Konrad Adenauer
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Konrad Adenauer
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{{Dieser Artikel|beschäftigt sich mit dem ehemaligen Bundeskanzler '''Konrad Adenauer'''; für seinen Sohn, den Kölner Politiker; siehe '''[[Max Adenauer]]''' und für seinen Enkel, den Landrat des Kreises Gütersloh; siehe '''[[Sven-Georg Adenauer]]'''.}}
[[Bild:Konrad_Adenauer.jpg|thumb|Konrad Adenauer]]
'''Konrad Hermann Josef Adenauer''' (* [[5. Januar]] [[1876]] in [[Köln]]; † [[19. April]] [[1967]] in [[Rhöndorf]] ''(heute zu [[Bad Honnef]]'')) war ein deutscher [[Politiker]] ([[Deutsche Zentrumspartei|Zentrum]] und [[Christlich Demokratische Union Deutschlands|CDU]]).
Von [[1949]] bis [[1963]] war er der erste [[Bundeskanzler (Deutschland)|Bundeskanzler]] der [[Deutschland|Bundesrepublik Deutschland]]. Von [[1951]] bis [[1955]] war er außerdem [[Auswärtiges Amt|Bundesminister des Auswärtigen]].
== Herkunft und Kindheit ==
[[Bild:Muenze_2dm_adenauer.jpg|thumb|Rückseite einer 2-DM-Münze]]
Konrad war das dritte von fünf Kindern des Sekretärs am Appellationsgericht (heute Oberlandesgericht) Köln und späteren Kanzleirats Johann Konrad Adenauer ([[1833]] bis [[1906]]) und seiner Ehefrau Helene geborene Scharfenberg ([[1849]] bis [[1919]]). Seine vier Geschwister waren August (1872-1952), Johannes (1873-1937), Lilli (1879-1950) und Elisabeth (kurz nach der Geburt gestorben).
== Studium und Karriere ==
Er legte am 5. März [[1894]] das Abitur am Apostelgymnasium in Köln ab. Von 1894 bis [[1897]] studierte er an den Universitäten von [[Freiburg im Breisgau]], [[München]] und [[Bonn]] Rechts- und Staatswissenschaft. Dort trat er jeweils in die katholischen Studentenvereine KStV Brisgovia im [[Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine|KV]] zu Freiburg, KStV Saxonia im KV zu München und in den KStV Arminia im KV zu Bonn ein, denen er Zeit seines Lebens eng verbunden blieb. Sein erstes juristisches [[Staatsexamen]] legte er [[1897]] ab, sein zweites [[1901]]. Anschließend wurde er [[Assessor]] in Köln. Von [[1903]] bis [[1905]] war er Vertreter des Rechtsanwaltes beim Oberlandesgericht Köln, Justizrat Hermann Kausen.
Im Jahre [[1906]] trat Adenauer der [[Deutsche Zentrumspartei|deutschen Zentrumspartei]] bei und wurde am 7. März zum Beigeordneten der Stadt Köln gewählt. Am 22. Juli [[1909]] wurde er Erster Beigeordneter und damit erster Stellvertreter des Oberbürgermeisters.
=== Oberbürgermeister der Stadt Köln ===
Am 18. September [[1917]] wurde er durch die Kölner Stadtverordneten-Versammlung zum zu jener Zeit jüngsten [[Oberbürgermeister]] einer deutschen Großstadt gewählt. Die Verleihung des Titels "Oberbürgermeister" erfolgte am 21. Oktober durch Erlass des Königs von [[Preußen]]. Von 1917 bis [[1933]] und 1945 war er [[Liste der Oberbürgermeister Kölns|Oberbürgermeister der Stadt Köln]] und von [[1920]]-1933 [[Präsident]] des [[Preußischer Staatsrat|Preußischen Staatsrats]]. In dieser Funktion stand er in einer [[Preußischer Staatsrat#Staatsrat gegen Staatsministerium|politischen Dauerfehde]] mit dem sozialdemokratischen preußischen Ministerpräsidenten [[Otto Braun]], welche von Adenauer bis vor das [[Preußisches Staatsgericht|Preußische Staatsgericht]] getragen wurde. Auch nach dem so genannten [[Preußenschlag]] blieb Adenauer Mitglied im [[Dreimännerkollegium]]. In der [[Weimarer Republik]] war er zeitweise ([[1926]]) als Kandidat für das Reichskanzleramt im Gespräch.
Adenauer galt als teuerster Oberbürgermeister Deutschlands - wegen seiner Projekte und seines Gehalts. Schon während des [[Erster Weltkrieg|ersten Weltkriegs]] zeigte er Weitblick. Er erkannte vor vielen anderen, dass der Krieg verloren war und begann, Nahrungsmittel zu horten, u. a. [[Graupen]] (Kochgerste). Die Kölner nannten ihn deshalb 'Graupenauer'; immerhin hatten sie etwas zu essen. Nach dem Krieg setzte er durch, dass aus dem alten Festungsring ein Grüngürtel wurde - für damalige Verhältnisse eine ungewöhnliche Neuerung. Während seiner Amtszeit wurden die Messe und die Universität in Köln neu eröffnet. Bei der Finanzierung dieser Projekte war er schon damals nicht kleinlich. Auch an der Gründung der [[Ford]]-Werke in Köln war er maßgeblich beteiligt. Beim Bau der damals technisch einmaligen [[Mülheimer Brücke]] verhandelte er taktisch geschickt mit der [[KPD]]; anders war dieses Projekt im Rat nicht durchzubringen. [[1928]] verspekulierte Adenauer sein Vermögen durch den Ankauf von [[Glanzstoff]]-Aktien. Ein öffentlicher Skandal konnte dadurch verhindert werden, dass Adenauer sich aus einem sogenannten schwarzen Fonds vom Vorstandsvorsitzenden der Glanzstoff AG ein Aktienpaket im Nominalwert von 250.000 [[Reichsmark]] zur Verfügung stellen ließ.
[[Bild:Adenauers_Haus.jpg|thumb|Konrad Adenauers Wohnhaus in Rhöndorf]]
=== Zeit des Nationalsozialismus ===
Als nach der Machtergreifung der [[Nazis]] die [[Zentrumspartei]] in Köln bei den Kommunalwahlen vom [[12. März]] [[1933]] unterlag, verlor Adenauer (der beim Besuch eines nationalsozialistischen Führers in Köln diesem den Handschlag verweigerte!) sein Amt als Oberbürgermeister und wenig später auch das Amt als Präsident des Preußischen Staatsrates. Ohne die Berliner Dienstwohnung und in Köln bedroht von seinen nationalsozialistischen Gegnern, die auf Wahlkampfplakaten "Adenauer, an die Mauer!" gefordert hatten und ihm Dienstvergehen vorwarfen, bat Adenauer [[Ildefons Herwegen]], den Abt von [[Abtei Maria Laach|Maria Laach]] und einstigen Schulkameraden, um vorübergehende Aufnahme in der Abtei. Er wurde am [[26. April]] 1933 als Gast aufgenommen, führte von hier aus das Dienststrafverfahren, das er gegen sich selbst beantragt hatte, und blieb, bis er im April [[1934]] ein Haus im [[Potsdam]]er Vorort [[Neubabelsberg]] bezog. Dort wurde er am [[30. Juni]] [[1934]] im Zusammenhang mit dem "[[Röhm-Putsch]]" für zwei Tage festgenommen. In den folgenden Jahren wechselte er häufig seinen Aufenthaltsort und versteckte sich zeitweise. [[1937]] erhielt er nach zähem Ringen seine Pension und eine Abfindung für sein beschlagnahmtes Haus. Von der Abfindung baute er sein Haus in Rhöndorf (nach 1945 erhielt er übrigens das beschlagnahmte Haus zurück). Nach dem missglückten [[20. Juli 1944|Aufstand gegen Hitler am 20. Juli 1944]] wurde Adenauer am 23. August [[1944]] verhaftet und flüchtete Ende September 1944 aus dem [[Konzentrationslager]] auf dem Kölner Messegelände. (Adenauer selbst war wiederholt von den Widerständlern angesprochen worden; er lehnte jede Beteiligung strikt ab, weil er nicht an Erfolgsaussichten glaubte.) Er wurde später wieder gefasst, am 26. November 1944 aber aus dem Gefängnis [[Brauweiler (bei Köln)|Brauweiler]] entlassen.
=== Nach Kriegsende ===
[[1945]] setzten ihn die Amerikaner wieder als OB von Köln ein. Nach wenigen Monaten entließen ihn die Engländer wegen "Unfähigkeit". Die britische Besatzungsmacht verhängte in der Zeit vom [[6. Oktober]] bis [[4. Dezember]] 1945 ihm gegenüber ein Verbot parteipolitischer Betätigung.
Erst Jahre später kamen die wahren Gründe der Briten zu Tage. Sie wollten Adenauers Kontakte und Pläne, mit den Franzosen einen eigenen kleinen Rheinstaat zu gründen, mit der Entlassung unterbinden.
In einem Brief im [[Februar]] [[1946]] schrieb Adenauer an den katholischen Geistlichen in Bonn: ''Nach meiner Meinung trägt das deutsche Volk und tragen auch die Bischöfe und der [[Klerus]] eine große Schuld an den Vorgängen in den [[Konzentrationslager]]n. Richtig ist, dass nachher vielleicht nicht viel mehr zu machen war. Die Schuld liegt früher. Das deutsche Volk, auch Bischöfe und Klerus zum großen Teil, sind auf die nationalsozialistische [[Agitation]] eingegangen. Es hat sich fast widerstandslos, ja zum Teil mit Begeisterung gleichschalten lassen. Darin liegt seine Schuld.''
== Parlamentarischer Rat und Bundeskanzler ==
Nach Ende des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieges]] war er [[1949]] Vorsitzender des [[Parlamentarischer Rat|Parlamentarischen Rates]], der über die Verfassung für einen deutschen Weststaat beriet. Bevor Konrad Adenauer erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland wurde, war er seit dem [[1. September|1. September]] 1949 Vorsitzender der gemeinsamen [[Fraktion_(Bundestag)|Bundestagsfraktion]] von [[Christlich Demokratische Union Deutschlands|CDU]] und [[Christlich Soziale Union|CSU]]. Zum Bundeskanzler wurde er am [[15. September|15. September]] 1949 vom [[Deutscher Bundestag|Deutschen Bundestag]] mit einer Stimme Mehrheit (inklusive seiner eigenen) gewählt. Die entscheidende Stimme in diesem Wahlgang stammte dabei vom [[Bayernpartei]]-Abgeordneten [[Johann Wartner]], der sich dem Beschluss seiner Partei widersetzte und - wie er kurz vor seinem Tode bekannte - als wohl einziger Oppositions-[[MdB]] für Adenauer stimmte. Dieser hatte das Amt bis zu seinem Rücktritt am [[15. Oktober]] [[1963]] inne.
Adenauer war von [[1950]] bis [[1966]] Vorsitzender der CDU. Zeitweise, von [[1951]] bis [[1955]], bekleidete er zusätzlich das Amt des [[Außenminister]]s. Grundlage seiner Politik war die strikte Westorientierung der Bundesrepublik Deutschland ([[Magnet-Theorie]]); dadurch wurde einerseits die Integration mit Westeuropa möglich (siehe [[Europäische Wirtschaftsgemeinschaft]], [[Wirtschaftswunder]]), andererseits machte der Konfrontationskurs gegenüber der damals [[Stalin|stalinistisch]] beherrschten [[Deutsche Demokratische Republik|DDR]] eine Teilung Deutschlands unvermeidlich.
So schwieg Adenauer bewusst die [[Stalin-Note]] aus.
Die in der Folge des Zweiten Weltkriegs zu Tage getretenen [[Ideologie|ideologischen]] Gegensätze führten darüber hinaus zur [[Kalter Krieg|Teilung Europas]] und der ganzen Welt in zwei Blöcke: Dem [[Ostblock]] unter der damals noch unstrittigen Führung der [[Sowjetunion]] und dem westlichen Lager unter der Führung der [[USA]]. Bundeskanzler Adenauer bemühte sich darum, das Vertrauen des Westens zu gewinnen und dadurch einerseits eine [[Wiederbewaffnung]] bzw. Bewaffnung der Bundesrepublik zu erreichen, andererseits den jungen Staat in ein vereintes Westeuropa einzubinden und seine Gleichberechtigung mit den anderen Ländern zu erzielen. Die wirtschaftliche Seite dieses Strebens mündete schließlich in die europäischen Einigungsprozesse, auf denen die heutige EU beruht. Die militärische Seite wurde nicht, wie von Adenauer erhofft, durch eine eigenständige "Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG)", sondern durch die Aufnahme der Bundesrepublik in die [[NATO]] ([[1955]]) verwirklicht.
In der Öffentlichkeit weniger bekannt war, dass Adenauer schon 1949 auf die deutsche Wiederbewaffnung drängte. Nach außen stellte er dies als Forderung der westlichen Alliierten dar; die Alliierten selbst waren wenig begeistert davon. Bereits 1950 trat sein Innenminister, [[Gustav Heinemann]], aus Protest gegen diese heimlich betriebene Politik zurück. Im April 1950 forderte Adenauer nach dem Aufbau einer Kasernierten [[Volkspolizei]] in der [[SBZ]] den Aufbau einer mobilen Polizeitruppe auf Bundesebene in der Bundesrepublik. Die Öffentlichkeit erfuhr erst Jahre später, dass er schon 1957 ein Projekt genehmigte, mit Frankreich und Italien gemeinsam eine [[Atombombe]] zu entwickeln. Durch den Machtantritt [[Charles de Gaulle]]s wurde das Projekt hinfällig. Wie er und [[Franz Josef Strauß|Strauß]] dieses Projekt im Haushalt verstecken wollten, weiß man nicht.
[[1955]] erreichte Adenauer bei einem [[Staatsbesuch]] in [[Moskau]] die Freilassung der letzten in sowjetischer Gefangenschaft lebenden Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Als nach dem Tod Adenauers (1967) in einer Umfrage nach dessen größter Leistung gefragt wurde, stand dies weit oben auf der Ergebnisliste ([[Heimkehr der Zehntausend]]).
Als Einwohner von [[Rhöndorf]] (in Sichtweite von Bonn) war Adenauer maßgeblich daran beteiligt, dass [[Bonn]] 1949 statt [[Frankfurt am Main]] Bundes[[hauptstadt]] wurde. Auch hier war er nicht sehr nachgiebig. Er bedrängte z.B. den Finanzminister von [[Nordrhein-Westfalen]], Geld bereitzustellen, obwohl es keinen Haushaltsbeschluss gab. Für dessen rechtliche Bedenken hatte er kein Verständnis.
Eine langfristige historische Leistung Konrad Adenauers war die Aussöhnung mit [[Frankreich]], die schließlich im [[Elysée-Vertrag|Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrag]] mündete. Bei dem tiefen Misstrauen, mit dem sich Deutsche und Franzosen zu jener Zeit begegneten, war hierbei sein gutes persönliches Verhältnis zum Präsidenten der Französischen Republik, [[Charles de Gaulle]] von großer Bedeutung. Die mit der deutsch-französischen Annäherung einhergehende europäische Integration ([[Montanunion]], [[Euratom]], [[EWG]], später [[Europäische Union|EU]]) wäre ohne sie gar nicht denkbar gewesen. Im Jahre [[1954]] wurde er mit dem [[Karlspreis]] ausgezeichnet. Seine [[Büste]] wurde später in der [[Walhalla]] aufgestellt.
Konrad Adenauer bemühte sich auch um die Versöhnung mit den [[Juden]]. Gegen den Widerstand seines Finanzministers setzte er die Zahlung einer hohen Wiedergutmachung an [[Israel]] durch. In [[New York City|New York]] traf er [[1960]] mit dem israelischen Ministerpräsidenten [[David Ben Gurion]] zusammen. [[1966]] reiste er als erster hochrangiger deutscher Politiker nach dem Zweiten Weltkrieg nach [[Israel]].
[[1959]] brachte sich Adenauer als Kandidat für das Amt des [[Bundespräsident]]en ins Gespräch, nachdem er vorher vergeblich versucht hatte, [[Ludwig Erhard]] auf diesen Posten wegzuloben. Nach einigen Wochen zog er seine Kandidatur wieder zurück. Vermutlich einerseits weil er erkannt hatte, dass die Macht des Bundespräsidenten geringerer Natur war, andererseits, weil er die Wahl Ludwig Erhards zum Bundeskanzler verhindern wollte.
Nach der darauffolgenden Wahl 1961 brachte er es mit einer taktischen Meisterleistung fertig, gegen den Willen der FDP, der CSU und Teilen seiner eigenen Partei nochmals zum Kanzler gewählt zu werden. Als 'Gegenleistung' versprach er, 'rechtzeitig' vor der nächsten Wahl zurückzutreten, um einem Nachfolger Platz zu machen - einen verbindlichen Termin zu nennen, weigerte er sich.
Adenauer wurde dreimal ([[Bundestagswahl 1953|1953]], [[Bundestagswahl 1957|1957]] und [[Bundestagswahl 1961|1961]]) wiedergewählt. Als Wahlkämpfer war er unerreicht: 1953 erhielt er die absolute Mehrheit der Mandate und 1957 erzielte er die absolute Mehrheit der Stimmen. Seine letzten Jahre als Kanzler wurden durch seinen hartnäckigen Kampf, so lange wie möglich im Amt zu bleiben und durch den - vergeblichen - Versuch, die Wahl Ludwig Erhards als Nachfolger zu verhindern, überschattet. Die [[Spiegel-Affäre]] brachte das endgültige Ende seiner Kanzlerschaft. Dass er selbst Strauß zu dessen Handlungsweise ermächtigt hatte, erfuhr die Öffentlichkeit erst Jahre später. Auch nach seinem Abgang tat er alles ihm Mögliche, um am Stuhl seines ungeliebten Nachfolgers zu sägen. Kurz vor seinem Tod erlebte er noch den Sturz Erhards - 'Der eine is wech!' war sein Kommentar. Bis zu seinem Tode war er Mitglied des Bundestages und war damit mit 91 Jahren und 3 1/2 Monaten der bisher älteste [[Mitglied des Deutschen Bundestages|Bundestagsabgeordnete]].
An dem Gerangel um seine Nachfolge war er weitgehend selbst schuld. Einerseits hatte er klar erkannt, dass Ludwig Erhard kein guter Kanzler werden würde - die Führung seiner Partei stimmte ihm da zu - andererseits tat er aber selbst nichts, um einen besseren Kandidaten aufzubauen. Viele Zeitgenossen hatten den Eindruck, es komme ihm hauptsächlich darauf an, selbst so lange wie möglich Kanzler zu bleiben.
[[Bild:Adenauer-Plastik_in_Bonn.jpg|thumb|Adenauer-Plastik vor dem ehemaligen Bundeskanzleramt in Bonn]]
Eine Hinterlassenschaft Adenauers war die Verteufelung der Opposition ("Die SPD ist der Untergang Deutschlands."), die er hauptsächlich aus wahltaktischen Motiven betrieb. Auch die Tatsache, dass er selbst in seiner Regierung ehemalige Nazis beschäftigte, hinderte ihn nicht daran, Sozialdemokraten wie [[Herbert Wehner]] oder [[Willy Brandt]] zu diffamieren. Selbst seinen eigenen Parteigenossen stieß das bisweilen übel auf. Dennoch sprach er mit der SPD über die Bildung einer großen Koalition, als es um den Erhalt seiner Kanzlerschaft ging. Es dauerte bis in die [[1970er]] Jahre, diese Polarisierung zu überwinden.
== Tod ==
Konrad Adenauer starb am 19. April 1967 (13.21 Uhr laut Totenschein) nach kurzer Krankheit (Grippe - eingefangen auf der letzten Auslandsreise in Spanien) und zwei Herzinfarkten in seinem Haus in Rhöndorf. Er wurde darauf hin mit einem [[Staatsbegräbnis]] und einem [[Pontifikalamt]] durch den Kölner Erzbischof geehrt. Sein Sarg wurde zunächst im Kölner Dom aufgebahrt und 6 Ritterkreuzträger der deutschen Marine hielten Ehrenwache. Dann wurde er auf dem Rhein in einem Schnellboot der Marine nach Königswinter überführt. Schließlich wurde er von 8 Stabsoffizieren in einem Trauerzug, darunter 3 Kardinäle, mehrere Bischöfe, die Familienangehörigen, der Bundespräsident, die Staatsoberhäupter Frankreichs und der Vereinigten Staaten zum Waldfriedhof in Rhöndorf getragen, wo er mit Salven mehrer Feldhaubitzen und dem Donnern von 12 Jagdbombern der deutschen Luftwaffe beigesetzt wurde.
== Familie und Privates ==
Am 28. Januar [[1904]] heiratete er [[Emma Weyer]] (1880-1916). Aus dieser Ehe erwuchsen die Kinder Konrad (1906-1993), Max (1910-2004) und Ria (1912-1998). Am 6. Oktober [[1916]] starb seine erste Frau Emma.
Am 25. September [[1919]] heiratete Adenauer seine zweite Frau [[Auguste "Gussie" Zinsser]], mit der er weitere fünf Kinder hatte: Ferdinand (*1921, bald nach der Geburt verstorben), Paul (*1923), Lotte (*1925), Libet (*1928) und Georg (*1931). [[1948]] starb seine zweite Frau Gussie an den Folgen einer in [[Gestapo]]-Haft zugezogenen Erkrankung in Rhöndorf.
Adenauers Enkel [[Sven-Georg Adenauer]] (Sohn von Georg) ist Landrat im [[Kreis Gütersloh]], sein Enkel [http://wikitree.org/index.php?title=Patrick_Adenauer Patrick Adenauer] ist Unternehmer.
Wenig bekannt ist, dass Adenauer nicht nur Politiker, sondern auch [[Erfinder]] war. Er sicherte sich einige Patente, so etwa das für ein "Verfahren zur Herstellung eines dem rheinischen Roggenschwarzbrot ähnelnden Schrotbrotes" ([[Kölner Brot]], Österreichische Patentschrift 74310 von 1.5.1916, zusammen mit Jean und Josef Oebel) oder auch das Patent für die "von innen beleuchtete Stopfkugel". Außerdem meldete er kurz nach dem 1. Weltkrieg eine neue Tülle für Gartengießkannen an, die mit einer beweglichen Klappe abgedeckt werden konnte.
Außerdem erfand er 1916 eine Sojawurst ([[Kölnerwurst]]), da in diesen Zeiten Fleisch knapp war. Der Patentantrag wurde jedoch wegen eines Formfehlers in Deutschland nicht anerkannt und statt dessen in England angemeldet.
== Ehrungen und Nachwirkung ==
Im November [[2003]] wurde Konrad Adenauer von einem breiten Publikum im Rahmen der [[ZDF]]-Fernsehsendereihe [[Unsere Besten]] zum größten Deutschen aller Zeiten gewählt. Er ist [[Ehrenbürger]] von [[Berlin]], [[Bonn]], [[Köln]], [[Trier]], [[Baden-Baden]] und [[Bad Honnef]]. Außerdem ist er der erste Träger des [[Bundesverdienstkreuz|Großkreuzes in besonderer Ausführung]] des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Von Papst [[Paul VI.]] wurde Adenauer [[1963]] zunächst mit dem [[Orden vom Goldenen Sporn]] ausgezeichnet und noch im September des selben Jahres erhielt er den ranghöheren [[Christusorden]].
Des Weiteren wurde der [[Konrad Adenauer Flughafen|Köln-Bonner Flughafen]] (IATA-Code CGN) nach ihm benannt.
Die Staatskarosse der 50er Jahre, der 300er [[Mercedes]] wurde und wird noch heute nach einem seiner ersten prominenten Besitzer als "Adenauer-Mercedes" bezeichnet.
Darüber hinaus wurde Adenauer mit einer Büste in der [[Walhalla]] bei Regensburg ein weiteres Denkmal gesetzt.
Der Luftwaffenairbus der Bundeskanzlerin ist nach ihm benannt.
== Kurioses ==
*Zum 90. Geburtstag bekam er 90 Flaschen 90-jährigen "Potts" geschenkt.
*Spitznamen: ''Conny'', ''Der Alte'' und ''Der Alte von Rhöndorf''.
*Besaß als Träger des [[Orden vom Goldenen Sporn|Ordens vom Goldenen Sporn]] das Privileg hoch zu Ross in eine Kirche hineinzureiten.
*Er ist der einzige Regierungschef seit 1871 (dem Jahr der ersten Reichstagswahl), der mit absoluter Mehrheit regieren konnte
* ->1953 wurde zum ersten Mal die absolute Mehrheit erreicht, Adenauer koalierte jedoch mit der FDP+DP+GB-BHE
* ->1957 übersprang die Union sogar die 50%-Marke, koalierte jedoch in den ersten Jahren mit der DP
* Ab 1961 erreichte keine Partei mehr die absolute Mehrheit. Nur noch Kurt Georg Kiesinger (1969) und Helmut Kohl (1976,1983) verfehlten diese knapp.
== Veröffentlichungen ==
* ''Erinnerungen 1945-1953''. Stuttgart, DVA 1965
* ''Erinnerungen 1953-1955''. Stuttgart, DVA 1966
* ''Erinnerungen 1955-1959''. Stuttgart, DVA 1967
* ''Erinnerungen 1959-1963. Fragmente''. Stuttgart, DVA 1968
== Literatur ==
* Koch, Peter: ''Die Erfindungen des Dr. Konrad Adenauer''. Wunderlich, Reinbek 1986. ISBN 3805204191
* Henning Köhler. ''Adenauer. Eine politische Biographie'', Berlin 1994. ISBN 3549054440
* [[Hans-Peter Schwarz]], ''Adenauer - Der Aufstieg 1876 - 1952'', Stuttgart 1986
* Ders., ''Adenauer - Der Staatsmann 1876 - 1952'', Stuttgart 1991
* Henning Sietz, ''Attentat auf Adenauer'', ISBN 3886808009
* Gösta von Uexküll: ''Konrad Adenauer - Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten''. Reinbek 1998, ISBN 3499502348
* Walter Henkels, gar nicht so pingelig, meine Damen und Herren - Neue Adenauer-Anekdoten. Rastatt, 1985 ISBN 3811848003 TB 1997
*Gerboth, Hans-Joachim: "Meine Adenauer-Memoiren. Von Karlchen Schmitz", verschiedene Ausgaben, aber alle vergriffen. U.a. dtv 1983, ISBN 3423011521
== Weblinks ==
{{Wikiquote|Konrad Adenauer}}
{{Commons|Konrad Adenauer}}
*{{PND|11850066X}}
*[http://www.adenauerhaus.de Gedenkstätte "Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus" mit dem Wohnhaus Adenauers in Bad Honnef-Rhöndorf mit Adresse und Öffnungszeiten]
* [http://www.kas.de Die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.]
* http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/AdenauerKonrad
* http://www.bundeskanzlerin.de/bk/Navigation/Amt-und-Verfassung/Bundeskanzler-1949-2005/konrad-adenauer.html
* http://www.karlspreis.de/portrait/1954_2.html
* http://biene.bonn.de/lessenic/familie.htm
* [http://www.kas.de/druckansicht/dokument_druck.php?dokument_id=820 Regierungserklärung Konrad Adenauers vom 20.09.1949]
* [http://janeden.org/2170 Die Adenauer-Ära]
* [http://janeden.org/2291 Die Außenpolitik Konrad Adenauers]
* [http://www.thuemmy.de/khg_per_ade.htm Adenauer und de Gaulle in Bad Kreuznach]
* [http://www.bpb.de/popup/popup_video.html?guid=9WAWC0&text=1 1957er Wahlwerbespot] :K. Adenauer als Trickfilmfigur
* [http://www.br-online.de/kultur-szene/capricci/report/thema030706_1.html Attentat auf Adenauer 1952]
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[[Kategorie:Mann|Adenauer, Konrad]]
[[Kategorie:Deutscher|Adenauer, Konrad]]
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[[Kategorie:Preußischer Staatsrat|Adenauer, Konrad]]
[[Kategorie:Ehrenbürger|Adenauer, Konrad]]
[[Kategorie:Karlspreis|Adenauer, Konrad]]
[[Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes|Adenauer, Konrad]]
[[Kategorie:Ritter des Ordens wider den tierischen Ernst|Adenauer, Konrad]]
[[Kategorie:Mitglied des Parlamentarischen Rates|Adenauer, Konrad]]
[[Kategorie:Geboren 1876|Adenauer, Konrad]]
[[Kategorie:Gestorben 1967|Adenauer, Konrad]]
{{Personendaten|
NAME=Adenauer, Konrad
|ALTERNATIVNAMEN=
|KURZBESCHREIBUNG=deutscher Politiker (Zentrum und CDU), [[1949]]-[[1963]] Bundeskanzler
|GEBURTSDATUM=[[5. Januar]] [[1876]]
|GEBURTSORT=[[Köln]]
|STERBEDATUM=[[19. April]] [[1967]]
|STERBEORT=[[Rhöndorf]] bei [[Bonn]]
}}
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[[cs:Konrad Adenauer]]
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Diese Version des Artikels stammt vom 31.01.2006.
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