Rhetorik
Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Hauptseite
MediaWiki 1.7alpha
first-letter
Media
Spezial
Diskussion
Benutzer
Benutzer Diskussion
Wikipedia
Wikipedia Diskussion
Bild
Bild Diskussion
MediaWiki
MediaWiki Diskussion
Vorlage
Vorlage Diskussion
Hilfe
Hilfe Diskussion
Kategorie
Kategorie Diskussion
Portal
Portal Diskussion
Rhetorik
18800
17228092
2006-05-29T12:51:31Z
134.93.47.114
/* Redegattungen */
Gegenstand der '''Rhetorik''' ([[griechische Sprache|griechisch]] '''ρητορική''' [τέχνη], ''rhetorikè ([[Technik|téchne]]) - die Redekunst'') war in der Antike im allgemeinsten Sinne die Kunst der (freien, öffentlichen) [[Rede]]. Aufgabe der Rhetorik war es, die Möglichkeiten zu erforschen und die Mittel bereitzustellen, die nötig sind, um eine Gemeinsamkeit zwischen Redner und Zuhörern herzustellen ([[Identifikation]]), auf deren Basis es ermöglicht wird, eine subjektive Überzeugung allgemein zu machen ([[persuasive Kommunikation|Persuasion]]).
Heute wird unter Rhetorik zumeist Theorie und Praxis der Rede und des Gesprächs verstanden. Wissenschaftliche Arbeiten zur Rhetorik beschäftigen sich - vor allem seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts - überwiegend mit dem Gespräch sowie mit Fragen der Rede- und Gesprächspädagogik; die Forschungen kommen aus unterschiedlichen Wissensgebieten: der Sprechwissenschaft, der Linguistik, der Psychologie, der Pädagogik, der Soziologie u.a.
== Geschichte der Rhetorik ==
Die Geschichte der Rhetorik beginnt in der [[Antike]]. Im antiken [[Griechenland]] und [[Rom]] gab es ausgefeilte ''Rhetoriken'', die die Schritte von der gedanklichen Verarbeitung des Stoffes bis zum Vortrag regelten.
Zwar hat es die praktische Beredsamkeit schon immer gegeben (vgl. etwa [[Homer]]). Theorie und Lehre dieser Kunst entwickeln sich jedoch erst im [[5. Jahrhundert v. Chr.|5. Jahrhundert]] v. Chr aus der praktischen Notwendigkeit heraus. Streitigkeiten beispielsweise um offene Grundstücksfragen nach Tyrannenvertreibungen oder um unterschiedliche politische Positionen, die für die Allgemeinheit relevant waren, führten dazu, sich gedanklich tiefer mit der Kunst der öffentlichen Rede zu beschäftigen. Wer zu seinem Recht kommen wollte, musste sein Anliegen vor Gericht persönlich vortragen. Da die breiten Schichten der Bevölkerung längst nicht ausreichend gebildet waren, suchten sie sich Redelehrer – wie [[Korax]] oder dessen Schüler [[Gorgias]] – die ihnen beim Ausarbeiten der Reden halfen.
Wie [[Aristoteles]] anmerkt, befaßte sich [[Korax]] wohl als erster mit der überzeugenden Rede und dem Wahrscheinlichkeitsschluß. Wesentliche Elemente der Rhetorik wie [[Beweismittel]], [[Indiz]]ien und Schlussfolgerung, Überredung und der richtige Zeitpunkt eines bestimmten Argumentes tauchen hier bereits auf, wenn auch noch nicht systematisiert.
Auch in [[Platon]]s Dialogen ([[Gorgias (Platon)|Gorgias]]) werden Auseinandersetzungen über die Redekunst geführt. Die zentrale Unterscheidung ist dabei die zwischen [[Philosoph]]en und [[Sophist]]en. Der Unterschied ist ethisch: Dem Sophisten geht es nur um die ''Überredungskraft'' der Rede, selbst wenn das Gegenüber von etwas Falschem oder Widersprüchlichem überzeugt werden soll. Diese Position ist zwar erfolgreich, aber ethisch fragwürdig; dem wahren Philosophen kann es nur darum gehen, durch die Rede zur [[Wahrheit]] hinzuführen. [[Sokrates]] wird dabei die ''[[Mäeutik]]'' (im metaphorischen Sinne) zugeschrieben, die "Hebammenkunst" des geschickten Fragens und Ausdeutens von [[Paradox]]en, durch die ein Gegenüber "von selbst" zur Wahrheit findet. Es ist jedoch heute umstritten, ob nicht die gesamten platonischen Dialoge eine Sophistik ganz eigener Art vorführen.
Aristoteles entwickelte als erster eine systematische Darstellung der Redekunst (siehe [[Rhetorik (Aristoteles)]]). Er versteht diese als das „Vermögen, für jeden einzelnen Gegenstand und Fall das zu erkennen, was in ihm an Überzeugendem (oder Glaubwürdigem) liegt“. Rhetorik ist die ''Kunst zu überzeugen'' und damit wie bei Platon unterschieden von der [[Sophist|sophistischen]] ''Überredung''. Die Rhetorik muss sich zwar nicht immer im Bereich der Wahrheit bewegen, meistens genügt auch die ''Wahrscheinlichkeit'' und ''Glaubwürdigkeit''. Sie darf jedoch nicht zur ''Überredung'' und Verführung des Publikums gebraucht werden. Aristoteles unterscheidet auch zwischen verschiedenen Anlässen der Rede und den entsprechenden Stilebenen und Argumentationsweisen, die in jedem Falle gebraucht werden können.
Die systematische Rhetorik wurde zu einer langlebigen [[Textsorte]]. Die römischen Intellektuellen [[Cicero]] und [[Quintilian]] übersetzten und ergänzten die aristotelische "Rhetorik" und publizierten eigene Lehrbücher. Im Mittelalter wurden diese Quellen zur Grundlage des [[Trivium]]s ([[Grammatik]], [[Dialektik]], Rhetorik), das an den [[Universität]]en Europas das Grundstudium und die Grundlage jeder intellektuellen Tätigkeit bildete.
Für die gesamte [[Frühe Neuzeit]] (16.-18. Jahrhundert) ist die Rhetorik die unbestrittene Grundlage der Literatur und ihrer Theorie, der [[Poetik]]. Dichter wie [[Martin Opitz]] oder [[Georg Philipp Harsdörffer]] verfassten deutschsprachige Poetiken, deren Struktur und Inhalt sich am Vorbild der Rhetoriken orientierte. Das Gedicht galt als Rede im Sinne der [[Lobrede]], und vom Poeten wurde Gelehrsamkeit und rhetorische Schulung verlangt. Vorbild für diesen Prozess der Vernakularisierung war die lateinische Gelehrtenkultur der Frühen Neuzeit.
Gegen Ende des [[18. Jahrhundert]]s wurde mit dem Aufkommen der [[Genie|Genieästhetik]] unter deutschen Intellektuellen die Rhetorik abgewertet. Reden sollten nunmehr überzeugend wirken, weil sie aus dem Inneren der [[Seele]] oder des [[Herz]]ens flossen, und nicht mehr, weil eine bestimmte Technik möglichst geschickt angewandt wurde. Diese Abwertung führte dazu, dass im Laufe des 19. Jahrhunderts die Rhetorik als Lehrfach zunehmend verschwand. [[Johann Wolfgang von Goethe|Goethe]] selbst, der einer der größten Gegner der rhetorischen Kunstlehre war, hatte dabei selbst eine rhetorische Ausbildung genossen.
In [[Frankreich]] dagegen, wo seit dem Mittelalter der Einfluß der antiken Rhetoriker am meisten spürbar war (im geistlichen Bereich u.a. [[Jacques Benigne Bossuet|Bossuet]] und [[Louis Bourdaloue]]), wurde durch die [[Französische Revolution]] ein weiterer Aufschwung in der öffentlichen Beredsamkeit ausgelöst. In England förderte das [[Parlament]] die Ausbildung von Rhetorikern, wie [[William Pitt der Jüngere|William Pitt]], [[Edmund Burke]], [[William Ewart Gladstone]], [[Charles James Fox]] und [[Thomas Babington Macaulay]].
Während des [[20. Jahrhundert]] wurde der Begriff "Rhetorik" lange Zeit fast nur im Zusammenhang mit [[Demagogie]] gebraucht. Nur an wenigen Universitäten (z. B. der [[Eberhard-Karls-Universität Tübingen]]) wird sie noch als eigenes Fach gelehrt. Die Sprechwissenschaft und [[Sprecherziehung]] hingegen beschäftigt sich lehrend und forschend überwiegend mit der angewandten rhetorischen Kommunikation. In der modernen Linguistik werden rhetorische Fragen z. B. im Rahmen der Gesprächsanalyse behandelt. Inzwischen wurde die rhetorische Tradition auch in der [[Literaturwissenschaft]] wieder rehabilitiert. Als ''Gebrauchsrhetorik'' (''Rhetorik für Manager'' u. a.) hat sie auch wieder ihren Platz in den Bücherregalen, wenn auch meistens auf den unmittelbaren und manchmal zweifelhaften Gebrauchswert reduziert.
== Begriff der Rhetorik ==
Dass der Gebrauch des Begriffes "Rhetorik" heute in so unterschiedlichen Kontexten und
Bedeutungen erfolgt, hat mit ihren zwei wesentlichen Dimensionen zu tun: Einerseits ist sie
Praxis, andererseits ist sie Theorie. Rhetorik war immer Kunstlehre und Kunstübung zugleich.
Bis ins 17. Jahrhundert erfolgte eine Differenzierung zum einen in die 'rhetorica' oder
'rhetorica docens' als Bezeichnung für die Theorie ('Redekunst'), zum anderen in die
'oratoria', 'eloquentia' oder 'rhetorica utens' für die Praxis ('Beredsamkeit'). Heute
bemüht sich die Wissenschaft um eine terminologische Unterscheidung in 'Allgemeine Rhetorik'
(für die Theorie) und 'Angewandte Rhetorik' (für die Praxis). Rhetorik-Trainer und
Ratgeber-Autoren ignorieren dies allerdings weitgehend. Insofern ist das Verhältnis zwischen
Wissenschaft und Praxis hierzulande stark gekennzeichnet durch gegenseitige Arroganz und
Ignoranz.
Unter "Angewandte Rhetorik" kann man die Disziplin der praktischen Rede verstehen. Dabei
macht jemand bewusst oder unbewusst Gebrauch von den Regeln und Techniken, die im historisch
entstandenen System der "Allgemeinen Rhetorik" formuliert sind. Als konkrete Anleitung zur
verbalen wie schriftlichen Kommunikation umfasst sie Ausbildung und Übung des
wirkungsorientierten Sprechens, Verhaltens und Schreibens. Erkenntnisse der
Sprechwissenschaft und Sprecherziehung fließen dabei heute ebenso ein wie Erkenntnisse der
Psychologie und Linguistik (Sprachlehre). Die Angewandte Rhetorik bezieht sich vor allem auf die
Redepraxis in der Wirtschaft, in der Politik und vor Gericht; doch sind auch das
therapeutische Gespräch oder die private Kontroverse von ihr geprägt. Da sie sich nicht nur
auf den Monolog, sondern ebenso auf den Dialog bezieht, beschäftigt sie sich ebenso mit
[[Dialektik]] (im sokratischen Sinne) und wird gelegentlich auch als 'Gesprächsrhetorik'
(siehe [[Sprecherziehung]]) bezeichnet.
== System der Rhetorik ==
=== Produktionsstadien einer Rede ===
Von der Idee bis hin zum Vortrag sind fünf Schritte (''officia oratoris'' bzw. ''rhetorices partes'') zu durchlaufen:
# ''inventio'': Auffindung der Argumente. Wichtigstes Hilfsmittel ist dabei die [[Topik]].
# ''dispositio'': Gliederung des Vortrags
# ''elocutio'': Einkleidung der Gedanken in Worte (Redeschmuck, ''ornatus''); die sprachliche Gestaltung (Wahl der Worte, [[Rhetorische Figuren]], [[kommunikative Direktion]], Satzbau, Pausen)
# ''memoria'': Einprägen der Rede für den auswendigen Vortrag (Memoria); Auswendiglernen durch [[Mnemotechnik]], d.h. durch bildliche Vorstellungen
# ''pronuntiatio / actio'': Öffentlicher Vortrag, bei dem stimmliche, mimische und gestische Mittel eingesetzt werden. Die stimmliche Ausführung ([[Lautstärke]], [[Tempo (Musik)|Tempo]] und Pausensetzung, [[Artikulation (Linguistik)|Artikulation]], [[Timbre]], [[Prosodie]]); [[Mimik]], [[Gestik]] und Haltung (Blick- bzw. Augenkontakt, [[Physiognomie]], persönliche Präsenz, Körpersprache)
In der klassischen Rhetorik gilt für die Entwicklung einer Rede die Differenz zwischen Gegenständen und Gedanken einerseits und ihrer sprachlichen Formulierung andererseits.
=== Redegattungen ===
Seit [[Aristoteles]] unterscheidet man in der Rhetorik fünf Gattungen:
# Gerichtsrede (genus iudiciale)
# Beratungsrede; politische Entscheidungsrede (genus deliberativum)
# Lob- und Festrede (genus demonstrativum)
# Sachrede
# Predigt
Während in der Gerichtsrede über Vergangenes geurteilt wird (z.B. Hat der Angeklagte Herrn xy ermordet?), geht es in der politischen Entscheidungsrede um ein in der Zukunft liegendes Thema (z.B. Soll Krieg geführt werden oder nicht?). In beiden Fällen aber geht es um eine aktive Entscheidung, die durch die Rede beeinflusst werden soll. Im Falle der Lob- und Festrede dagegen bleibt das Publikum in einer passiven Rolle. In der Sachrede werden dem Zuhörer feststehende Tatsachen nahegebracht. Die Predigt ist dazu da, dem Publikum aus der Bibel (vor allem dem Evangelium) zu erzählen und diese(s) zu erklären und verständlich zu machen.
=== Redeteile ===
Die einzelnen gedanklichen Abschnitte einer Rede werden bezeichnet als ''partes orationis'' (Teile einer Rede).
# Einleitung (exordium) - Der Redner versucht, das Wohlwollen des Publikums zu erlangen und seine Aufmerksamkeit sicherzustellen.
# Erzählung (narratio) - Darauf folgt eine Schilderung des Sachverhaltes, um den es geht; bei der Gerichtsrede wird hier der Fall erzählt.
# Beweisführung (argumentatio) - Der eigentlich argumentierende Teil der Rede, in dem der Redner für die Glaubwürdigkeit seiner Sache argumentiert. Kann auch die Widerlegung der gegnerischen Argumente umfassen.
# Redeschluss (peroratio) - Schluss: Hier kann z.B. noch einmal an die Emotionen des Publikums appelliert werden.
=== Wirkungsweisen einer Rede ===
''Officia oratoris'' heißen die Wirkungsweisen der Rede:
* ''docere et probare'' (belehren, argumentieren) (genus humile) d.h. schlichter Stil
* ''conciliare et delectare'' (gewinnen, erfreuen) (genus medium) d.h. mittlerer Stil
* ''flectere et movere'' (rühren, bewegen) (genus grande) d.h. hoher Stil
=== Monolog und Dialog ===
Für den freien Vortrag ([[Monolog]]) nutzt der Redner verschiedene [[Rhetorische Figur|rhetorische Figuren]], [[Hypothese|Thesen]], [[Prämisse]]n und [[Argument]]e. Das Argument steigert hier die Prämisse oder These durch eine gezielte [[Konklusion]], mit der der Redner sein Gegenüber zu überzeugen sucht. Durch die Anordnung dieser Elemente in der freien Rede (Steigerung, Reihung, Dialektik etc) erzeugt der Sprecher Aufmerksamkeit und Spannung beim Publikum.
Im [[Dialog]] eines Gespräches gewinnt die Interaktion besondere Bedeutung. Weit mehr als beim Vortrag, der durchaus auch gewisse Interaktionen bilden kann, hat der Redner nun auf die verbalen und nonverbalen Reaktionen seines Gegenüber zu reagieren. Hierbei spielen gerade die [[Körpersprache|körpersprachlichen]] Signale als Gradmesser der emotionalen Verfassung eines Gesprächspartners eine besonders große Rolle, die mitunter ja widersprüchlich sein kann. Sind nonverbale und verbale Aussage unstimming, spricht man von [[Kongruenz|Inkongruenz]]. Die Anordnung der rhetorischen Elemente im Dialog hängt so vor allem von der Wirkung ab, die er erzielt.
== Hermeneutik ==
Die Rhetorik ist auch literaturwissenschaftliche Hilfslehre für die zentrale Aufgabe der [[Hermeneutik]]. Hier fragt sie nach den Strategien der Darstellung, der Leserführung und der internen Wirkungsabsicht von Texten. Mit dem ''textkritischen Wissen'' der Rhetorik können schriftliche Quellen auf ihre Überzeugungsstrategien hin analysiert werden.
== Ethik und Rhetorik ==
[[bild:Cicero.PNG|thumb|Cicero]]
Gedanken zur [[Ethik]] sind seit jeher Bestandteil der Rhetorik. Wann handelt es sich bei einer Rede (noch) um ein legitimes Beeinflussen von Einstellungen? Wo beginnt [[Manipulation]]? Heiligt der Zweck alle Mittel? Ein Konflikt um diese Fragen entwickelte sich in der Antike bereits zwischen Sophisten (etwa [[Gorgias]], [[Isokrates]]) und Philosophen (etwa [[Sokrates]], [[Platon]]). Damit eng verbunden war die Frage nach einer "letzten" [[Wahrheit]], die hätte Klarheit schaffen können, wie und wovon man überzeugen darf.
Viele antike Autoren entwickelten Vorstellungen davon, welche Mittel der Rhetorik ethisch legitim sind und so die Akzeptabilität der Rede erhöhen. Bei Aristoteles etwa heißt es: "Dadurch, wie der Redner erscheint, gewinnen wir Vertrauen, und das ist dann der Fall, wenn er als rechtschaffener oder freundlich gesinnter Mensch oder als beides erscheint" (rhet. 1366a). Ethik im Sinne der charakterlichen Prägung des Redners zählt für ihn - neben Leidenschaftserregung und Argumentation - zu den drei Überzeugungsmitteln. Vor ihm war es bereits Isokrates (370 v. Chr.), der in seiner Rede "Nikokles" etwa die [[Goldene Regel]] als Empfehlung für den Redner formulierte.
Im antiken Rom sind es insbesondere [[Cicero]], [[Quintilian]] und [[Seneca]], die ein Idealbild des Redners als "orator Perfectus" ([[Cicero]]) oder "vir bonus" ([[Quintilian]]) entwerfen und somit Beredsamkeit, Weisheit und tugendhaftes Leben miteinander verknüpfen.
Im Mittelalter zeigt sich die Ethik als Form angewandter Rhetorik etwa darin, dass [[Thomas von Aquin]] strenge Regeln für einen "Scholastischen Disput" formulierte. Diese Streitgespräche erzwangen das Zuhören (als eine Form der Wertschätzung). Denn bevor jemand seinen eigenen Standpunkt in diesen Übungsreden darstellen durfte, musste er vorher den gegnerischen Redebeitrag sinngemäß richtig mit eigenen Worten wiedergeben ([[Paraphrasierung]]). Andernfalls wurde er disqualifiziert.
Wenn in Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zahllose Vorbehalte gegenüber der Rhetorik bestanden, so ist dies auch auf ihre einseitige Instrumentalisierung durch den [[Nationalsozialismus]] zurückzuführen. Das [[Drittes Reich|Dritte Reich]] selbst und seine Gräueltaten können auch als eine (!) Konsequenz einer Rhetorik ohne einwandfreies ethisches Fundament angesehen werden (siehe [[Joseph Goebbels]]). Es gibt nach verbreiteter Ansicht keine "böse Sprache" - nur "böse Sprecher".
Kritiker würden in dieser Argumentation allerdings einerseits selbst eine rhetorische Figur erkennen und andererseits auf das sprachwissenschaftliche Werk [[Victor Klemperer]]s verweisen, der die Sprache des Dritten Reiches, ihre [[Euphemismus|Euphemismen]] und Verschleierungen aus der Perspektive eines von Verfolgung bedrohten Juden erforschte. [[Schimpfwort]]e, [[Diffamierung]]en und [[Kampfbegriff]]e sind ebenso Teil der Sprache, können jedoch kaum als neutral angesehen werden.
Dass in der deutschen Sprache das Verb "überreden" als anrüchig empfunden und statt dessen von "überzeugen" als Ziel der Rhetorik gesprochen wird - eine Differenzierung übrigens, die weder Griechen noch Römer kannten -, mag auch als Beleg für die Relevanz einer ethisch orientierten Redekultur gewertet werden.
== Historische Reden ==
* [[Marcus Porcius Cato der Ältere|Cato der Ältere]] *234 v.Chr.
* [[Cicero]] *106 v. Chr.
* [[Gorgias]]: ''Lob der Helena'', *ca. 480 v.Chr.
* [[Sokrates]]: ''Verteidigungsrede'', 399 v. Chr., Athen
* [[Demosthenes]]: ''Kranzrede'', 330 v. Chr.
* [[Jesus von Nazaret]]: ''[[Bergpredigt]]'', um 29 n.Chr.
* [[Martin Luther]]: ''Verteidigungsrede'', 18. April 1521, Worms
* [[Elisabeth I. (England)|Elisabeth I.]]: ''[[Tilbury-Rede]]'', 9. August 1588, Tilbury
* [[Seattle (Häuptling)|Häuptling Seattle]]: ''Meine Worte sind wie die Sterne'', Januar 1854
* [[Abraham Lincoln]]: ''[[Gettysburg Address]]'', 19. November 1863, Gettysburg (Pennsylvania)
* [[Mohandas Karamchand Gandhi]]: ''Über die Gewaltlosigkeit'', 1922
* [[Adolf Hitler]]: ''Rede nach der [[Machtergreifung]]'', 10. Februar 1933, Berlin
* [[Winston Churchill]]: ''Blut, Schweiß und Tränen'', 19. Mai 1940, London
* [[Joseph Goebbels]]: ''[[Sportpalastrede]]'', 18. Februar 1943, Berlin
* [[Thomas Mann]]: ''Deutschland und die Deutschen'', 6. Juni 1945, Washington D.C.
* [[John F. Kennedy]]: ''[[Ich bin ein Berliner]]'', 26. Juni 1963, Berlin
* [[Martin Luther King]]: ''I have a dream'', 28. August 1963, Washington D.C.
* [[Richard von Weizsäcker]]: ''Die doppelte Befreiung'', 8. Mai 1985, Bonn
== Zitate ==
*''„Rhetorik ist der Ausgang des Menschen aus gesellschaftlicher Sprachlosigkeit“'' ([[Joachim Knape]])
*''„Eine gute Rede hat einen guten Anfang und ein gutes Ende – und beide sollten möglichst dicht beieinander liegen.“'' ([[Mark Twain]])
*''„Die Redekunst ist die allerumfassendste Kunst.“'' ([[Aurelius Augustinus]])
*''„Daher ist es erforderlich, Kunstfertigkeit anzuwenden, ohne dass man es merkt, und die Rede nicht als verfertigt, sondern als natürlich erscheinen zu lassen – dies nämlich macht sie glaubwürdig.“'' ([[Aristoteles]])
*''„Beherrsche die Sache, dann folgen auch die Worte - rem tene, verba sequentur.„'' ([[Marcus Porcius Cato der Ältere|Cato der Ältere]], 234–149 v. Chr.)
==Siehe auch==
* [[Argumentation]]
* [[Debatte]], [[Debating]], [[Debattierclub]]
* [[Demagogie]]
* [[Dialektik]]
* [[Diskurs]]
* [[Disput]]
* [[Hochwertwort]]
* [[Homiletik]], [[Predigt]]
* [[Progymnasmata]]
* [[Rede]], [[Referat (Vortrag)]]
* [[Redeclub]]
* [[Rhetor]]
* [[Rhetorische Figuren]]
* [[Stilistik]]
==Quellentexte zur Geschichte der Rhetorik==
'''Klassische Texte:'''
* [[Platon]]: ''[[Gorgias (Platon)|Gorgias]]''.
* [[Aristoteles]]: ''[[Drei Bücher der Rhetorik]]''.
* ''[[Rhetorica ad Herennium]]''.
* [[Cicero]]: ''De inventione - Über das Finden des Stoffes''.
* [[Cicero]]: ''Brutus''.
* [[Cicero]]: ''De oratore - Über den Redner''.
* [[Quintilian]]: ''Institutio oratoria - Ausbildung des Redners''.
* [[Tacitus]]: ''Gespräch über die Redner''.
'''Humanistische Texte:'''
* [[Johannes Susenbrot]]: ''Epitome troporum''
==Literatur zu Geschichte und Theorie der Rhetorik==
'''Geschichte der Rhetorik'''
* [[Michael Cahn]]: ''Kunst der Überlistung'', München 1986.
* Urs Meyer: ''Politische Rhetorik'', Paderborn 2001.
* Marc Fumaroli (Hg.): Histoire de la rhétorique dans l'Europe moderne, Paris 1999.
'''Theorie der Rhetorik:'''
* [[Karl-Heinz Göttert]]: ''Einführung in die Rhetorik'', München 1998.
* [[Joachim Knape]]: ''Was ist Rhetorik?'', Stuttgart 2000.
* [[Heinrich Lausberg]]: ''Handbuch der literarischen Rhetorik. Eine Grundlegung der Literaturwissenschaft'', 3. Aufl., Stuttgart 1990.
* [[Peter Oesterreich]]: ''Fundamentalrhetorik'', Hamburg 1990.
* Ottmers, Clemens: ''Rhetorik'', Stuttgart u. Weimar 1996.
* Chaim Perelman: ''Das Reich des Rhetorik'', München 1980.
* Plett, Heinrich F.: ''Einführung in die rhetorische Textanalyse'', 9. aktualis. u. erw. Aufl., Hamburg 1991.
* [[Gert Ueding]] / Bernd Steinbrink: ''Grundriß der Rhetorik'', 4. Aufl. Stuttgart u. Weimar 2005.
* [[Gert Ueding]] (Hg.): ''Historisches Wörterbuch der Rhetorik'', Band 1ff., Tübingen 1992ff.
* [[Gert Ueding]] (Hg.): ''Rhetorik. Begriff - Geschichte - Internationalität'', Tübingen 2005.
'''Praxis der Rhetorik:'''
* Bremerich-Vos, Albert: ''Populäre rhetorische Ratgeber'', Tübingen 1991.
* Soudry, Rouven (hrsg.): ''Rhetorik - eine interdisziplinäre Einführung'', Heidelberg 2006
''Ratgeberliteratur:''
* Bredemeier, Karsten: ''Provokative Rhetorik? Schlagfertigkeit!'', Zürich u. Köln 2000.
* Herrmann, Paul: ''Reden wie ein Profi'', München 1991.
* Kessels, Jos: ''Die Macht der Argumente'', Weinheim u. Basel 2001.
* Kirchner, Alexander/ Kirchner, Baldur: ''Rhetorik und Glaubwürdigkeit'', Wiesbaden 1999.
* Mühlbauer Winni, Fenner Joachim: ''NLP-Rhetorik'', 2. Aufl. München 2002
* [[Matthias Pöhm]] ''Vergessen Sie alles über Rhetorik'', Frankfurt 2002
* [[Rupert Lay]]: ''Führen durch das Wort'', Frankfurt 2001.
* [[Samy Molcho]]: ''Alles über Körpersprache'', München 1995.
* Thiele, Albert: ''Überzeugend Argumentieren'', Wiesbaden 1999.
* Ulonska, Ulrich: ''Rhetorik'', Stuttgart 2003.
* Wachtel, Stefan: ''Rhetorik und Public Relations'', München 2003.
* Wolfhagen, Thies O.: ''Relevanz von Rhetorik in verschiedenen Praxisfeldern (Personalführung, Jugend- & Erwachsenenbildung)'', Eckernförde 2005.
== Weblinks ==
* [http://www.zeit.de/reden/index Reden-Archiv der Zeitung "Die Zeit"]
* [http://www.mpe.mpg.de/~amueller/rhetorik.html Liste der klassischen rhetorischen Figuren]
* [http://www.rhetorik-homepage.de/ Grundzüge der klassischen Rhetorik]
* [http://rhetoric.byu.edu/ Silva Rhetoricae: Wörterbuch klassischer rhetorischer Figuren] (englisch)
* [http://www.uni-tuebingen.de/uni/nas/definition/rhetorik.htm Was ist Rhetorik? Einführung in die Theorie und Geschichte der Rhetorik von Gert Ueding]
* [http://www.rhetorik-netz.de/rhetorik/index.html Tipps für freies Reden und Handbuch der Rhetorik von Holger Münzer]
* [http://www.rhetorik.ch/ Umfangreiche Sammlung von Tipps für freies Reden von Marcus Knill]
* [http://www.checkliste.de/selbstmanagement/rhetorik/index.htm Online-Checklisten zu Rhetorik-Themen]
* [http://www.rheton.sbg.ac.at/?page=articles§ion=02.05&article=kienpointner_rhetorik21jh Manfred Kienpointner, Rhetorik im 21. Jahrhundert. Probleme, Positionen und Perspektiven] (RhetOn, 02/2005)
* [http://www.rheton.sbg.ac.at RhetOn - Online Zeitschrift für Rhetorik & Wissenstransfer]
* [[Open Directory Project]]: [http://dmoz.org/World/Deutsch/Wissen/Bildung/Weiterbildung/Rhetorik_und_Kommunikation/ Rhetorik und Kommunikation]
[[Kategorie:Sprache]]
[[Kategorie:Kommunikation]]
[[Kategorie:Rhetorik|!]]
[[bg: еторика]]
[[cs:Rétorika]]
[[da:Retorik]]
[[en:Rhetoric]]
[[eo:Retoriko]]
[[es:Retórica]]
[[fr:Rhétorique]]
[[he:רטוריקה]]
[[io:Retoriko]]
[[is:Mælskufræði]]
[[it:Retorica]]
[[ja:修辞技法]]
[[la:Ars rhetorica]]
[[lt:Retorika]]
[[nl:Retorica]]
[[nn:Retorikk]]
[[no:Retorikk]]
[[pl:Retoryka]]
[[pt:Retórica]]
[[sv:Retorik]]
[[zh:修辞学]]
Diese Version des Artikels stammt vom 29.05.2006.
Der Inhalt dieser Seite basiert auf dem Artikel
„Rhetorik“ aus der freien Enzyklop�die
Wikipedia und ist unter der
GNU-Lizenz f�r freie Dokumentation ver�ffentlicht. Auf der Wikipedia-Seite ist eine
Liste der Autoren einzusehen.