Impfung
(Jahr) ! nachher
(Jahr) |----- bgcolor=#EEEEEE | [[Diphtherie]] | 175.885
([[1922]]) || 1
([[1998]]) |----- bgcolor=#EEEEEE | [[Haemophilus Influenzae B]] || 20.000
([[1982]]) || 54
(1998) |----- bgcolor=#EEEEEE | [[Keuchhusten]] || 147.271
([[1925]]) || 6.279
(1998) |----- bgcolor=#EEEEEE | [[Masern]] || 503.282
([[1962]]) || 89
(1998) |----- bgcolor=#EEEEEE | [[Mumps]] || 152.209
([[1968]]) || 606
(1998) |----- bgcolor=#EEEEEE | [[Pocken]] || 48.164
([[1904]])|| 0
(1998) |----- bgcolor=#EEEEEE | [[Röteln]] || 47.745
(1968) || 345
(1998) |----- bgcolor=#EEEEEE |} Jeder in Europa zugelassener Impfstoff wird vor der Zulassung nach den Richtlinien der [[Europäische Arzneimittelagentur|Europäischen Arzneimittelagentur]] präklinisch und auch klinisch geprüft und auch weiterhin überwacht. Diese Zulassung wird weiterhin im 5-Jahres Takt neu evaluiert. Die jeweilige Wirksamkeit der Impfung selber wird dabei in größeren Studien dokumentiert. Dabei wird die Wirksamkeit der Impfung unter anderem über den gegen den entsprechenden Erreger gebildeten [[Antikörper]]-[[Titer]] ermittelt. Die Wirksamkeit wird auch über Vergleiche der Krankheitsinzidenz von geimpften Gruppen im Vergleich zu ungeimpften Gruppen belegt. Ein Nachweis über die Wirksamkeit einer Schutzimpfung im Sinne einer [[randomisierte, kontrollierte Studie|randomisierten, kontrollierten Studie]] mit gleichzeitigem Kontakt zum Erreger findet dagegen aus ethischen Gründen nicht statt: Die Teilnehmer in der [[Placebo]]gruppe würden einem unerlaubten Risiko ausgesetzt. Bei Impfungen, die schon sehr lange eingeführt wurden und die vor lebensbedrohlichen Erkrankungen schützen, kann die Wirksamkeit auch durch den historischen Vergleich der Häufigkeit von Infektionskrankheiten in Bevölkerungen, in denen (schon) geimpft wurde im Vergleich zu Bevölkerungen, in denen (noch) nicht geimpft wurde, belegt werden (mehr dazu unter Abschnitt ''[[Impfung#Beispiele erfolgreicher Impfprogramme|Beispiele erfolgreicher Impfprogramme]]''). Nach den Angaben der World Health Organization ([[Weltgesundheitsorganisation|WHO]]) und der Global Alliance for Vaccines and Immunization ([[GAVI]]) starben allein im Jahr 2002 über zwei Millionen Menschen an Infektionskrankheiten, die durch eine Impfung hätten verhindert werden können. Die Bekämpfung dieser Todesursachen durch Impfprogramme ist daher auch ein primäres Ziel der WHO, deren Erfolge ebenfalls die Wirksamkeit des Impfens belegt (mehr dazu unter Abschnitt ''[[Impfung#Beispiele erfolgreicher Impfprogramme|Beispiele erfolgreicher Impfprogramme]]''). Die meisten verfügbaren Impfstoffe sind im Abschnitt ''[[Impfung#Empfohlene Impfungen|Empfohlene Impfungen]]'' in der Tabelle aufgelistet. === Nebenwirkungen=== Die Nebenwirkungen von Impfungen sind in der Regel so gering, dass sie nicht bzw. nicht als wesentlich wahrgenommen werden. Als sogenannte '''„Impfreaktion“''' (im Gegensatz zu einer ''Impfkomplikation'') können als temporäre, leichtere Nebenwirkungen Schmerzen, Spannung und Schwellung an der Injektionsstelle, Abgeschlagenheit oder Kopf- und Gliederschmerzen auftreten. In [[Blindstudie|Doppelblind]]-Versuchen ohne Einwirkung von Erregern, bei denen die eine Hälfte der Freiwilligen den Impfstoff, die andere Hälfte eine [[Kochsalz]]lösung injiziert bekommt, berichten beide Gruppen bei den meisten amtlich empfohlenen Impfstoffen über quantitativ und qualitativ ähnliche Nebenwirkungen: z.B. Schwindel, Kopfschmerzen, Schwächegefühl, Muskelschmerzen. Lebendimpfstoffe können in seltenen Fällen zu einem Ausbruch der Krankheit führen, gegen welche geimpft wurde. Zum Beispiel treten bei drei bis fünf Prozent der Impfungen gegen Masern so genannte „Impfmasern“ auf. Die Nebenwirkungen der Impfung beinhalten dann die Symptome der Krankheit, beispielsweise leichter Ausschlag, Fieber und andere bei Impfmasern, jedoch verläuft diese in der Regel leichter als die „natürliche“ Infektion. In sehr seltenen Fällen kann es auch zu einem [[allergisch]]-[[anaphylaktischer Schock|anaphylaktischen Schock]] als Reaktion auf die Inhaltstoffe einer Impfdosis kommen. Neben dem Wirkstoff selber können auch enthaltene Konservierungsmittel wie [[Antibiotika]]) oder Stoffe aus der Herstellung des Wirkstoffs wie Hühner[[eiweiss]] eine solche Reaktion auslösen. Über dieses Risiko haben die Ärzte vor der Impfung ausreichend aufzuklären. Wer impft, muss daher durch Übung und geeignete Ausrüstung darauf vorbereitet sein, mögliche lebensbedrohliche allergische Reaktionen auf eine Impfung zu behandeln. Seit dem 1. Januar 2001 gilt für Ärzte in Deutschland die im [[Infektionsschutzgesetz]] (IfSG) verankerte [http://www.pei.de/uaw/ifsg.htm „Meldeverpflichtung eines Verdachtes einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung“]. Gemeldet wird jeder Verdacht, unabhängig davon, ob ein Zusammenhang zwischen Impfung und mutmaßlicher Reaktion besteht. Bis zum 31. Dezember 2003 wurden in allen Altersgruppen 3328 Fälle von möglichen Impffolgen registriert (in 3 Jahren, bei ca. 30 Millionen Impfdosen/Jahr). Von diesen Betroffenen trugen vier Prozent einen bleibenden Schaden davon und 1,6 Prozent verstarben (hauptsächlich belegte Koinzidenzen). In der Mehrzahl der dem [[Paul-Ehrlich-Institut]] gemeldeten Verdachtsfälle wurde der Kausalzusammenhang zwischen Impfung und Erkrankung als unwahrscheinlich bewertet. In den anderen Fällen war der kausale Zusammenhang mit der Impfung wegen fehlender valider wissenschaftlicher Daten nicht beurteilbar. Ein Zusammenhang zwischen Impfung und Reaktion gilt nur bei 0,2 Prozent aller IfSG-Meldungen als gesichert. Im Vergleich der Zahlen der möglichen Impfreaktionen mit den erfolgten Impfungen im selben Zeitraum ergibt sich ein minimales Risiko selbst bei Annahme einer höheren Dunkelziffer, beispielsweise 250 IfSG-Meldungen zu möglichen Reaktionen von etwa sechs bis acht Millionen Impfdosen auf den Masern/Mumps/Röteln-Impfstoff (< 0,004%) im selben Zeitraum B. Keller-Stanislawski et al.: ''Verdachtsfälle von Impfkomplikationen nach dem Infektionsschutzgesetz und Verdachtsfälle von Nebenwirkungen nach dem Arzneimittelgesetz vom 1.1.2001 bis zum 31.12.2003.'' In: ''Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz'' 47/2004. S. 1151–1164 [http://www.rki.de/cln_006/nn_326556/DE/Content/Infekt/Impfen/Nebenwirkungen/Keller,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Keller PDF]. ==Impfkritik== Immer wieder werden kritische Berichte über [[Impfschaden|Impfschäden]] und Vorwürfe an den Impfungsprogrammen oder am Prinzip des Impfens selber in entsprechenden Foren im Internet und auch in Büchern publiziert. Diese führen zu starker Verunsicherung mancher Menschen, insbesondere von jungen Eltern bis hin zur [[Impfverweigerer|Impfverweigerung]]. Impfkritische Kreise sind sehr heterogen und oftmals durch religiöse oder aber alternativmedizinische Hintergründe ([[Homöopathie]], [[Anthroposophie]], u.a.) motiviert. Angst vor Impfschäden, Misstrauen gegenüber staatlichen Einrichtungen, Pharmaindustrie als auch der Schulmedizin sowie Unwissen und Unsicherheit tragen sicherlich zum Zulauf dieser Kreise bei. Die Kritikpunkte der Impfgegner lassen sich im Wesentlichen auf Varianten der drei folgenden Punkte zurückführen, die oft miteinander kombiniert werden, sich teilweise aber auch selber widersprechen. === Wirksamkeit === Angeführt wird von Impfgegnern, dass ein Nachweis über die Wirksamkeit von Impfungen fehlt, der wissenschaftlichen Kriterien standhält. Kombiniert wird dies auch oftmals mit der Behauptung, dass krankmachende Viren und Bakterien nicht existieren würden oder zumindest nicht nachgewiesen seien. Dagegen sprechen sowohl unzählige klinische Studien (u.a. auch für die Zulassung der Impfstoffe) als auch die epidemiologische Daten (siehe dazu auch die Tabelle in Abschnitt Wirksamkeit sowie die folgenden Abschnitte zu erfolgreichen Impfprogrammen). === Nebenwirkungen === Impfkritiker argumentieren, dass es Krankheiten und Spätfolgen gibt, die als Nebenwirkungen von Impfungen gesehen werden können. Dabei wird das Verhältnis von erwartetem und tatsächlichem Nutzen gegenüber möglichen Schäden von Impfungen in Zweifel gezogen. Die als Spätfolgen von Impfungen aufgeführten Vorwürfe reichen von [[Allergie]]n, [[Asthma]], plötzlicher Kindstod bis hin zu [[Kriminalität]], [[Homosexualität]] oder [[HIV]]. Diese Behauptungen entbehren in der Regel entweder jeglicher wissenschaftlicher Basis (bei Kriminalität, Homosexualität etc.), oder aber wurden in Studien entkräftet (Allergien, Asthma z.B. S. Koppen et al.: ''No epidemiological evidence for infant vaccinations to cause allergic disease.'' In: ''Vaccine'' 25-26/2004. S. 3375-3385 PMID 15308362 U. Heininger: ''Risiken von Infektionskrankheiten und der Nutzen von Impfungen.'' In: ''Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz'' 47/2004. S. 1129–1135 [http://www.rki.de/cln_006/nn_326556/DE/Content/Infekt/Impfen/Bedeutungen/2004__Heiniger,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/2004_Heiniger PDF]). Diese Risiken werden auch bei den sogenannten [[Masernparty|Masernparties]] unterschätzt. Eine gewisse Ironie ist dabei auch, dass Impfverweigerer Nutznießer der hohen Populationsimmunität durch das Impfen sind, so dass diese Krankheiten in unseren Breiten selten geworden sind. === Neutralität der Datenlage === Angeführt wird, dass die Gesundheitsbehörden (z.B. das Robert-Koch-Institut) und Wissenschaftler in diesem Feld nur mangelhafte neutrale Aufklärung bieten und dass sich ein Interessenkonflikt zwischen den Empfehlungen der Pharmaunternehmen und ihrem Profit hieraus ergibt. Wenn auch subjektive Sichtweisen Einzelner nicht immer ausgeschlossen werden kann, so spricht die Menge der Untersuchungen zu möglichen Nebenwirkungen aus verschiedensten Ländern gegen eine einseitige Datenlage. Auch die unterstellte fehlende Neutralität der Gesundheitsbehörden inklusive WHO kann nicht schlüssig belegt werden. Dagegen spricht auch, dass die Gesundheitsbehörden von Regierungen unterschiedlichster politischer Ausrichtung (z.B. auch die ehemaligen [[Ostblock]]staaten) zu im Wesentlichen gleichen Empfehlungen gelangen. ==Beispiele erfolgreicher Impfprogramme== ===Pocken=== [[Bild:Smallpox.jpg|left|thumb|Pocken]] Die [[Pocken]], auch Blattern genannt, sind eine gefährliche Infektionskrankheit. Der Pocken-Virus kann direkt von Mensch zu Mensch durch [[Tröpfcheninfektion]] beim Husten übertragen werden. Symptome sind starkes Fieber, Schüttelfrost und die typischen Bläschen an fast allen Stellen des Körpers, welche zu Pockennarben führen. In schwereren Fällen können [[Erblindung]], [[Taubheit]], [[Lähmung]]en oder Hirnschäden auftreten sowie in 30% der Fälle der Tod. Durch ein konsequentes Impf- und Bekämpfungsprogramm der [[Weltgesundheitsorganisation|WHO]] und anderer Gesundheitsorganisationen wurde erreicht, dass 1980 die Welt von der WHO für pockenfrei erklärt werden konnte. Seit 1977 sind keine Pockenfälle mehr aufgetreten. Der letzte Fall in Deutschland trat im Jahre 1972 in [[Hannover]] auf. Die Pockenimpfung selber ist eine nicht ganz unkomplizierte Lebendimpfung und wird heutzutage nicht mehr durchgeführt, da keine unmittelbare Bedrohung mehr besteht. Dennoch sind weitere Pockeninfektionen, z.B. durch Laborunfälle oder [[Bioterrorismus]], nicht ausgeschlossen, und die Krankheit unterliegt nach wie vor der gesetzlichen [[Meldepflicht]]. Würden heute Pocken-Erreger in Deutschland eingeschleppt oder absichtlich verbreitet und könnten sich ungehindert verbreiten, dann träfen sie auf eine Bevölkerung, die praktisch ohne Abwehr (durch Impfung oder überlebte Erkrankung) wäre - ähnlich wie zu Beginn der Pocken-Epidemien im [[Mittelalter]]. Dann ist mit etwa 15% tödlichen Verläufen zu rechnen - also etwa 12 Millionen Toten. Allerdings verbreiten sich Pocken relativ langsam, so dass man annimmt, dass ggf. große Teile der Bevölkerung durch Quarantäne und passive Immunisierung geschützt werden könnten. Im [[Mittelalter]] waren die Todesquoten bei den Epidemien durch Pest und Pocken mit bis zu 90% wesentlich höher, da damals die Widerstandsfähigkeit durch Hunger, schlechte Hygiene, ungesunde Wohnungen etc. schlechter war als im heutigen Deutschland. ===Kinderlähmung=== [[Bild:Dgk-aegyptische-stele-Polio.jpg|thumb|Darstellung eines Poliokranken, Ägypten 18. Dynastie1403 - 1365 v. Chr.]] Die [[Kinderlähmung]] oder Poliomyelitis ist eine durch den Polio-Virus übertragene Infektionskrankheit. Während die meisten Erkrankungen unkompliziert verlaufen (80-90%), verlaufen 10-20% schwerwiegender (starken Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, gastrointestinalen Symptomen und Muskelschmerzen). Bei 0,1% aller Infektionen werden weiterhin die Nervenzellen des Rückenmarkes und/oder des Hirnes von dem Virus direkt befallen: die paralytische Poliomyelitis-Form, bei der Lähmungen auftreten. Bei den letzten größeren Epidemien 1952/53 waren dies immerhin 15.000 paralytische Fälle. Diese Lähmungen führen in 1-4% der Fälle zum Tode. Neben diesen akuten Folgen entwickeln bis zu 60% der Menschen, die früher wegen akuter Poliomyelitis hospitalisiert waren, noch Jahre später Post-Poliomyelitis-Symptome (starke Ermüdungserscheinungen, Muskelkrämpfe, Schmerzen, u.a.). Im Jahr 1962 (in der DDR bereits ab 1960) wurde die orale Poliomyelitis-Schutzimpfung in Deutschland wie auch in anderen europäischen Ländern eingeführt. Bereits 1965, nur 4 Jahre nach Beginn der ersten Impfkampagnen, hatte sich die Zahl der im Bundesgebiet erfassten Erkrankungen auf weniger als 50 Neuerkrankungen reduziert, im Vergleich zu den 4.670 gemeldeten Neuerkrankungen im Jahr 1961 war das ein Rückgang um 99%. Die letzten beiden einheimischen Erkrankungen durch Polio-Wildviren traten in Deutschland in den Jahren 1986 und 1990 auf, die letzten importierten Fälle wurden 1992 erfasst. Aus religiösen Gründen wurden damals in einem Teil der [[Niederlande]] überhaupt keine Impfungen durchgeführt - also auch keine Polio-Impfungen, weder mit dem Schluck- noch mit dem Nadel-Impfstoff. Abgesehen davon war dieser Teil der niederländischen Bevölkerung genau so gut gesundheitlich versorgt, gebildet, mit Nahrung und Wohnungen versorgt etc. wie der Rest des Landes. Es kam dort - also mitten im sonst schon Polio-freien Europa - in den Jahren 1992/93 zu einer regionalen Polio-Epidemie, die innerhalb weniger Wochen trotz der relativ kleinen Bevölkerungszahl Dutzende von lebenslang Gelähmten und einige Tote zur Folge hatte. Die „Schluckimpfung“ war nicht ungefährlich: sie enthielt vermehrungsfähige Erreger, welche jedes Jahr einige Erkrankungen verursachten. Da der Polio-Virus inzwischen aus Europa weitgehend verschwunden ist, wurde dieses Risiko als nicht mehr akzeptabel erachtet. Deshalb wird seit [[1998]] gegen Polio mit einem Totimpfstoff geimpft, der jedoch nicht mehr geschluckt sondern gespritzt wird. Im Jahr 1980, nach offizieller Ausrottung der Pocken, setzte sich die WHO die globale Ausrottung der Poliomyelitis als Ziel. Drei der sechs WHO-Regionen sind inzwischen als „Polio-frei“ zertifiziert (Amerika 1994, Westpazifik 2000, Europa 2002). ===Weitere laufende Impfprogramme=== [[Bild:RougeoleDP.jpg|thumb|typische Hauterscheinungen bei Masern]] Neben der Poliomyelitis hat die WHO auch die globale Eliminierung der [[Masern]] als Ziel vorgegeben. Derzeit ist dieses nur in [[Nordamerika]] erreicht worden ([[Mexiko]], [[USA]], [[Kanada]]). Seit 1973 wird die Masern-Impfung in Deutschland empfohlen und heutzutage werden ca. 90% Durchimpfungsraten bei Schulanfängern erreicht. Die bundesweite Inzidenz der Masern im Jahr 2004 betrug deutschlandweit 0,15 pro 100.000 Einwohner (121 gemeldete Masernfälle insgesamt). Sie lag damit erstmals in allen Bundesländern unter dem Schwellenwert von 1 pro 100.000 Einwohner. Dennoch entstehen immer wieder lokale Ausbrüche der Masern, von denen insbesondere ungeimpfte Kinder betroffen sind. Im ersten Halbjahr 2005 wurden schon wieder 668 Masernfälle registriert, inklusive eines toten Mädchens in Hessen.Robert-Koch-Institut: ''Erkrankungen an Masern im Jahr 2004 und Ausbrüche in Hessen und Bayern in der ersten Hälfte des Jahres 2005.'' In: ''Epidemiologisches Bulletin'' 29/2005. [http://www.rki.de/cln_011/nn_225576/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2005/29__05,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/29_05 PDF] Diese Ausbrüche bleiben Dank der hohen Durchimpfung jedoch meist regional begrenzt. Weltweit sind die der WHO gemeldeten Erkrankungen von ca. 4 Millionen (Durchimpfung 13%) im Jahr [[1980]] auf ca. 500.000 Fälle (Durchimpfung 80%) im Jahr [[2003]] gesunken ''WHO vaccine-preventable diseases - Global Summary 2004'' der [[Weltgesundheitsorganisation|WHO]], [http://www.who.int/vaccines-documents/GlobalSummary/GlobalSummary.pdf PDF](die reale Anzahl der Masern-Fälle wird dabei viel größer geschätzt). Ähnliches gilt für [[Röteln]] und [[Mumps]]. Bei anderen Infektionskrankheiten wie [[Diphtherie]], [[Tetanus]], [[Keuchhusten]] und anderen ist zwar eine weltweite [[Ausrottung]] nicht erreichbar, aber die in Deutschland und vielen anderen Ländern erreichten Erfolge der Schutzimpfung sind sehr eindrucksvoll. Beispielsweise wurde seit [[2000]] kein Erkrankungsfall der Diphtherie mehr in Deutschland gemeldet. Gegenwärtig sind 97% der Kinder mit vorhandenem [[Impfausweis]] ausreichend gegen Diphtherie geimpft. Bei den Erwachsenen haben nur noch etwa 30% Antikörper in schützender Menge, weil ihnen vielfach Auffrischimpfungen fehlen, die in 10-jährigem Abstand vorgenommen werden sollten. Ungeschützte Jugendliche und Erwachsene sind gegenwärtig Nutznießer der hohen Populationsimmunität bei den Kindern. Bei Kontakt zu einem importierten Erkrankungsfall, bei Kontakten zu infizierten Personen aus [[Epidemie]]- oder [[Endemie]]gebieten oder bei Reisen in Endemiegebiete sind sie jedoch gefährdet. Bei der Bekämpfung des [[Keuchhusten]]s (Pertussis) wurden im alten Bundesgebiet und in der DDR unterschiedliche Strategien verfolgt. Von 1974 bis 1991 wurde die Impfung in der BRD aus Furcht vor einzelnen Impfnebenwirkungen nur noch für Kinder mit individuell hohem Erkrankungsrisiko empfohlen. Dies führte zu einer sehr niedrigen Impfrate (< 10 %) und einer entsprechend hohen Erkrankungsrate bei Säuglingen und Kindern. In der DDR war die Pertussis-Schutzimpfung seit 1964 etabliert, es wurden Impfraten von rund 90% erreicht. Der Keuchhusten war bei den Klein- und Schulkindern weitgehend eliminiert, die noch nicht geschützten Säuglinge profitierten vom Impfschutz ihrer älteren Geschwister. Direkt nach der Wiedervereinigung kam es in den neuen Bundesländern zu einem deutlichen Rückgang der Impfraten und nachfolgend auch zu einem Wiederanstieg der Morbidität, was sich aufgrund der fortgesetzten Erfassung durch Meldung der Pertussis in den neuen Bundesländern nachweisen lässt (von 0,2 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner im Jahr 1991 bis auf eine Inzidenzrate von 20,4 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2000). Weder die Impfung noch die abgelaufene Erkrankung mit Keuchhusten garantieren einen lebenslangen Schutz vor einer Infektion mit Bordetella pertussis. Die Erkrankung ist nur für Kleinkinder gefährlich, für alle anderen belastend und langwierig. Zudem führt die Behandlung auch zu einem massiven Antibiotika-Einsatz in den betroffenen Familien mit der Gefahr einer vermehrten Resistenzentwicklung in der Bevölkerung. Dies wäre bei einer Erhöhung der Impfimmunität vermeidbar (bei Kindern derzeit 87%). Der Versuch einer weitgehenden Eliminierung dieser Erkrankung würde regelmäßige Wiederimpfungen sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen erfordern. Robert-Koch-Institut: ''Impfpräventable Krankheiten in Deutschland bis zum Jahr 2000.'' In: ''Epidemiologisches Bulletin'' 7/2002. [http://www.rki.de/cln_011/nn_244014/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2002/07__02,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/07_02 PDF] Robert-Koch-Institut: ''Zum Auftreten von Pertussis in den neuen Bundesländern.'' In: ''Epidemiologisches Bulletin'' 23/2005. [http://www.rki.de/cln_006/nn_225576/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2005/23__05,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/23_05 PDF] ===Impfmüdigkeit=== Durch die sogenannte '''Impfmüdigkeit''' d.h. die Ablehnung oder einfache Vernachlässigung der empfohlenen Schutzimpfungen treten manche Krankheiten wieder vermehrt auf. Insbesondere werden häufiger die Termine zur Nachimpfung nicht wahrgenommen. In Deutschland kommt es deshalb zum Beispiel zu lokalen Masern-Epidemien. Hier kann nur seriöse Information und Aufklärung der Bevölkerung helfen, um den Impfschutz der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. == Empfohlene Impfungen == In Deutschland besteht keine '''Impfpflicht'''. Der Impfkalender der ständigen Impfkommission ([[STIKO]]) sieht jedoch eine wiederholte Impfung schon ab dem Säuglingsalter vor: beginnend mit dem 2. Lebensmonat bis zum 11. Lebensjahr sollte das Kind mehrfach geimpft werden. Für die impfenden Ärzte ergibt sich die Pflicht, über Vor- und Nachteile von Impfung und Nicht-Impfung der Kinder (und Erwachsenen) aufzuklären, und die Eltern (bzw. Erwachsenen) haben die Verantwortung, ob und gegebenenfalls wo sie sich weitere Informationen zum Pro und Contra von Impfungen einholen - und wie sie dann ihre Entscheidung fällen. Die Verantwortung der Eltern bezieht sich dabei in erster Linie darauf, ihr Kind vor schweren Krankheiten zu schützen, in zweiter jedoch auch auf die Gesellschaft. Denn nur wenn ein möglichst hoher Prozentsatz der Bevölkerung geimpft ist, können seuchenartige Ausbrüche von Infektionskrankheiten wirkungsvoll verhindert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sind je nach Krankheit und Wirksamkeit des Impfstoffs Durchimpfungsraten von ca. 90% erforderlich. ''Näheres zur Berechnung dieser Durchimpfungsraten siehe [[Epidemiologie#Reproduktionsrate|Epidemiologie: Reproduktionsrate]].'' Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission sind in Deutschland Grundlage für die Festlegung der "öffentlich empfohlenen Impfungen“. Letztere werden durch die Gesundheitsbehörden der Bundesländer definitiv festgelegt. Falls durch eine öffentlich empfohlene Impfung ein bleibender Schaden entsteht (dann '''Impfschaden''' genannt - im Gegensatz zur ''Impfreaktion'' und ''Impfkomplikation''), besteht ein Anspruch auf Entschädigung durch das Versorgungsamt. In der Schweiz erfolgt die Empfehlung durch das Bundesamt für Gesundheit und die Schweizerische Kommission für Impffragen. In Österreich wird der Impfplan vom Obersten Sanitätsrat (Impfausschuss) des [http://www.bmgf.gv.at Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen] herausgegeben. ===Empfehlungen für Deutschland, Schweiz und Österreich=== Folgende Impfungen werden derzeit von der Ständigen Impfkommission in Deutschland empfohlen ([http://www.rki.de/cln_006/nn_225576/DE/Content/Infekt/Impfen/STIKO__Empfehlungen/stiko__empfehlungen__node.html Stand Juli 2005]). Diese Empfehlungen entsprechen weitestgehend dem [http://www.swiss-paediatrics.org/guidelines/impfplan_04-ge.pdf Impfplan der Schweiz] und dem [http://www.bmgf.gv.at/cms/site/attachments/1/4/0/CH0016/CMS1038913010412/impfplan_2006.pdf Impfplan von Österreich].
Personen mit anatomischer oder funktioneller [[Asplenie]] |- | [[Hepatitis A]] | Risikogruppen
Gefährdetes Personal (Gesundheitsdienst, Forschung, Kanalisation u.a.) |- | [[Hepatitis B]] | Standard für Kinder ab 2 Monaten
Risikogruppen
Gefährdetes Personal in Gesundheitsdienst |- | [[Influenza]] | Personen über 60 Jahre
Personen mit geschwächtem Immunsystem
Personen mit chronischen Erkrankungen |- | [[Masern]] | Standard für Kinder ab 11 Monaten |- | [[Meningokokken]] | Personen mit geschwächtem Immunsystem
Gefährdetes Personal (Labor, Entwicklungszusammenarbeit, u.a.)
Jugendliche mit Langzeitaufenthalt in gefährdeten Ländern |- | [[Mumps]] | Standard für Kinder ab 11 Monaten |- | [[Keuchhusten]] | Standard für Kinder ab 2 Monaten, Auffrischung mit 5-6 Jahren, und zwischen dem 9. und 17. Lebensjahr. |- | [[Pneumokokken]] | Personen über 60 Jahre
Personen mit geschwächtem Immunsystem |- | [[Poliomyelitis]] | Standard für Kinder ab 2 Monaten / u. U. Auffrischung |- | [[Röteln]] | Standard für Kinder ab 11 Monaten |- | [[Tetanus]] | Standard für Kinder ab 2 Monaten, Auffrischung für Erwachsene alle 10 Jahre und ggf. im Verletzungsfall |- | [[Tollwut]] | Personen mit Umgang von Tieren in Gebieten mit Wildtiertollwut
(Tierärzte, Jäger, Forstpersonal u.a.) |- | [[Tuberkulose]] | derzeit nicht empfohlen |- | [[Typhus]] | Bei Reisen in Endemiegebiete |- | [[Windpocken]] | Standard für Kinder ab 11 Monaten
Seronegative Personen bei Indikation (Organtransplantation, Kinderwunsch bei Frauen u.a.)
Seronegatives Personal im Gesundheitswesen |}
Diese Version des Artikels stammt vom 12.06.2006.
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