Ruhrgebiet
[[Landschaftsverband Westfalen-Lippe|Westfalen]] |- bgcolor="#FFFFFF" | [[Regierungsbezirk]]e: || [[Regierungsbezirk Arnsberg|Arnsberg]],
[[Regierungsbezirk Münster|Münster]],
[[Regierungsbezirk Düsseldorf|Düsseldorf]] |-bgcolor="#FFFFFF" | [[Körperschaft]]: || [[Regionalverband Ruhr]] |-bgcolor="#FFFFFF" | [[Fläche]]: || 4.435 [[Quadratkilometer|km²]] |- bgcolor="#FFFFFF" | [[Einwohner]]: || 5.317.565 ''(1. Oktober 2004)'' |-bgcolor="#FFFFFF" | [[Bevölkerungsdichte]]: || 1.199 Einwohner/km² |-bgcolor="#FFFFFF" | Höchster Punkt: || 420 m ü. [[Normalnull|NN]] ([[Breckerfeld]]) |- bgcolor="#FFFFFF" | Niedrigster Punkt: || 14 m ü. [[Normalnull|NN]] ([[Xanten]]) |- bgcolor="#FFFFFF" |- bgcolor="#FFFFFF" | Nord-Süd-Ausdehnung: || 67 km |- bgcolor="#FFFFFF" | West-Ost-Ausdehnung: || 116 km |- bgcolor="#FFFFFF" |- bgcolor="#FFFFFF" | valign="top" | [[Geografische Lage]]: || 51° 12' - 51° 49' n. Br.
6° 22' - 7° 59' ö. L. |- bgcolor="#FFFFFF" | [[Kfz-Kennzeichen]]: || BO, DO, DU, E, GE, HA,
HAM, HER, BOT, MH,
OB, EN, RE, UN, WES |- bgcolor="#FFFFFF" | Gliederung des Ruhrgebiets: || 11 [[kreisfreie Stadt|kreisfreie Städte]],
4 [[Landkreis|Kreise]] |- bgcolor="#FFFFFF" | [[Website]]: || [http://www.ruhrgebiet.de www.ruhrgebiet.de] |----- ! colspan="2" bgcolor="#e3e3e3" | Politik |- bgcolor="#FFFFFF" | [[Regionalverband Ruhr|RVR]]-Verbandsdirektor: || [[Heinz-Dieter Klink]] ([[Sozialdemokratische Partei Deutschlands|SPD]]) |- ! colspan="2" bgcolor="#e3e3e3" | Bevölkerung |- bgcolor="#FFFFFF" | [[Arbeitslosenquote]]: || 13,2 % ''(4. Januar 2005)'' |- bgcolor="#FFFFFF" |} Das '''Ruhrgebiet''' ist ein [[Ballungsraum]] in [[Deutschland]] mit etwa 5,3 Millionen Einwohnern, und mit etwa 4.435 [[Quadratkilometer|km²]] Fläche das größte städtische Ballungsgebiet der Erde. Es besteht mehrheitlich aus einer Reihe von zusammengewachsenen Großstädten. Die [[Oberzentrum|Oberzentren]] der Region entstanden bereits im Mittelalter und erreichten ihre heutige Ausdehnung und Struktur mit der [[Industrialisierung]] im 19. und 20. Jahrhundert. Im Allgemeinen versteht man das Gebiet des [[Regionalverband Ruhr|Regionalverbands Ruhr]] (RVR) als Ruhrgebiet. Zum RVR gehören die kreisfreien Städte [[Bochum]], [[Bottrop]], [[Dortmund]], [[Duisburg]], [[Essen]], [[Gelsenkirchen]], [[Hagen]], [[Hamm]], [[Herne]], [[Mülheim an der Ruhr]] und [[Oberhausen]] sowie die Kreise [[Kreis Recklinghausen|Recklinghausen]], [[Kreis Unna|Unna]], [[Kreis Wesel|Wesel]] und der [[Ennepe-Ruhr-Kreis]]. Die Daten im Folgenden beziehen sich daher auf dieses Verwaltungsgebiet. Da der Begriff „Ruhrgebiet“ jedoch keine offizielle Verwaltungsbezeichnung darstellt, sind die genauen Grenzen interpretationsabhängig. == Geografie == [[Bild:Ruhr area-map.png|right|310px|thumb|Karte der Siedlungsstruktur des Ruhrgebiets]] Das Ruhrgebiet wird ''grob'' durch die Flüsse [[Ruhr (Fluss)|Ruhr]] im Süden, [[Rhein]] im Westen und [[Lippe (Fluss)|Lippe]] im Norden begrenzt. Die östliche Ausdehnung des Ruhrgebiets reicht bis an die Linie [[Hagen]]-[[Hamm]]. Im Südosten grenzt es an das [[Sauerland]], im Südwesten an das [[Bergisches Land|Bergische Land]], im Westen reicht das Ruhrgebiet bis weit in die Region [[Niederrhein]] hinein und im Norden bis an das [[Münsterland]]. Die West-Ost-Ausdehnung von [[Sonsbeck]] bis [[Hamm]] beträgt 116 km, die Nord-Süd-Ausdehnung von [[Haltern am See]] bis [[Breckerfeld]] 67 km. Die Städtelandschaft liegt übergreifend in verschiedenen naturräumlichen Landschaftseinheiten. Im Norden und Osten hat das Ruhrgebiet Anteil an der [[Westfälische Bucht|Westfälischen Bucht]], im Süden am [[Rheinisches Schiefergebirge|Rheinischen Schiefergebirge]] und im Westen an der [[Niederrheinische Tiefebene|Niederrheinischen Tiefebene]]. Die Kernzone des Reviers wird von der [[Hellwegbörde]] und der [[Emscherland|Emscherniederung]] eingenommen. Den Angaben des [[Regionalverband Ruhr]] (RVR) zufolge sind 37,6 % der Fläche des Ruhrgebiets bebaut. 40,7 % der Fläche werden [[Landwirtschaft|landwirtschaftlich]] genutzt. Der Waldanteil beträgt 17,6 %. Die übrigen Anteile entfallen auf Wasserflächen und sonstige Flächen. Der für eine Industrieregion relativ hohe Anteil an Wald- und Landwirtschaftsflächen erklärt sich zunächst durch die, ebenfalls zum RVR gehörigen vier überwiegend ländlich geprägten [[Landkreis|Kreise]]. Außerdem besitzen vielfach auch die [[kreisfreie Stadt|kreisfreien Städte]] des Ruhrgebiets in ihren Außenbezirken ländlichen Charakter. Auf einer Karte betrachtet (vgl. [http://www.regionalverband-ruhr.de/daten/geodatenserver.shtml Geodatenserver RVR]) könnte man das Ruhrgebiet für eine einzige Großstadt halten, da es teilweise keine erkennbaren Grenzen zwischen den einzelnen Städten gibt. So ist das Ruhrgebiet als eine polyzentrische Städtelandschaft zu bezeichnen. Das Ruhrgebiet ist jedoch auf Grund seiner Geschichte gänzlich anders strukturiert als monozentrisch besiedelten Gebiete, wie beispielsweise [[Berlin]] oder [[Paris]], die durch rasches Zusammenwachsen kleinerer Orte und Städte mit einer [[Kernstadt]] entstanden sind. Die einzelnen Städte und Stadtteile des Ruhrgebiets sind jedoch während der [[Industrialisierung]] unabhängig voneinander gewachsen. Die Übergänge zwischen den Städten sind oft durch eine lockere Vorortbebauung und teilweise sogar durch landwirtschaftlich genutzte oder gänzlich unbebaute Gebiete geprägt. Teilweise sind die Stadtgrenzen in der Kernzone des Ruhrgebiets aber auch nur schwer zu erkennen, da die Grenze quer durch dichte Besiedlung verläuft. Das Ruhrgebiet und seine Entwicklung vom ursprünglichen [[Naturraum]] zum Standort der Montanindustrie und rasanten Besiedlung während der [[Industrialisierung]] ist ein häufig gewählter Forschungsgegenstand der [[Anthropogeographie]]. So wird beispielsweise die Siedlungsgeschichte des Ruhrgebiets in Bezug auf das klassische [[System der Zentralen Orte]] untersucht. Im Zuge der [[Rekultivierung]] von Industriebrachen entstehen neue Parklandschaften und [[Naherholungsgebiet]]e wie zum Beispiel der [[Landschaftspark Emscherbruch]] im nördlichen Ruhrgebiet. Entlang der teilweise [[Renaturierung|renaturierten]] [[Emscher]] bildet der [[Emscher Landschaftspark]], der die in den 1920er Jahren entstanden [[Revierpark]]s verbindet, Grüngürtel zwischen den Städten. == Geologie == [[Geologie|Geologisch]] wird das Ruhrgebiet regelmäßig über das Vorkommen von Kohle-führenden Schichten des [[Karbon_(Geologie)|Oberkarbon]] definiert, mehr oder weniger unabhängig von deren Tiefenlage. Die Kohle-[[Flöz]]e streifen entlang der Ruhr die Oberfläche und senken sich nach Norden ab. In Höhe der Lippe liegen die Flöze in einer Tiefe von 600 bis 800 m. Die Mächtigkeit der Schichten liegt durchschnittlich bei einem bis drei Metern. Die Geologie des Untergrundes war entscheidend für die Entwicklung des Kohlebergbaus im Ruhrgebiet. == Bezeichnung == Die geläufigsten Bezeichnungen sind heute ''Ruhrgebiet'' und ''Revier''. Seit einigen Jahren wird außerdem der Begriff [[Ruhrstadt]] benutzt. Die umgangssprachlichen Begriffe ''Kohlenpott'', ''Ruhrpott'' oder einfach ''Pott'' (von [[Pütt]] für Bergwerk, vgl. ''engl.'': pit) sind in der Bevölkerung weit verbreitete Eigenbezeichnungen der Kernregion des Ruhrgebietes. Sie werden vom RVR gerne für Marketingstrategien genutzt und sind dadurch auch überregional bekannt. Lange Zeit wurden verschiedene Namen für die Region benutzt: „Rheinisch-Westfälischer Industriebezirk“, „Rheinisch-Westfälisches Industriegebiet“, „Niederrheinisch-Westfälisches Industriegebiet“ oder „Ruhrrevier“ – während das Wort „Ruhrgebiet“ zunächst nur den Einzugsbereich des Flusses „Ruhr“ benannte. Als Name für die Industrieregion – wie im heutigen Sinn – bürgerte sich die Bezeichnung erst um 1930 ein. Die übrigen Bezeichnungen finden heute kaum noch Verwendung. == Identität == Die Bevölkerung des Ruhrgebiets wird, historisch bedingt und nach den Landesverbänden [[LVR]] und [[LWL]], zu den [[Rheinland|Rheinländern]] oder [[Westfalen]] gezählt. Diese historische Zugehörigkeit spielt im Alltag der meisten Menschen jedoch keine Rolle: Sie sehen sich als Ruhrgebietler. In den Randzonen des RVR, also vor allem in den äußeren Bereichen der Kreise [[Kreis Wesel|Wesel]], [[Kreis Recklinghausen|Recklinghausen]], [[Kreis Unna|Unna]] und dem [[Ennepe-Ruhr-Kreis]] fühlen sich Teile der Bevölkerung eher zum [[Niederrhein]], [[Münsterland]] oder [[Sauerland]] zugehörig, da eine Identifikation mit dem „Ruhrgebiet“ aufgrund der vorwiegend ländlichen Prägung beziehungsweise der historischen Zugehörigkeit zu anderen Gebieten nicht gegeben ist. Eine Besonderheit des Ruhrgebiets ist, dass sich die Menschen häufig mit ihrem Stadtteil und der ganzen Region mehr identifizieren als mit der Stadt, in der sie leben. Im Rhein-Ruhr-Raum ist die Bindung zu Düsseldorf stärker als vergleichsweise zu Dortmund. == Metropolregion Rhein-Ruhr == Das Ruhrgebiet ist mit seinen 5,3 Millionen Einwohnern nach der [[Île-de-France]], [[Moskau]], [[Greater London]] und [[Istanbul]] das fünftgrößte [[Ballungsgebiet]] Europas und überwiegend Teil der [[Metropolregion]] [[Rhein-Ruhr]]. Diese ist bereits seit 1995 von der Ministerkonferenz für [[Raumordnung]], die in Deutschland über sogenannte ''Europäische Metropolregionen'' entscheidet, geschaffen worden. Damit ist das Ruhrgebiet auch Teil des von der [[Europäische Kommission|Europäischen Kommission]] im Jahr 1999 aufgestellten Europäischen Raumentwicklungskonzeptes (EUREK). == Verwaltung == [[Bild:Ruhr area-administration.png|right|310px|thumb|Karte der Verwaltungsstruktur des Ruhrgebiets]] Die übergeordnete Verwaltungsebene des Ruhrgebiets ist der [[Regionalverband Ruhr]] (RVR) mit Sitz in Essen. Zu diesem Verband gehören die [[kreisfreie Stadt|kreisfreien Städte]] [[Bochum]], [[Bottrop]], [[Dortmund]], [[Duisburg]], [[Essen]], [[Gelsenkirchen]], [[Hagen]], [[Hamm]], [[Herne]], [[Mülheim an der Ruhr]] und [[Oberhausen]] sowie der [[Ennepe-Ruhr-Kreis]] und die [[Landkreis|Kreise]] [[Kreis Unna|Unna]], [[Kreis Recklinghausen|Recklinghausen]] und [[Kreis Wesel|Wesel]]. Das Verbandsgebiet verteilt sich über die [[Landschaftsverband|Landschaftsverbände]] [[Landschaftsverband Rheinland|Rheinland]] (4 kreisfreie Städte, 1 Kreis) und [[Landschaftsverband Westfalen-Lippe|Westfalen-Lippe]] (7 kreisfreie Städte, 3 Kreise) sowie über [[Regierungsbezirk]]e [[Regierungsbezirk Arnsberg|Arnsberg]], [[Regierungsbezirk Düsseldorf|Düsseldorf]] und [[Regierungsbezirk Münster|Münster]], deren Verwaltungsstädte jedoch alle außerhalb des Ruhrgebiets liegen. Die verwaltungsrechtliche Teilung des Ruhrgebiets ist geschichtlich begründet. So führte bereits die Grenze zwischen [[Franken (Volk)|Franken]] ([[Niederfranken]]) und [[Sachsen]] ([[Westfalen]]) mitten durch das heutige Ruhrgebiet. Das heutige Ruhrgebiet gehörte zu den folgenden Herrschaftsbereichen: [[Vest Recklinghausen]], [[Fürstbistum Münster]], [[Grafschaft Limburg]], [[Grafschaft Mark]], [[Herzogtum Berg]], [[Herzogtum Kleve]], Reichsstadt Dortmund, [[Reichsstift Essen]] und [[Kloster Werden|Reichsabtei Werden]] und zur Herrschaft [[Styrum]]. An diesen Grenzen orientieren sich die Gebiete der noch aus [[Preußen|preußischer]] Zeit übernommenen Regierungsbezirke. Vom [[Deutsches Kaiserreich|Deutschen Kaiserreich]] bis ins [[Drittes Reich|Dritte Reich]] war es offen erklärte Politik, das Ruhrgebiet geteilt zu halten um es politisch nicht zu stark werden zu lassen. Kaiser [[Wilhelm II. (Deutsches Reich)|Wilhelm II.]] wollte durch die politische Zersplitterung die Bildung einer überregional bedeutenden Metropole verhindern. Neben der politischen Einheit verweigerte er aus diesem Grund auch die Ansiedlung von Universitäten und Kasernen in diesem Siedlungsraum. Nach den Plänen der Landesregierung soll diese alte Struktur in einer Verwaltungsreform bis 2012 aufgehoben werden. Die Bezirksregierungen sollen durch neue Regionalpräsidien, von denen eines das Ruhrgebiet umfassen soll, ersetzt werden. Seit Jahren gibt es die Überlegung, einen ''Regierungsbezirk Ruhr'' zu bilden oder sogar alle Städte und Kreise des Ruhrgebietes zu einer Millionenmetropole ''[[Ruhrstadt]]'' zusammen zu schließen. == Geschichte == ''Hauptartikel:'' [[Geschichte des Ruhrgebiets]] === Industrialisierung === [[Bild:Rheinisch Westfaelisches Kohlengebiet 1896.jpg|thumb|right|Rheinisch-Westfälisches Kohlengebiet 1896]] Die Region, die heute als Ruhrgebiet bezeichnet wird, war Ende des 18. Jahrhunderts landschaftlich vergleichbar mit dem Münsterland und dem Niederrhein – einzelne Städtchen und kleine Dörfer, die vor allem durch die Landwirtschaft geprägt waren. Anfang des 19. Jahrhunderts waren [[Duisburg]] und [[Dortmund]] die größten Städte mit mehr als 5.000 Einwohnern. Zur selben Zeit lebten in der [[Munizipalität]] Mülheim an der Ruhr im Süden der Region bereits mehr als 11.000 Menschen. [[Gelsenkirchen]] und [[Herne]] im nördlich gelegenen Emscherland dagegen hatten zu dieser Zeit lediglich einige hundert Einwohner. Frühe Kerne der [[Industrialisierung]] bildeten einzelne [[Eisenhütte]]n ([[St.-Antony-Hütte]] ab 1758 in [[Osterfeld_(Oberhausen)|Oberhausen-Osterfeld]]; [[Gutehoffnungshütte]] ab 1782 in [[Sterkrade|Oberhausen-Sterkrade]] und [[Eisenhütte Neu-Essen]] ab 1791 in Oberhausen-Lirich). Hier entstanden wichtige frühe Technologien der Eisenerzeugung und Maschinen, die den wirtschaftlichen Abbau der Kohle förderten. [[Bild:Zeche-zollern-2004.jpg|thumb|right|[[Zeche Zollern]]]] Kohle wurde zwar schon im 13. Jahrhundert abgebaut – ein Ausgangspunkt des Ruhrbergbaus war das [[Muttental]] bei [[Witten]] – jedoch kann man dabei nicht von [[Bergbau]], sondern eher von Kohlengräberei sprechen. Mit dem wirtschaftlichen Abbau der Kohle ab Anfang des 19. Jahrhunderts entlang der [[Ruhr (Fluss)|Ruhr]] gewann die [[Industrialisierung]] für das Ruhrgebiet an Fahrt. Innerhalb weniger Jahre entstanden über 220 [[Bergbau|Zechen]], bis 1850 waren es fast 300. Aus der Kohle wurde vor allem in [[Kokerei]]en [[Koks (Chemie)|Koks]] gewonnen, welches in den [[Hochofen|Hochöfen]] der angesiedelten [[Eisenhütte|Eisen- und Stahlhütten]] zur Roheisen- und Stahlerzeugung benötigt wurde. Noch bevor die Kohlevorkommen entlang der Ruhr erschöpft waren, entstanden weiter nördlich neue Zechen. Der Ruhrbergbau wanderte, den Flözen in die Tiefe folgend, von Süden nach Norden, von der Ruhr an die [[Emscher]] und schließlich zur [[Lippe_(Fluss)|Lippe]]. Laut Veröffentlichungen von Prof. Dr. Roland Günter hat es insgesamt etwa 3.200 einzelne Zechen im Ruhrrevier gegeben. Die Erschließung des Ruhrgebiets als Lieferanten für Kohle und Stahl für die aufstrebende Industrie förderte die Gründung vieler Eisenbahngesellschaften. Siehe hierzu: [[Liste der ersten Eisenbahnen in Nordrhein-Westfalen bis 1930]] Aufgrund der wirtschaftlichen [[Expansion]] wurden [[Arbeiter|Arbeitskräfte]] angeworben. Die Bevölkerungszahlen stiegen explosionsartig. Die alten Städte am [[Hellweg]] erwachten zu neuer Blüte. Vormalige Dörfer entlang der Emscher entwickelten sich zu [[Großstadt|Großstädten]]. Qualifizierte Facharbeiter der Bergwerke wurden vielfach in [[Arbeitersiedlung]]en, sogenannten [[Zechenkolonie]]n, untergebracht. Der ''Ruhrkohlenbezirk'' wuchs zum größten industriellen [[Ballungszentrum]] Europas an. === Strukturwandel === [[Bild:Bochum Opel.jpg|thumb|right|Opelwerk 1 in Bochum]] Seit Beginn der [[Kohlekrise]] im Jahr 1958 befindet das Ruhrgebiet sich in einer anhaltenden Phase des [[Strukturwandel (Wirtschaftgeografie)|Strukturwandels]], der von großen wirtschaftlichen Anpassungsschwierigkeiten gekennzeichnet ist. Auch gezielte staatliche Subventionen konnten den Strukturwandel im Ruhrgebiet nicht aufhalten. Die Industriezweige, auf die sich das Ruhrgebiet begründete, Steinkohleförderung und Stahlindustrie werden rar: Es gibt im Ruhrgebiet nur noch 6 fördernde Bergwerke ([[Bergwerk West|West]], [[Zeche Walsum|Walsum]], [[Bergwerk Prosper-Haniel|Prosper-Haniel]], [[Bergwerk Lippe|Lippe]], [[Bergwerk Auguste Victoria/Blumenthal|Auguste Victoria/Blumenthal]], [[Bergwerk Ost|Ost]]) und 3 Kokereien mit der [[Kokerei Prosper]] in Bottrop sowie in Duisburg die [[Kokerei Schwelgern]] und die Kokerei der [[Hüttenwerke Krupp Mannesmann]]. Bergbau findet heute vor allem in den Randzonen des Ruhrgebiets statt. Der Abbau hat in seiner Nordwanderung die [[Lippe_(Fluss)|Lippe]] erreicht. Auch links des Rheins wird noch Kohle gefördert. In der Ruhr- und Emscherzone der Region sind die Zechen inzwischen stillgelegt. Zwischen 1980 und 2002 gingen etwa die Hälfte der 1 Million Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe verloren während etwa 300.000 Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor geschaffen wurden. [[Image:Oberhausen Centro.JPG|thumb|right|[[Neue Mitte Oberhausen]]]] Während dessen sind jüngere Industrien wie der Fahrzeug- und Maschinenbau, die Elektrotechnik, Feinmechanik und die Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie nichtindustrielle Branchen wie der [[Dienstleistungssektor]] noch nicht ausreichend nachgewachsen. Insgesamt verzeichnete das Dienstleistungsgewerbe den größten Aufschwung. Seit Beginn der neunziger Jahre sind bereits über 50 Prozent der Beschäftigten des Ruhrgebiets in der Dienstleistung tätig. Das Ruhrgebiet und insbesondere Dortmund ist für seine Brauereien bekannt. Zu den bekanntesten Brauereien zählt [[Brau & Brunnen]], die [[Dortmunder Actien-Brauerei]], die [[Privatbrauerei Moritz Fiege]] und die [[König-Brauerei]]. Einige Großkonzerne setzten auch neue Schwerpunkte, vor allem im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik sowie der Umweltsicherung. Ein Unternehmen, welches diesen Weg ging, ist der einstige Stahlerzeuger und -verarbeiter [[Mannesmann]]. Er baute sich Anfang der 1990er Jahre mit [[Mannesmann Mobilfunk]] ein Mobilfunknetz (D2) auf. Ende der 1990er Jahre konzentrierte sich der Konzern auf dieses Geschäftsfeld. Um an die erfolgreiche, deutsche Mobilfunksparte zu gelangen, kaufte die englische [[Vodafone|Vodafone Gruppe]] den kompletten Mannesmann Konzern auf und verkaufte einzelne Bereiche des Stahlgeschäfts. Ein wichtiger Schritt vom Produktions- zum Forschungsstandort waren die Gründungen der Universitäten [[Ruhr-Universität Bochum|Bochum]], [[Universität Dortmund|Dortmund]], [[Universität Duisburg-Essen|Duisburg und Essen]]. Hilfreich für den Zuwachs im tertiären Sektor waren auch die Gründungen von Gesamthochschulen, Technologiezentren und Beratungseinrichtungen. Als Beispiel des Strukturwandels kann man den Bau der drei Automobilwerke des Autoherstellers [[Adam Opel AG|Opel]] [[1962]] in [[Bochum]] bezeichnen. Die Werke boten den ''unter Tage'' ausgebildeten [[Schlosser]]n, [[Elektronik|Elektrikern]] etc. einen Arbeitsplatz in einer anderen Branche. Allerdings hat mittlerweile auch die Automobilindustrie mit Strukturproblemen zu kämpfen und steht in der Gefahr, zu den „alten Industrien“ zu zählen. Auch die einst angesiedelte Elektroindustrie ist heute ein Problemfall. [[Blaupunkt]] in [[Herne]] hat bereits 1989 wieder geschlossen, [[Siemens AG|Siemens]] in [[Witten]] wurde 1999 verkauft, das Werk steht ebenfalls vor der Schließung. Auch bei [[Nokia (Unternehmen)|Nokia]] in Bochum kam es 2004 zu Stellenabbau. Ein Großprojekt des Strukturwandels ist die [[Neue Mitte Oberhausen]] mitsamt dem Einkaufszentrum [[CentrO]], welche auf dem Gelände der stillgelegten [[Gutehoffnungshütte]] Mitte der 1990er Jahre erbaut wurde. [[Bild:Zollverein Schacht 12.jpg|thumb|right|Weltkulturerbe [[Zeche Zollverein]]]] Die [[Internationale Bauausstellung Emscher Park]] (IBA) war von 1989 bis 1999 im Ruhrgebiet tätig und unterstützte den Strukturwandel. In ihrem Rahmen wurden etwa zweieinhalb Milliarden Euro in die Region investiert und Industriebrachen von stillgelegten Bergwerken, Kokereien und Stahlwerken als [[Industriedenkmal|Industriedenkmäler]] erhalten und neue Nutzungsmöglichkeiten entwickelt. So ist ehemalige Hütte Duisburg-Meiderich heute als [[Landschaftspark Duisburg-Nord]] bekannt, der stillgelegte [[Gasometer Oberhausen]] wurde zur Ausstellungshalle umfunktioniert. Weitere Beispiele für neue Nutzungen sind der [[Nordsternpark]] in Gelsenkirchen, der Bottroper [[Tetraeder (Haldenereignis)|Tetraeder]], die Essener [[Halde Schurenbach]], der Duisburger [[Innenhafen]], die [[Jahrhunderthalle (Bochum)|Jahrhunderthalle]] in Bochum und der [[Phoenix-See]] in Dortmund. Die [[Zeche und Kokerei Zollverein]] in Essen wurde 2001 von der [[United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization|UNESCO]] sogar zum [[Weltkulturerbe]] erklärt. Seit Mitte der 1990er Jahre wird die [[Emscher]], lange der kanalisierte Abwasserkanal des Ruhrgebiets, renaturiert. == Wirtschaft == [[Bild:RWE Turm Essen.jpg|thumb|[[RWE]]-Group-Center, Essen]] Mit dem oben beschriebenen Strukturwandel verlor das gewinnende und produzierende im Ruhrgebiet an Bedeutung, allerdings haben auch heute noch Montanunternehmen wie die [[RAG Aktiengesellschaft]], [[Degussa]] oder [[ThyssenKrupp]] ihren Sitz und größte Produktionsstandorte im Ruhrgebiet. Etwa 8,9 % der Beschäftigten sind im produzierenden Sektor tätig. Der Dienstleistungssektor ist mit den Konzernzentralen von Energie- und Wasserversorgern wie der [[RWE]] und [[E.ON Ruhrgas]] und Handelskonzernen wie der [[Aldi-Gruppe]], [[KarstadtQuelle]] oder der [[Unternehmensgruppe Tengelmann|Tengelmann-Unternehmensgruppe]] ebenfalls stark vertreten. Außerdem gibt es in den häufig als Fußgängerzonen ausgewiesenen Innenstädten und den Einkaufszentren [[Ruhr-Park]], [[Uni-Center (Bochum)|Uni-Center]], [[RheinRuhrZentrum]] und [[CentrO]] zahllose Einzelhändler. Auch zahlreiche Unternehmen der Logistikbranche haben ihren Sitz oder Standorte wegen der guten infrastrukturellen Anbindung im Ruhrgebiet. Nach wie vor gilt das Ruhrgebiet als eine strukturschwache Region. Die Gesamtarbeitslosenquote des Ruhrgebiets liegt bei etwa 15,5% und ist damit unter den regionalen Großräumen die höchste der westdeutschen Bundesländer. Auch die Arbeitslosenquoten einzelner Städte in der Kernzone des Ruhrgebiet gehören zu den höchsten der „alten“ Bundesländer: In Duisburg und Dortmund beträgt die Arbeitslosenquote etwa 18%, in Essen etwa 16,5% und in Bochum etwa 16%. In Gelsenkirchen sind über 19 % arbeitslos gemeldet. == Medien == Die größten regionalen Tageszeitungen sind die [[Westdeutsche Allgemeine Zeitung]] (WAZ), die [[Neue Ruhr Zeitung]] (NRZ) und die [[Ruhr Nachrichten]] (RN). Nach dem Ende der taz-ruhr 2005 ist die [[Bild (Zeitung)|Bild]] die einzige überregionale Tageszeitung mit einer Ruhrgebietsausgabe. Zudem gibt es im Ruhrgebiet eine Reihe von Stadt- und Szenemagazinen. Das heute als Prinz bundesweit erscheinende Stadtmagazin hatte seinen Ursprung unter dem Namen Guckloch 1978 in Herne. Neben dem Prinz, der noch immer mit einer Regionalredaktion in Duisburg in der Region vertreten ist, erscheinen die Gratistitel Coolibri, Heinz und Smag. Mit dem Wirtschaftsmagazin Ruhr gibt es auch ein regionales Wirtschaftsmagazin für das Ruhrgebiet. Mit der Wissenschaft im Revier beschäftigt sich zudem das Magazin Transfer. In Essen und Dortmund unterhält der [[Westdeutscher Rundfunk|Westdeutsche Rundfunk]] (WDR) Studios. In Essen werden die Regionalprogramme für das mittlere Ruhrgebiet produziert und ausgestrahlt. In Dortmund produziert der WDR die Sendung [[Planet Wissen]] und das Regionalprogramm für das östliche Ruhrgebiet - Außerdem wird von hier aus täglich die [[WDR2]]-Sendung [[Zwischen Rhein und Weser]] gesendet. In Duisburg ist ein Regionalkorrespondent des WDR tätig. Das [[Adolf Grimme Institut]] mit Sitz in [[Marl]] vergibt jährlich die renommierte Fernsehauszeichnung [[Adolf-Grimme-Preis]]. == Kultur == [[Bild:Musiktheater im Revier.jpg|thumb|[[Musiktheater im Revier]] in Gelsenkirchen]] Die „[[Route der Industriekultur]]“, die ähnlich den in Deutschland bekannten Wein- oder Burgenstraßen konzipiert ist, steuert die wichtigsten industriegeschichtlichen Stätten des Ruhrgebiets an und dient als Ausgangsbasis für die Vermarktung des Ruhrgebiets als Tourismusregion. Im Ruhrgebiet befinden sich zahlreiche Technik- und Industriemuseen wie das [[Deutsches Bergbaumuseum|Deutsche Bergbaumuseum]] in Bochum, das [[Museum der Deutschen Binnenschifffahrt]] in Duisburg, das [[Umspannwerk Recklinghausen]], die [[Deutsche Arbeitsschutzausstellung]] in Dortmund und die dezentralen Museen [[Westfälisches Industriemuseum]] und [[Rheinisches Industriemuseum]]. Außerdem gibt es auch im Ruhrgebiet mehrere Kunstmuseen wie das [[Museum Folkwang]] in Essen, das [[Lehmbruck-Museum]] in Duisburg, die Ludwig-Galerie im [[Schloss Oberhausen]] oder das [[Museum am Ostwall]] in Dortmund. Ähnlich vielfältig ist die Theaterlandschaft im Ruhrgebiet. Zu den bekanntesten Theatern gehört das [[Grillo-Theater]] in Essen und das [[Schauspielhaus Bochum]]. Auch das Musiktheater ist zahlreich im Ruhrgebiet vertreten, so das das [[Musiktheater im Revier]] in Gelsenkirchen, die [[Deutsche Oper am Rhein]] in Duisburg, das [[Aalto-Theater]] in Essen und das [[Theater Dortmund|Dortmunder Opernhaus]]. Die [[RuhrTriennale]], die [[Ruhrfestspiele]]n, die [[Extraschicht]] und ähnliche Großveranstaltungen zeugen von einer lebendigen Kulturszene im Ruhrgebiet. Aufgrund der hohen Dichte kultureller Einrichtungen bewirbt sich das Ruhrgebiet unter Führung der Stadt Essen als [[Kulturhauptstadt Europas]] 2010. Auch im Ruhrgebiet wird Karneval gefeiert. Umzüge finden in zahlreichen Städten statt, Altweiberfastnacht ist für viele der wesentliche "Feiertag". Im Archiv der Stadt [[Duisburg]] befindet sich die erste überhaupt in deutsch geschriebene Stadtrechnung aus dem Jahre [[1377]], aus der hervorgeht, dass die Ratsherren und die Bürgerschaft ausgiebig Fastabend ("Vastavent") feierten. In der zweiten Hälfte des [[19. Jahrhundert]]s werden in Duisburg die ersten [[Karnevalsgesellschaft]]en gegründet. Den ersten Anlauf zur Etablierung eines Rosenmontagszuges in Duisburg geht auf das Jahr [[1928]] zurück. Duisburg ist Sitz des Landesverbands Rechter Niederrhein im [[Bund Deutscher Karneval|Bund Deutscher Karneval e. V.]] == Bildung und Forschung == [[Bild:Uni-dortmund-mathetower.jpg|thumb|„Mathetower“ der [[Universität Dortmund|Uni Dortmund]]]] [[Bild:Wissenschaftspark_01.jpg|thumb|[[Wissenschaftspark Rheinelbe|Wissenschaftspark]], Gelsenkirchen]] Sechs Universitäten und neun Hochschulen mit etwa 180.000 eingeschriebenen Studenten (WS 2001/02) und zahlreichen Forschungsinstituten und Technologiezentren machen das Ruhrgebiet zu Europas dichtester Bildungs- und Forschungslandschaft. Hierbei sind die Ingenieur- und Naturwissenschaften besonders stark vertreten. Die erste Hochschule des Ruhrgebiets, die [[Ruhr-Universität Bochum]], wurde jedoch erst 1962 gegründet. Zu den bekanntesten Hochschulen zählen weiter die fusionierte [[Universität Duisburg-Essen]], die [[Universität Dortmund]], die private [[Universität Witten/Herdecke]], die [[FernUniversität in Hagen]] und die [[Folkwang Hochschule im Ruhrgebiet]] mit den Schwerpunkten Musik und Darstellende Künste. Eng verbunden mit den Hochschulen sind die Forschungsinstitute. Drei [[Max-Planck-Gesellschaft|Max-Planck-Institute]] (MPI) haben ihren Sitz im Ruhrgebiet: das [[Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie|MPI für molekulare Physiologie]] in Dortmund, das [[Max-Planck-Institut für Kohlenforschung|MPI für Kohlenforschung]] in Mülheim an der Ruhr und das [[Max-Planck-Institut für bioanorganische Chemie|MPI für bioanorganische Chemie]] ebenfalls in Mülheim. Vier [[Fraunhofer-Gesellschaft|Fraunhofer-Institute]] (FI) befinden sich im Ruhrgebiet: das UMSICHT genannte Oberhausener [[Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik|FI für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik]], das [[Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik|FI für Materialfluss und Logistik]] und das [[Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik|FI für Software- und Systemtechnik]] in Dortmund sowie das [[Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme|FI für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme]], Duisburg. Zu den bekannten Forschungsinstituten gehören auch Einrichtungen der Sozial- und Geisteswissenschaften wie das [[Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung]] (RWI), das [[Zentrum für Türkeistudien]] (ZfT) und das [[Kulturwissenschaftliches Institut]] (KWI), die alle ihren Sitz in Essen haben, das [[Institut Arbeit und Technik]] (IAT), Gelsenkirchen und das [[DMT-Forschungsinstitut für Montangeschichte]], Bochum. [[Technologiepark]]s und [[Gründerzentrum|Gründerzentren]] bilden das Bindeglied zwischen den Hochschulen und der Wirtschaft. Im [[TechnologieZentrum Dortmund]] (TZDO) siedelten sich beispielsweise seit 1988 mehr als 225 Firmen mit über 8500 Mitarbeitern an. Dabei haben Unternehmen der [[Mikrotechnik|Mikrotechnikbranche]] einen besonders hohen Anteil. Mit dem [[Wissenschaftspark Rheinelbe|Wissenschaftspark]] entstand in Gelsenkirchen ein auf [[Erneuerbare Energie|erneuerbare Energien]] spezialisiertes Gründerzentrum. Wissenstransfer zwischen mittelständischen Unternehmen die keine eigene Forschung betreiben und Hochschulen und Instituten bietet das Mülheimer [[Zentrum für Innovation und Technik]] (ZENIT) an. == Sprache == Historisch gehörte die Region an Rhein, Ruhr, Emscher und Lippe zum [[Niederfränkisch]]en-[[Niedersächsisch]]en Sprachgebiet. Doch ist die Zahl der Sprecher des Plattdeutschen inzwischen sehr gering. Heute wird im Ruhrgebiet vor allem Hochdeutsch gesprochen, mit leichtem westfälischen oder niederrheinischen Akzent. Die übliche vulgärwissenschaftliche Denkweise, Dialekte nur als geographische Varianten zu betrachten und die kollektive Wahrnehmung des Ruhrgebiets als eine industriell geprägte Einheit führte auch dazu, dass immer wieder versucht wird, die Sprache der dort lebenden Menschen einheitliches [[Ruhrdeutsch]] zu bezeichnen. Die Verhältnisse sind allerdings komplexer. Der alte Name der Ruhrgebiets, ''Rheinisch-Westfälisches Industriegebiet'' ist hierbei außerordentlich hilfreich. Heutzutage wird in Ruhrgebiet ein westfälisch geprägtes Hochdeutsch, das auch als Ruhrdeutsch bezeichnet wird und ein niederfränkisches geprägten [[Niederrheinisch]]es Hochdeutsch gesprochen. Diese Sprachvarietäten im Ruhrgebiet werden Heute als [[Regiolekt]] eingeordnet, zu dem das Ruhrdeutsch und Niederrheinisch nach Ansicht der meisten Sprachforscher gerechnet wird. == Sport == [[Bild:Arena auf schalke gelsenkirchen germany.JPG|thumb|Fußball in der [[Veltins-Arena]]]] Der [[Ruhrmarathon]] führt seit 2003 jährlich quer durch das mittlere und östliche Ruhrgebiet, rund um den [[Baldeneysee]] führt der [[Essen-Marathon]]. Das Radrennen [[Sparkassen Giro Bochum]] führt von der Bochumer Innenstadt nach [[Bochum-Stiepel]], das [[Sechstagerennen]] findet in den [[Westfalenhallen]] Dortmund statt. === Fußball === [[Bild:Suedtribuene.jpg|thumb|Fußballbegeisterung der [[Borussia Dortmund]]-Fans]] In keiner anderen Region Deutschlands wird der [[Fußball]]sport derart geliebt und gelebt wie im Ruhrgebiet. Die zwei bekanntesten Vereine sind [[Borussia Dortmund]] und [[Schalke 04]]. Das Aufeinandertreffen dieser beiden Vereine, das sogenannte [[Revierderby]], gilt als ein Höhepunkt der Saison. Des Weiteren spielt in der [[Bundesliga]] noch der [[MSV Duisburg]], sowie in der [[2. Bundesliga (Fußball)|2. Bundesliga]] der [[VfL Bochum]]. Weitere Traditionsvereine sind dabei [[Rot-Weiss Essen]], [[Rot-Weiss Oberhausen]], [[SG Wattenscheid 09]], [[Westfalia Herne]], [[SV Sodingen]], [[Sportfreunde Katernberg]], [[Hammer Spielvereinigung]], [[Spielvereinigung Erkenschwick]] und [[Hamborn 07]]. Daneben existieren unzählige Amateur- und Hobbyvereine. Viele dieser Vereine haben ihren Ursprung bei Werksmannschaften von [[Eisenwerk|Hütten]] und Zechen. == Verkehr == === Motorisierter Individualverkehr === [[Bild:Bochum A40.jpg|thumb|[[Bundesautobahn 40|A 40]] in Bochum]] Etwa 3,1 Millionen zugelassene Kraftfahrzeuge waren im Jahr 2002 im Ruhrgebiet gezählt. Diese können auf 4.700 km überörtlichen Straßen fahren. Weil sich jedoch Stadt-, Regional- und Fernverkehr insbesondere zu den Hauptzeiten des Berufsverkehrs überlagern, kommt es häufig zu Staus. Diese sollen in Zukunft durch fortschrittliche Verkehrsinformationssysteme wie ''OLSIM'', ''Ruhrpilot'' und dem RVR-Projekt ''Informationssystem Verkehr Ruhrgebiet'' vermieden werden. Die drei Autobahnen [[Bundesautobahn 2|A 2]] und [[Bundesautobahn 42|A 42]] und [[Bundesautobahn 40|A 40]] bilden jeweils in Ost-West-Richtung die drei Hauptachsen des Kraftfahrzeugverkehrs, von Nord nach Süd verlaufen [[Bundesautobahn 3|A 3]], [[Bundesautobahn 43|A 43]], [[Bundesautobahn 45|A 45]] und [[Bundesautobahn 59|A 59]]. Insbesondere der regional so genannte „Ruhrschnellweg“, die A 40, (teilweise auch als [[Bundesstraße 1|B 1]] geführt) ist für seinen Beinamen „Ruhrschleichweg“ bekannt, da er eine der Straßen mit dem bundesweit höchsten Verkehrsaufkommen ist und durch tägliche [[Verkehrsstau]]s geprägt ist. Zu beachten ist auch der Auspendlerstom über die ehemalige Bundesstraße 1 zur [[Landeshauptstadt]] [[Düsseldorf]]. === Öffentlicher Verkehr === Der [[Öffentlicher Personennahverkehr|Öffentliche Personennahverkehr]] wird weitestgehend vom [[Verkehrsverbund Rhein-Ruhr]] (VRR) organisiert. Der ÖPNV im [[Kreis Wesel]] wird hingegen vom [[Verkehrsgemeinschaft Niederrhein]] (VGN) und der ÖPNV im [[Kreis Unna]] sowie im Bereich der Stadt [[Hamm]] von der [[Verkehrsgemeinschaft Ruhr-Lippe]] (VRL) besorgt. ==== Eisenbahn ==== Wichtigste [[Eisenbahnknoten|Knotenbahnhöfe]] des Personenfernverkehrs sind die Hauptbahnhöfe in [[Dortmund Hauptbahnhof|Dortmund]], [[Duisburg Hauptbahnhof|Duisburg]], Essen, [[Hagen Hauptbahnhof|Hagen]], [[Bahnhof Hamm (Westfalen)|Hamm]], Oberhausen und Wanne-Eickel. Dem Dortmunder Hauptbahnhof ist der große Abstellbahnhof Dortmund [[Betriebsbahnhof|Bbf]] an der Strecke nach [[Hamm]] angeschlossen. ==== S-Bahn und Regionalverkehr ==== [[Bild:BR143-Eisenbahnfotograph.jpg|thumb|S-Bahn-Linie 5 in [[Dortmund Hauptbahnhof|Dortmund]]]] Wesentlich zur infrastrukturellen Erschließung des Ruhrgebietes mit Anbindung des [[Rheinland]]s trägt die [[S-Bahn Rhein-Ruhr]] bei. Die Hauptlast der regionalen Verkehrsleistungen tragen allerdings die [[RegionalExpress]]-Linien. Fast alle RE-Linien führen vom [[Rheinland]] übers Ruhrgebiet ins östliche [[Westfalen]]. Der beabsichtigte Ausbau des RegionalExpress-Netzes scheitert an den gegenwärtigen finanziellen Schwierigkeiten des [[ÖPNV]]. In [[Witten]] betreibt die [[Deutsche Bahn]] das Eisenbahnausbesserungswerk in der Nähe des Hauptbahnhofes. Hier ist für [[2005]] eine neue Produktionshalle geplant. ==== Stadtbahn und Nahverkehr ==== [[Bild:Buerer strasse.jpg|thumb|right|Bus und Stadtbahn in Gelsenkirchen]] In den ersten beiden Jahrzehnten des [[20. Jahrhundert]]s entstand ein durchgehendes [[Straßenbahn]]netz, das mit Umsteigen eine durchgehende Straßenbahnfahrt von [[Bonn]] bis [[Werne]] ermöglichte. In den [[1950er]] Jahren wurden viele Straßenbahnlinien stillgelegt, dennoch ist es auch heute noch möglich, von Witten über Bochum, Gelsenkirchen, Essen, Mülheim an der Ruhr, Duisburg und Düsseldorf bis nach Krefeld mit der Straßenbahn zu fahren. In den [[1960er]] Jahren entstand der Plan, die überwiegend meterspurigen Straßenbahnstrecken durch ein normalspuriges [[Stadtbahnnetz Rhein-Ruhr]] zu ersetzen. Heute besteht dieses Stadtbahnnetz im Ruhrgebiet aus vier nicht miteinander verbundenen U-Bahnnetzen in Dortmund, Bochum (mit unterirdischer Verbindung zur Innenstadt von Herne), Essen (mit oberirdischer Stadtbahnverbindung auf dem Mittelstreifen der Bundesautobahn A40 zum U-Bahnnetz von Mülheim an der Ruhr) und Duisburg sowie deren Nachbarstädten. Neben Straßen- und Stadtbahnen sind Omnibusse die wichtigsten Verkehrsmittel des öffentlichen Personennahverkehrs im Ruhrgebiet. === Güterverkehr === Im Güterverkehr ist das Ruhrgebiet als Ganzes auch bei insgesamt zurückgehender Bedeutung der Eisenbahn in Deutschland, nach ihrer [[Privat]]isierung und der Verlagerung vieler Eisenbahntransporte auf den [[Straßenverkehr]] weiterhin der größte [[Eisenbahnknoten|Eisenbahnkomplex]] Europas mit mehreren [[Rangierbahnhof|Rangierbahnhöfen]] (''Hagen-Vorhalle'', ''Hamm (Westf) Rbf'', ''Oberhausen-Osterfeld Süd'', ''Schwerte (Ruhr)'' und ''Wanne-Eickel Hbf'') sowie mit noch immer zahlreichen Anschlussbahnen des [[Bergbau]]es und der [[Schwerindustrie]]. === Schifffahrt === [[Bild:Rhein-Herne-Kanal bei Oberhausen.jpg|thumb|right|[[Rhein-Herne-Kanal]] bei [[Oberhausen]]]] Das bedeutendste [[Gewässer]] in verkehrstechnischer Hinsicht im Ruhrgebiet ist in der heutigen Zeit der [[Rhein]]. Bis zur Mitte des [[19. Jahrhundert]]s war die Namensgeberin des Ruhrgebiets, die [[Ruhr (Fluss)|Ruhr]], einer der wichtigsten Transportwege. In [[Datteln]] kreuzen sich vier [[Kanal (Wasserbau)|Kanäle]], [[Rhein-Herne-Kanal]] (RHK), [[Wesel-Datteln-Kanal]] (WDK), [[Datteln-Hamm-Kanal]] (DHK) und [[Dortmund-Ems-Kanal]] (DEK) die damit den größten europäischen Knotenpunkt für die [[Binnenschifffahrt]] bilden. Der [[Ruhrschifffahrtskanal]] verbindet außerdem den Rhein (Duisburger Hafen) mit dem [[Mülheim an der Ruhr|Mülheimer]] Rhein-Ruhr-Hafen. Der Gesamtumschlag an den Kanälen des Ruhrgebiets beträgt etwa 25 Mio. Tonnen. Sowohl der größte [[Binnenhafen]] als auch der größte Kanalhafen Europas befinden sich im Ruhrgebiet. Der [[Duisburg-Ruhrorter_Häfen|Duisburger Hafen]] „duisport“, der vom Rhein, von der Ruhr und vom Rhein-Herne-Kanal zu erreichen ist, gilt als Verkehrsdrehscheibe der deutschen Binnenschifffahrt. Er hat einen jährlichen Umschlag von etwa 70 Mio. Tonnen. Im Gegensatz dazu hat der [[Hafen Dortmund|Dortmunder Kanalhafen]] trotz seiner Größe in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Rückgang der Stahlerzeugung erheblich an Bedeutung verloren. === Flugverkehr === ''Geschichte: [[Geschichte der Luftfahrt im Ruhrgebiet]]'' [[Image:DTMTerminalInside.jpg|thumb|right|Terminal [[Flughafen Dortmund]]]] Der einzige internationale Verkehrsflughafen im Ruhrgebiet ist der [[Flughafen Dortmund]], auf dem jährlich über 1,7 Mio. Passagiere abgefertigt werden. Für die Region bedeutender sind jedoch die Flughäfen [[Düsseldorf International|Düsseldorf]] und [[Konrad-Adenauer-Flughafen|Köln/Bonn]], die für Passagiere aus dem Ruhrgebiet gut erreichbar sind. Der Düsseldorfer und der Kölner Flughafen sind über das Schienennetz der deutschen Bahn und zahlreiche Autobahnen in kurzer Zeit aus dem Ruhrgebiet erreichbar. Privatflugverkehr findet außerdem auf dem Verkehrslandeplatz [[Flughafen Essen/Mülheim]] statt. Darüber hinaus existieren an der Peripherie des Ruhrgebiets zahlreiche Segelflugplätze für Vereine, unter anderem in Kamen-Heeren, Hamm, Kirchhellen/Schwarze Heide, Iserlohn, Wesel, Dorsten und in Schwerte. == Siehe auch == * '''[[Portal:Ruhrgebiet]]''' * [[Liste der Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten im Ruhrgebiet]] * [[Liste der Persönlichkeiten aus dem Ruhrgebiet]] * [[Liste der ersten Eisenbahnen in Nordrhein-Westfalen bis 1930]] * [[Liste der Fußballvereine des Ruhrgebiets]] * [[Ruhrdeutsch]] * [[Rhein-Ruhr]] == Literatur == [[Bild:Im_Duisburger_Norden.jpg|thumb|Im [[Duisburg]]er Norden: Ausgedienter Förderturm und Spielplatz]] * [[Gerd Willamowski]], Dieter Nellen, Manfred Bourrée: ''Ruhrstadt. Die andere Metropole.'' [[Klartext Verlag]], Essen 2002. ISBN 3884748955 * Gerd Willamowski, Manfred Schüller: ''Der Pott kocht.'' Pomp, Essen 2001. ISBN 3893552219 * Günter Drozdzewski, Vera Mügge, Volker Wrede: ''Von Korallenriffen, Schachtelhalmen und dem Alten Mann.'' Klartext, Essen 2005. ISBN 3898614395 * Wilhelm und Gertrude Hermann: ''Die Blauen Bücher, Die alten Zechen an der Ruhr''. [[Verlag_Langewiesche|Langewiesche]] 2000. ISBN 3784569927 * Reinhard Felden, Axel Föhl: ''Das Ruhrgebiet''. Ellert & Richter 2002. ISBN 3831900302 * Nina Grontzki, Gerd Niewerth, Rolf Potthof: ''Als die Steine Feuer fingen.'' Klartext, Essen 2003. ISBN 3898612082 * Inge Zander, Ralph Lueger: ''Der Pott. Erlebnis Ruhrgebiet.'' Droste Regional 2001. ISBN 377001135X * [[Roland Günter]]: ''Im Tal der Könige. Ein Handbuch für Reisen zu Emscher, Rhein und Ruhr.'' Klartext, Essen 2004. ISBN 388474044X * [[Regionalverband Ruhr|KVR]]: ''Das Ruhrgebiet packt aus.'' Bottrop 1996 * [[Regionalverband Ruhr|KVR/RVR]]: ''Standorte. Jahrbuch Ruhrgebiet''. Essen 1995 ff. * N.N.: ''Faszination Ruhrgebiet. Route der Industriekultur.'' Historisches Filmmaterial (89 min). Essen 2004 (DVD) == Weblinks == {{Commons|Category:Ruhr area|Ruhrgebiet}} {{Wiktionary|Ruhrgebiet}} {{Wikinews|Portal:Ruhrgebiet|Themenportal Ruhrgebiet}} * {{dmoz|World/Deutsch/Regional/Europa/Deutschland/Nordrhein-Westfalen/Regionen/Ruhrgebiet/|Ruhrgebiet}} * [http://www.rvr-online.de Website des Regionalverbands Ruhrgebiet] * [http://www.ruhrgebiet-regionalkunde.de Regionalkunde Ruhrgebiet] * [http://www.route-industriekultur.de Route Industriekultur] * [http://www.ub.ruhr-uni-bochum.de/Internet-Tips/ruhrgebiet.html Umfangreiche Linksammlung der RUB] * [http://www.ruhr-uni-bochum.de/isb/bdr Bibliothek des Ruhrgebiets] {{Lesenswert}} [[Kategorie:Region in Nordrhein-Westfalen]] [[Kategorie:Ruhrgebiet|!]] [[Kategorie:Metropolregion]] [[Kategorie:Historische Landschaft]] [[als:Ruhrgebiet]] [[el:Κοιλάδα του Ρουρ]] [[en:Ruhr Area]] [[eo:Ruhr-regiono]] [[es:Ruhr]] [[fi:Ruhrin alue]] [[fr:Ruhr (région)]] [[he:חבל הרוהר]] [[ja:ルール地方]] [[nl:Ruhrgebied]] [[pl:Zagłębie Ruhry]] [[pt:Região do Ruhr]] [[sv:Ruhrområdet]] [[tr:Ruhr Bölgesi]]
Diese Version des Artikels stammt vom 10.04.2006.
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