Friedensvertrag von Versailles
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Friedensvertrag von Versailles
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2006-04-04T16:39:10Z
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/* Politische und Wirtschaftliche Bestimmungen */
Der '''Friedensvertrag von Versailles''', der am [[28. Juni]] [[1919]] unterzeichnet wurde und am [[10. Januar]] [[1920]] in Kraft trat, beendete formell den [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] zwischen dem [[Deutsches Reich|Deutschen Reich]] und den Mächten der [[Entente]].
[[Bild:THE_BIG_4.png|thumb|260px| Die Regierungschefs von vier Siegerstaaten 1919 in Paris: [[Lloyd George]] aus Großbritannien, [[Vittorio Emanuele Orlando]] aus Italien, [[Georges Clemenceau]] aus Frankreich und [[Woodrow Wilson]] aus den Vereinigten Staaten.]]
Es ist bei weitem der folgenreichste der [[Pariser Vorortverträge]]. Weitere Vorortverträge sind unter anderem der [[Vertrag von Trianon]] mit [[Ungarn]] und der [[Vertrag von St. Germain]] mit [[Österreich]]. Der Versailler Vertrag konstatierte in Artikel 231 (Kriegsschuldartikel) des Vertrages die alleinige Kriegsschuld des [[Deutsches Reich|Deutschen Reichs]] und verpflichtete Deutschland zu Reparationszahlungen an die Siegermächte.
== Kriegsschuldartikel (Artikel 231) und Reparationen ==
Der Vertrag wies allein dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten die Verantwortung für den 1. Weltkrieg zu.
Diese einseitige Schuldzuweisung hat in den direkt folgenden Jahren und auch später zur [[Kriegsschulddebatte]] geführt.
Politiker und Historiker aller Nationen beurteilen die Ursachen zum 1. Weltkrieg heute differenzierter als es in dem Vertrag ausgedrückt wird.
Der Artikel 231 diente den Alliierten als Grundlage für die Forderung von Reparationszahlungen Deutschlands. Die Höhe der Reparationen war im Versailler Vertrag nicht festgelegt.
Insbesondere der Artikel 231 des Vertrages traf die junge deutsche Republik sowohl politisch als auch psychologisch schwer. Er bedeutete eine (anfängliche) Isolation Deutschlands, das sich als Sündenbock für die Verfehlungen der anderen europäischen Staaten vor dem 1. Weltkrieg sah. Die deutsche Bevölkerung entwickelte ein Unbehagen gegenüber den alliierten Mächten und der ihr aufgezwungenen Republik. Schnell war die Bezeichnung [[Kriegsschuldlüge]] in aller Munde.
''siehe:'' [[Deutsche Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg]]
== Territoriale Bestimmungen ==
Deutschland musste zahlreiche Gebiete abtreten: Nordschleswig an [[Dänemark]], die Provinzen [[Westpreußen]] und [[Posen]] sowie das oberschlesische Kohlerevier an den neuen Staat [[Polen]]. Außerdem ging das [[Hultschiner Ländchen]] an die neu gebildete Tschechoslowakei. Im Westen erhielt [[Frankreich]] das [[1871]] von Deutschland annektierte [[Reichsland Elsass-Lothringen|Elsass-Lothringen]], und [[Belgien]] erhielt als Kriegsentschädigung das überwiegend deutschsprachige Gebiet [[Eupen]]-[[Malmedy]]. Darüber hinaus wurde der gesamte [[Deutsche Kolonien|deutsche Kolonialbesitz]] dem Völkerbund unterstellt. Insgesamt verlor Deutschland 30% seines vorherigen Gebietes, Österreich 88%. Die [[Österreich-Ungarn|Donaumonarchie]], die jahrhundertelang die Geschichte Europas mitentschieden hatte, zerfiel. Die Vereinigung Deutschlands mit [[Deutschösterreich]] wurde untersagt.
=== Deutsche Gebietsverluste durch den Versailler Vertrag ===
'''1. Sofort abgetretene Gebiete (Ohne Volksabstimmung):'''
* [[Elsass-Lothringen]] (an Frankreich)
* Fast ganz [[Westpreußen]] (ohne [[Freie Stadt Danzig|Danzig]]) und [[Provinz Posen|Posen]] (an Polen)
* die südliche Hälfte des [[Ostpreußen|ostpreußischen]] Kreises [[Landkreis Neidenburg|Neidenburg]] (an Polen)
* [[Hultschiner Ländchen]] (an die [[Tschechoslowakei]])
* Die Teile [[Kamerun]]s an Frankreich, die 1911 erst deutsche Kolonie geworden waren.
'''2. Nach [[Volksabstimmungen im Gefolge des Versailler Vertrags|Volksabstimmung]] abgetreten:'''
* [[Nordschleswig]] (an [[Dänemark]])
* Ostteil von [[Oberschlesien]] an [[Polen]] (obwohl 60% der Oberschlesier gegen den Anschluss an Polen stimmten)
* [[Eupen]] - [[Malmedy]] (und Moresnet) an [[Belgien]]; ursprünglich ohne Abstimmung, eine spätere Abstimmung bestätigte die Zugehörigkeit zu Belgien. Ob die Abstimmung korrekt war oder nicht, wurde von beiden Seiten gegensätzlich dargestellt (Die Sicht der Deutschen im Jahre 1941: siehe [[Walter Truckenbrodt]]). Die Bevölkerung dieses Gebietes ist bis heute überwiegend deutschsprachig.
'''3. Nach [[Volksabstimmungen im Gefolge des Versailler Vertrags|Volksabstimmung]] bei Deutschland geblieben:'''
* [[Südschleswig]]
* Westteil Oberschlesiens (1/3)
* 9 Landkreise Westpreußens östlich und westlich des neuen polnischen „Korridors“ (siehe [[Westpreußen#Das Ende der Provinz|Westpreußen]])
* Südteil [[Ostpreußen]]s (''aber ohne [[Soldau]], Kreis [[Landkreis Neidenburg|Neidenburg]]'')
'''4. Dem [[Völkerbund]] unterstellt:'''
* [[Saargebiet]]
** Politisch dem Völkerbund unterstellt
** Wirtschaftlich zu Frankreich
** nach 15 Jahren Abstimmung der Bevölkerung über Landeszugehörigkeit
* [[Freie Stadt Danzig|Danzig]] (Freie Stadt)
* Das [[Memelland]] wurde zunächst dem Völkerbund bzw. der [[Frankreich|französischen]] Besatzung unterstellt und wurde [[1923]] von [[Litauen]] besetzt und annektiert.
* [[Deutsche Kolonien|Kolonien]]
'''5. Entmilitarisierte Gebiete:'''
* [[Rheinland]]
=== Angestrebte Vereinigung mit Österreich ===
Die am 21.10.1918 gegründete Republik [[Deutschösterreich]] trat unter Berufung auf das [[Selbstbestimmungsrecht der Völker]] mit Wirkung zum 12.11.1918 dem [[Deutsches Reich|Deutschen Reich]] bei. Jedoch wurde diese Vereinigung sowohl durch den Vertrag von Versailles, als auch durch den [[Vertrag von Saint-Germain]] untersagt.
Ungeachtet dessen kam es in Teilregionen Österreichs in der Folgezeit zu Abstimmungen, bei denen sich die überwältigendene Mehrheit der Menschen für einen Beitritt zum [[Deutsches Reich|Deutschen Reich]] aussprachen (z.B. am 24.04.1921 in [[Tirol]]: 98,8% für einen Anschluß). Als Reaktion darauf verboten die Siegermächte weitere Volksbefragungen durchzuführen.
== Militärische Bestimmungen ==
Deutschland wurden weitgehende Beschränkungen auferlegt:
* Auflösung des Großen Generalstabes
* Berufsarmee mit maximal 100.000 Mann und ca. 4000 Offizieren
* keine allgemeine Wehrpflicht
* Verbot von militärischen Vereinen, Militärmissionen und Mobilmachungsmaßnahmen
* [[Reichsmarine|Marine]] mit 15.000 Mann, 6 Panzerkreuzern, 6 leichten Kreuzern und 12 Torpedobooten
* keine schweren Waffen wie U-Boote, Panzer, Schlachtschiffe oder chemische Kampfstoffe
* Beschränkung der Waffenvorräte (102.000 Gewehre, 40,8 Mill. Gewehrpatronen)
* Verbot des Wiederaufbaus der [[Luftwaffe]]
* [[Entmilitarisierung]] des Rheinlands (50-km-Streifen östlich des Rheins)
* Verbot des Festungsbaus entlang der deutschen Grenze
* Verbot von Befestigung und Artillerie zwischen Ost- und Nordsee
* Im Weiteren wurden jegliche Maßnahmen, die zur Vorbereitung eines Krieges geeignet sind, verboten. Dies hatte unter anderem Auswirkungen auf das [[Deutsches Rotes Kreuz|Deutsche Rote Kreuz]], das in der Folge seine Ursprungsaufgabe in den Hintergrund stellen musste.
== Politische und Wirtschaftliche Bestimmungen ==
Deutschland musste die Unabhängigkeit Österreichs von Deutschland auf Dauer anerkennen. Außerdem war eine Wiedergutmachung durch Geld- und Sachleistungen in noch festzulegender Höhe beabsichtigt.
- Verkleinerung der deutschen Handelsflotte.
== Völkerbund ==
Außerdem sah der Vertrag die Gründung des [[Völkerbund]]s vor, eines der erklärten Ziele des amerikanischen Präsidenten [[Woodrow Wilson]]. Dies war eine Art Vorläufer der heutigen UNO. Deutschland war bis 1926 nicht Mitglied dieser Organisation. Die USA, die den Völkerbund initiiert hatten, lehnten den Vertrag von Versailles ab und blieben der Organisation fern.
== Folgen des Vertrages ==
Abschließend und im Nachhinein betrachtet, war das Deutsche Reich ''relativ'' glimpflich aus dem Ersten Weltkrieg herausgekommen. Viele negative Bestimmungen des Vertrages sind schließlich abgeschwächt worden, wenn auch einige erst unter dem militärischen Druck Hitlers. Dennoch beschädigte der Vertrag (und auch die Art des Vertragsabschlusses) nachhaltig das Ansehen der Westmächte und der [[Demokratie]] in Deutschland. Nationalistische und rechte Gruppen warfen der Weimarer Regierung vor, durch die Annahme der Vertragsbedingungen die Interessen Deutschlands verraten zu haben und forderten eine [[Revisionismus|Revision]] des als "Schandfrieden" oder "Schanddiktat von Versailles" bezeichneten Vertrags. Doch auch auf der Linken (sogar bei den Kommunisten) stieß der Vertrag auf heftige Ablehnung. Inwieweit der Vertrag von Versailles (notwendig) zur Machtergreifung Hitlers beigetragen hat, bleibt spekulativ und kann nicht beantwortet werden. Sicher ist der Weg zu Hitler nicht zwangsläufig gewesen, die zeitgenössische Aussage des Marschall Foch angesichts des Vertrages ist jedoch in seiner wissenden Vorausschau nicht zu leugnen. Er sagte: „Das ist kein Frieden. Das ist ein zwanzigjähriger Waffenstillstand.“
Die durch den Versailler Vertrag begründeten schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen und die außenpolitische Isolation Deutschlands versuchte [[Walther Rathenau]] im [[Vertrag von Rapallo]] zu entschärfen. Darin wurde das Verhältnis zur [[Sowjetunion]] normalisiert und auf gegenseitige Ansprüche verzichtet.
Einen ähnlich harten Friedensvertrag hatte noch kurz zuvor, am 3. März 1918, das Deutsche Reich in [[Friedensvertrag von Brest-Litowsk|Brest-Litowsk]] mit dem revolutionären Russland abgeschlossen. Dieser Vertrag, der nur bis zum endgültigen Waffenstillstand im November 1918 in Kraft blieb, sah für Russland massive Gebietsabtretungen und Reparationszahlungen vor. Das Deutsche Reich wollte die frei gewordenen Gebiete dominieren, ähnlich wie Frankreich Teile Westdeutschlands. Allerdings saß hier der Besiegte in Form der von [[Leo Trotzki]] geführten sowjetrussischen Delegation mit am Verhandlungstisch, auch hatte der Friedensvertrag von Brest-Litowsk nur ein Dutzend Artikel und kann nicht mit dem Versailler Vertrag verglichen werden. Die damaligen Gebietsverluste Russlands ähneln verblüffend der Landkarte nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991.
Insgesamt wurde es von verschiedenen Historikern als ein Geburtsfehler des Versailler Vertrages bezeichnet, dass er zwei Ziele gleichzeitig zu erreichen versuchte. Zum einen waren die Wilsonschen Ideale der Selbstbestimmung der Völker und der territorialen Übereinstimmung zwischen Volk und Staat, zum anderen bestanden die Siegermächte, insbesondere Frankreich darauf, Deutschland entscheidend zu schwächen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind die Siegermächte, vor allem die angelsächsischen, wesentlich bedachtsamer gewesen und haben mehr Rücksicht auf die öffentliche Meinung in Deutschland genommen.
==Zitate==
''„Welche Hand müsste nicht verdorren, die sich und uns in solche Fesseln legte?“''
- Reichskanzler [[Philipp Scheidemann]] (SPD) in der Nationalversammlung am 12. Mai 1919
''„Wir stehen hier aus Pflichtgefühl, in dem Bewußtsein,daß es unsere verdammte Schuldigkeit ist, zu retten zu suchen, was zu retten ist... Wenn die Regierung ... unter Vorbehalt unterzeichnet,so betont sie, daß sie der Gewalt weicht, in dem Entschluß, dem unsagbar leidenden deutschen Volke einen neuen Krieg, die Zerreissung seiner nationalen Einheit durch weitere Besetzung deutschen Gebietes, entsetzliche Hungersnot für Frauen und Kinder und unbamherzige längere Zurückhaltung der Kriegsgefangenen zu ersparen.“''
- Ministerpräsident [[Gustav Bauer|Bauer]] am 22. Juni 1919 zum Versailler Vertrag
''„Das ist kein Frieden. Das ist ein zwanzigjähriger Waffenstillstand.“
- französischer Marschall [[Ferdinand Foch|Foch]]
== Weblinks ==
* [http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/versailles/index.html Seite zum Vertrag von Versailles beim LeMO mit vielen Grafiken]
* [http://www.documentarchiv.de/wr/vv.html Vollständiger Vertragstext]
* [http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/versailles/index.html Gekürzter Vertragstext]
{{Pariser Vorortverträge}}
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[[vi:Hòa ước Versailles]]
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Diese Version des Artikels stammt vom 08.04.2006.
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