und „[[Apple iTunes|iTunes]]“ von [[Apple]]. Beide ermöglichen eine genaue Einstellung der Berechtigungen und können für verschiedene Audio- und Videodateien verwendet werden. Die meisten Onlineshops wie [[Napster]] und [[Musicload]], aber auch „Video-on-Demand“-Dienste von [[T-Online]] und [[Arcor]] verwenden vornehmlich das DRM-System von Microsoft.
Für Musik existieren weitere Verfahren, etwa das in iTunes verwendete [[FairPlay]] von Apple für [[Advanced Audio Coding|AAC]]-Dateien sowie Ansätze von [[RealAudio]] / Helix.
In Zukunft werden DRMS aber auch in vielen anderen Bereichen, wie im Automobilbereich (Softwareschutz, Online-Navigation) oder im [[Embedded System|Embedded]]-Bereich, eine große Rolle spielen.
== Technische Umsetzung ==
[[Bild:DRMS.png|thumb|400px|Architektur eines DRMS]]
DRM-Systeme verwirklichen die Idee der Zugriffskontrolle digitaler Inhalte mit Hilfe von [[Kryptografie|kryptografischen Verfahren]]. Realisiert wird dies, indem ein beliebiger digitaler Inhalt durch Verschlüsselung eindeutig an eine Lizenz gebunden wird. Ohne die zum digitalen Inhalt gehörige gültige Lizenz kann der Benutzer zwar das Gerät oder den Datenträger erwerben, nicht jedoch auf den Inhalt zugreifen.
Der Inhalteserver verwaltet die zu schützenden digitalen Inhalte und verschlüsselt diese mit Hilfe des DRM-Verpackers zur Verwendung in einem DRMS, wodurch die Inhalte vorerst unlesbar werden. Der Lizenzserver erzeugt auf Anforderung die erforderlichen Lizenzen zusammen mit den zugehörigen Schlüsseln für die Benutzerauthentifizierung und Inhalteentschlüsselung, welche aus den entsprechenden Kennungen (Benutzer- oder Gerätkennung, Inhaltekennung) und den Beschreibungen der Rechte berechnet werden. Möchte der Benutzer auf einen per DRM geschützten Inhalt zugreifen, fordert die DRM-Steuerung vom Lizenzserver die zur Wiedergabe notwendige Lizenz an. Werden [[Authentizität]] und [[Integrität]] des Wiedergabeprogramms verifiziert, werden die Inhalte mit dem in der Lizenz enthaltenen Schlüssel entschlüsselt, auf diese Weise wieder lesbar gemacht und an das Wiedergabeprogramm weitergegeben.
In Zukunft können Hardwaresysteme wie das [[Trusted Platform Module|TPM]] der [[Trusted Computing Group]] verwendet werden, um die Einhaltung der Rechte zu gewährleisten.
== Rechtlicher Rahmen ==
Die Wirksamkeit solcher Systeme wird häufig durch nationale Gesetze erweitert. In den USA wurde zu diesem Zweck der [[Digital Millennium Copyright Act]] (DMCA) verabschiedet. Dieses Gesetz verbietet dort die Umgehung solcher Systeme unter Androhung von Geldstrafen und/oder Freiheitsentzug je festgestellten Einzelfall.
Auch in Deutschland (1. und 2. Korb der [[Urheberrecht]]snovelle) und der EU (Informationsrichtlinie) wurde die Rechtsgrundlage in diesem Sinne verschärft, so dass nun die Umgehung von Schutzmechanismen unter Strafe gestellt werden kann. In Deutschland wurde die höchst umstrittene Regelung eingeführt, dass das Umgehen von Schutzmechanismen zwar ([[Zivilrecht|zivilrechtlich]]) verboten ist, der Besitz entsprechender Dateien jedoch nicht. Dies steht im Widerspruch zur Schrankenbestimmung, welche das Recht auf [[Privatkopie]]n einräumt.
== Kritik ==
Um DRM Systeme herrscht eine intensive Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern. Unterstützer sind weitestgehend im Bereich der Medien-produzierenden Firmen zu finden, während sich ein Großteil der Kritiker aus Verbraucher- und Datenschützern zusammensetzt.
Kritiker interpretieren die Abkürzung DRM gern als „Digital Restrictions Management“ (digitale Beschränkungsverwaltung) oder auch „Digitale Rechte-Minimierung“, da die Rechte der Benutzer erheblich eingeschränkt werden können, ohne dass für den Benutzer ein direkter Nutzen daraus entsteht.
* Geräte werden weniger kundenfreundlich
Es können Schwierigkeiten beim Abspielen neuerer oder inkompatibeler Formate auftreten.
* Kundenbindung vs. Freier Markt
Der Käufer von z. B. Festplatten-Musikabspielern kann wegen DRM-Restriktionen nicht frei wählen, wo er seine Musik einkauft, da sein Player nicht die DRMS unterstützt, die ihre Anbieter nicht freigeben. So bindet der Marktführer im Online-Musikhandel, der nebenbei auch Markführer für Festplatten-Musikabspielgeräte ist, seine Kunden an sein System. DRM gewinnt in der Praxis mehr Bedeutung als künstliche Konsum-Leitplanke denn als Mittel, um die Rechte von Künstlern zu wahren.
* Datenschutz
Aus der Verknüpfung von Technik und Anwendungsebene resultieren bei DRM-Systemen eine große Anzahl an noch offenen Fragen: So lassen sich durch die zentrale Verwaltung von Schlüsseln und eindeutigen Geräte-IDs Benutzerprofile erstellen. Zum Beispiel gibt es DRM-Systeme, die bei jeder Benutzung des Mediums bei einer zentralen Stelle anfragen, ob der betreffende Benutzer dies überhaupt darf ([[DIVX]] in den USA, ein DVD-Miet-System).
* Information könnte verloren gehen
Zusätzlich betonen Kritiker, dass durch kritische Veränderungen des Inhalteanbietermarktes (Firmenübernahmen, -aufgaben, [[Insolvenz]]) bei DRM-Systemen nicht gesichert ist, dass sich DRM-geschützte Medien auch in Zukunft abspielen lassen, ähnlich der fehlenden Unterstützung von Software heute nicht mehr existierender Hersteller. Bei einer hohen Marktdurchdringung von DRM-Systemen hätte der Fortbestand von digitalem Wissen keine Sicherheit.
* DRM macht eine faire Nutzung schwierig
In vielen Ländern geht jedes urheberrechtlich geschützte Werk nach einer bestimmten Frist in den [[Gemeinfreiheit|Public domain]] über. Das heißt, nach Ablauf dieser Frist darf jedermann Werke frei kopieren und sie verkaufen (Auf dieser rechtlichen Tatsache basiert auch die 1911er Ausgabe der Encyclopædia Britannica, die in Wikipedia enthalten ist). Doch bislang erlaubt kein einziges DRM-System eine solche Freigabe von bisher urheberrechtlich geschützten Werken (Schweiz: [http://www.admin.ch/ch/d/sr/231_1/index.html], Art. 29-33).
Auch ist es dem Besitzer einer CD oder DVD erlaubt, zum eigenen Gebrauch Kopien herzustellen, z. B. eine separate CD für das Autoradio oder eine Kopie des Kinderfilms. Bibliotheken, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen ist es auch gestattet, für Wissenschafts- und Ausbildungszwecke Kopien zu erstellen. DRM-Systeme machen jede dieser legalen Nutzungen zumindest schwieriger.
== Siehe auch ==
[[Copyright]], [[Copyleft]]
== Literatur ==
* Eberhard Becker, Willms Buhse, Dirk Günnewig, Niels Rump: ''Digital Rights Management - Technological, Economic, Legal and Political Aspects''. ISBN 3-540-40465-1
* Gerald Fränkl: ''Digital Rights Management in der Praxis''. ISBN 3-936755-93-0
* Christoph Generotzky, Stefan Nieland, Carsten Weigand: ''Digital Rights Management - Technologien für legale Musikdownloads''. ISBN 3-8322-1440-2
* Markus Hansen, Jan Möller: ''[http://www.schleswig-holstein.datenschutz.de/vortraege/050510_hansen-moeller_bsi.htm Digital Rights Management zwischen Sicherheit und informationeller Selbstbestimmung]''. In: IT-Sicherheit geht alle an - Tagungsband zum 9. Deutschen IT-Sicherheitskongress des BSI, ISBN 3-922746-99-3
* A. Picot, Heinz Thielmann: ''Distribution und Schutz digitaler Medien durch Digital Rights Management''. ISBN 3-540-23844-1
* Oliver D. Raschka, [http://www.uni-hohenheim.de/ub/opus/volltexte/2006/141/ Digitale Musik - Eine industrieökonomische Analyse der Musikindustrie], OPUS Online-Dissertation, 2006.
* Vural Ünlü: ''Content Protection – Economic analysis and techno-legal implementation''. ISBN 3-8316-0462-2
== Weblinks ==
* [http://www.ccc.de/digital-rights/?language=en Information zu DRM] vom [[Chaos Computer Club]]
* [http://www.privatkopie.net www.privatkopie.net]
* http://www.digital-rights-management.info
* [http://www.informatik.uni-trier.de/~ley/db/conf/drm/index.html DBLP Archiv DRM Conferences]
* [http://www.indicare.org INDICARE] - The Informed Dialogue about Consumer Acceptability of Digital Rights Management Solutions in Europe: Englischsprachige Informations- und Dialogseite mit Beiträgen aus Wissenschaft und Praxis
* [http://www.drmwatch.com www.drmwatch.com - Größte wissenschaftliche (englischsprachige) DRM Resource]
* [http://www.dtcp.com www.dtcp.com - Englischsprachige Spezifikation für eine geschützte Übertragung von Audio/Video Inhalten]
* [http://www.irights.de] - Urheberrecht in der digitalen Welt
[[Kategorie:Urheberrecht]]
[[Kategorie:Kryptologie]]
[[cs:Digital rights management]]
[[en:Digital rights management]]
[[es:Gestión de Derechos Digitales]]
[[fi:Käyttöestojen hallinta]]
[[fr:Gestion des droits numériques]]
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Diese Version des Artikels stammt vom 09.04.2006.
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